Tschechischer Ex-Ministerpräsident Babiš verkauft Zeitungsbeteiligungen

Andrej Babiš, der derzeitige tschechische Oppositionsführer und ehemalige Ministerpräsident, zieht sich aus der Medienwelt zurück. Er verkauft den Verlag Mafra, der für seine beliebten Tageszeitungen Mf Dnes, Lidové noviny und Metro bekannt ist, an die Kaprain-Gruppe.

EURACTIV.cz
Briefing of Andrej Babis as Prague court acquitted him in EU subsidy fraud case
Der Verkauf von Mafra wurde im Zusammenhang mit der Verschärfung des Gesetzes über Interessenkonflikte in der Tschechischen Republik diskutiert. Das Gesetz verbietet es tschechischen Abgeordneten, Medienunternehmen zu besitzen, selbst über einen Treuhandfonds, was genau der Fall von Babiš war. [EPA-EFE/MARTIN DIVISEK]

Andrej Babiš, der tschechische Oppositionsführer und ehemaliger Ministerpräsident, zieht sich aus dem Mediengeschäft zurück. Er verkauft den Verlag Mafra, der für seine beliebten Tageszeitungen Mf Dnes, Lidové noviny und Metro bekannt ist.

Der Verkauf von Mafra wurde im Zusammenhang einer kürzlich erfolgten Verschärfung des Gesetzes über Interessenkonflikte in der Tschechischen Republik diskutiert. Das Gesetz verbietet es tschechischen Abgeordneten, Medienunternehmen zu besitzen, selbst über einen Treuhandfonds, wie es bei Babiš der Fall war.

Babiš‘ Verbindung zu Mafra war seit seiner Übernahme der tschechischen Medien der Rheinisch-Bergischen Verlagsgesellschaft, welche in Deutschland die Rheinische Post herausgibt, von Kontroversen geprägt.

Kurz nach dem Kauf im Jahr 2013 verließen zahlreiche Journalisten das Medienhaus aus Sorge um ihren Ruf. Die Situation spitzte sich zu, als Tonaufnahmen auftauchten, auf denen Babiš Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen schien.

Die Kritik beschränkte sich nicht nur auf diese Akquisition. Die Tatsache, dass Babiš Eigentümer von Mafra war, war politischen Rivalen ein Dorn im Auge, obwohl er seine Unternehmen vor sechs Jahren in Treuhandfonds eingebracht hatte.

Seine Doppelrolle als tschechischer Ministerpräsident und Medienbesitzer war umstritten und führte zu häufiger Kritik seitens des Europäischen Parlaments. Mafra gehörte ihm über seine gesamte Amtszeit und im anschließenden erfolglosen Wahlkampf bei den Präsidentschaftswahlen 2023.

Mafra hat nun die Chance, weiterhin auf dem Medienmarkt tätig zu sein, ohne die Last, einem hochrangigen Politiker zu gehören. Der Verlag wurde an die Kaprain-Gruppe verkauft, welche vom tschechischen Unternehmer Karel Pražák geleitet wird. Die weitere Zukunft des Medienhauses bleibt jedoch noch unklar. 

„Dies ist ein völlig neues Umfeld für uns. Wir haben zahlreiche Optionen auf dem Tisch, von der Beibehaltung und Weiterentwicklung von Mafra bis zum vollständigen oder teilweisen Verkauf. Viele Parteien auf dem aktuellen Markt zeigen Interesse“, so Kaprain-Eigentümer Pražák gegenüber der Hospodářské noviny.