Tschechische Regionen profitieren von EU-Geldern [DE]

Seit die Tschechische Republik der Europäischen Union 2004 beigetreten, profitieren die tschechischen Regionen von großzügigen finanziellen Zuwendungen aus dem EU-Haushalt für Regionalpolitik. Gemeinsame Projekte mit den Nachbarregionen des Landes beinhalten zumeist Tourismus, Infrastruktur, Umwelt und kulturelle Kontakte, berichtet EURACTIV Tschechien.

Seit die Tschechische Republik der Europäischen Union 2004 beigetreten, profitieren die tschechischen Regionen von großzügigen finanziellen Zuwendungen aus dem EU-Haushalt für Regionalpolitik. Gemeinsame Projekte mit den Nachbarregionen des Landes beinhalten zumeist Tourismus, Infrastruktur, Umwelt und kulturelle Kontakte, berichtet EURACTIV Tschechien.

In der Tschechischen Republik sind Projekte für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit allen Nachbarn des Landes eingeleitet worden: Polen, Österreich, der Slowakei und den deutschen Bundesländern Bayern und Sachsen. 

Prag und der Bezirk Mittelböhmen sind die einzigen tschechischen Regionen, die an keiner grenzüberschreitenden Zusammenarbeit teilnehmen. 

Was Österreich betrifft, sind die wesentlichen Prioritäten im Zeitraum von 2007-2013 sozialökonomische Entwicklung, Tourismus und Wissenstransfer. EURACTIV.cz bat die tschechischen Koordinatoren der grenzüberschreitenden Projekte darum, ihre Erfahrungen und die aus der Zusammenarbeit gezogenen Lehren zusammenzufassen.

„Zurzeit gibt es immer mehr kleine Infrastrukturprojekte in Bereichen wie Umwelt, Tourismus, Radfahren und Touristenrouten oder Überschwemmungsmanagement”, sagte Vladimír Gašpar, Leiter der örtlichen Agentur für die Entwicklung des ländlichen Raums. Mehr als drei Millionen Euro sind seinen Angaben zufolge für kleine Projekte in Südmähren für den Zeitraum 2007-2013 vorgesehen.

Eines dieser Projekte ist das Projekt ‚Gesundheit’, das den Zugang zu medizinischer Hilfe und Notfalldiensten verbessern soll. Als weiteres Beispiel führte Gašpar das Euregio-Programm city.net an, das die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Beziehungen zwischen Städten in Südmähren und der Region Weinviertel in Niederösterreich verstärken soll.

Die Zusammenarbeit in Südböhmen sei ebenfalls erfolgreich. „Die Auswirkungen der Zusammenarbeit sind sichtbar und sie führt zu einer besseren Koexistenz der Regionen“, sagte Olivier Baudelet von der Europäischen Kommission in Bezug auf die Zusammenarbeit zwischen Bayern, Österreich und der Tschechischen Republik.

Baudelet zufolge haben diese Grenzregionen gezeigt, dass sie EU-Gelder auf nachhaltige und effiziente Weise zu nutzen verstehen. Für den Zeitraum 2007-2013 sind fast 161 Millionen Euro für das tschechisch-bayerische Interreg-Programm und ein tschechisch-österreichisches grenzüberschreitendes Programm vorgesehen.

Verbesserung des Straßennetzes

„Die sichtbarsten Verbesserungen betreffen die Verkehrsanbindung der Grenzregionen. Es gibt neue Verbindungen zu Fahrradrouten in Bayern und Österreich“, sagt Barbora Jakšová, verantwortlich für europäische Angelegenheiten in der Region Südböhmen.

Einer der wichtigsten Faktoren sei die Schaffung lebendiger Kontakte zwischen Menschen, fügt sie hinzu. Der Abbau von Vorurteilen und negativen Klischees sei eines der vorrangigen Ziele der Zusammenarbeit, obwohl es ein langfristiges Ziel sein, erzählte sie EURACTIV.

„Was die Zusammenarbeit mit Österreich betrifft, so ist der größte Teil des Geldes bisher in Tourismus, Kultur und Freizeitaktivitäten investiert worden. Bezüglich der tschechisch-bayerischen Zusammenarbeit wurde das meiste in wirtschaftliche Entwicklung, Arbeitskräfte und den Aufbau von Netzwerken investiert“, erklärte Jakšová.

„Eine Reihe neuer touristischer Grenzübergänge und Zugangspfade ist umgesetzt worden, die grenzüberschreitende Straßenanbindung ist verbessert worden und nicht zuletzt wurde die kulturelle Zusammenarbeit verstärkt und das Bewusstsein einer gemeinsamen Geschichte und gemeinsamer Traditionen verstärkt”, sagte Martin Návara, der in der Abteilung Europäische Integration bei der südböhmischen Regionalbehörde arbeitet.

Návara zählte einige Projekte auf, die derzeit innerhalb des operationellen Programms umgesetzt werden: die Schaffung einer neuen europäischen Region Donau-Moldau auf der Grundlage einer trilateralen Zusammenarbeit zwischen Südböhmen, Bayern und Österreich, eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen der Johannes Kepler Universität in Linz und der Universität Südböhmen, den Ausbau des Museums Fotoatelier Seidel im tschechischen Ort ?eský Krumlov und vieles andere mehr.

Im Falle der Region Vyso?ina wurde im April ein bedeutendes Projekt mit gemeinsamen historischen Exponaten aus Österreich und der Tschechei in den Städten Raaabs, Hor und Tel? gestartet. Die Ausstellung zeigt die gemeinsame Geschichte und die vergangene Teilung der Region auf. Experten aus beiden Ländern haben die Ausstellungsobjekte zusammengestellt, von denen viele aus privaten Sammlungen stammen und zum ersten Mal gezeigt werden.

Sprach- und Finanzierungslücken

Das wesentliche Problem der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit Tschechiens – außer mit der benachbarten Slowakei – ist die Sprachbarriere sowie manchmal die großen Entwicklungsunterschiede zwischen den beiden beteiligten Seiten.

„Manchmal können Hindernisse entstehen, wenn Regionen unterschiedliche Vorstellungen über die Zusammenarbeit haben”, gab die südböhmische Jakšová zu. Ihren Angaben zufolge schlagen die österreichischen Teilnehmer eher große und teure gemeinsame Projekte vor, die sich die Beteiligten ihres Landes nicht leisten können.

Sie erklärte, dass die tschechischen Teilnehmer oft nicht genug Geld in ihren Haushalten hätten, um große Projekte vorzufinanzieren. Nach Ansicht Jakšovás gibt es einen „Konflikt zwischen Vorstellungen und Umsetzbarkeit”.