Umstrittenes Lehrbuch kommt an polnische Schulen

Ein Lehrbuch für das Fach "Geschichte und Gegenwart", das als extrem politisiert und parteiisch gilt, wird ab 1. September Teil des Lehrplans an polnischen Schulen sein.

EURACTIV.pl
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Das Buch sorgte Anfang des Monats für internationale Schlagzeilen, als sein Verleger ankündigte, eine umstrittene Passage zu streichen, in der es heißt, dass Kinder, die durch In-vitro-Fertilisation (IVF) geboren wurden, nicht geliebt würden. [[Shutterstock/jakkaje879]]

Ein Lehrbuch für das Fach „Geschichte und Gegenwart“, das als extrem politisiert und parteiisch gilt, wird ab 1. September Teil des Lehrplans an polnischen Schulen sein.

Das Lehrbuch „1945 – 1979 Historia i teraźniejszość“ von Professor Wojciech Roszkowski hat in Polen hohe Wellen geschlagen. Es wurde nicht nur wegen seines Inhalts, sondern auch wegen seines essayistischen, politisierenden Sprachstils kritisiert.

Das Buch enthält viele rechtsgerichtete Meinungen des Autors selbst, die als historische Fakten dargestellt werden.

In seinem Lehrbuch setzt Roszkowski unter anderem den Feminismus mit dem Nationalsozialismus gleich, kritisiert die westliche Kultur und Politik im Allgemeinen und stellt alle Informationen durch die Brille seiner eigenen, radikal katholischen Überzeugungen dar.

So vergleicht der Autor beispielsweise die Methode der In-vitro-Fertilisation mit der „Züchtung“ von Menschen, wobei dieses Zitat inzwischen aus dem Lehrbuch entfernt wurde.

Das Bildungsministerium und das Institut des Nationalen Gedenkens (IPN) verteidigten das Lehrbuch und seinen Autor und erklärten sich mit Roszkowski solidarisch, was wiederum scharfe Kritik aus der Öffentlichkeit nach sich zog.

Über das Schulbuch sind inzwischen mehrere Umfragen durchgeführt worden. Von den 72,4 Prozent der Befragten, die von dem Lehrbuch bereits gehört haben, äußerten sich 73,3 Prozent negativ über das Buch.

„Nach Meinung vieler Menschen – vor allem Lehrer:innen und Eltern von Schüler:innen, die das Buch gesehen haben – entspricht es nicht den Anforderungen, die an schulische Lernmaterialien gestellt werden“, beschwerte sich der polnische Ombudsmann für Bürgerrechte, Marcin Wiącek, bei Bildungs- und Wissenschaftsminister Przemyslaw Czarnek.

Derweil hat der Verlag Wydawnictwa Szkolne i Pedagogiczne (WSIP), der Schulbücher herausgibt, beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und eine Alternative zu Roszkowskis Lehrbuch zu entwickeln.

Das Lehrbuch des Veralgs wurde am Montag (29. August) vom Ministerium genehmigt und wird ebenso wie Roszkowskis Buch ab dem 1. September in polnischen Schulen erhältlich sein. Das WSIP-Buch hat bisher gute Kritiken erhalten und wird als wesentlich objektiver angesehen.

„Jeder, der will, kann ein Lehrbuch über Geschichte und Gegenwart schreiben“, kommentierte Czarnek die Situation und betonte, dass es im polnischen Bildungssystem den Lehrkräften obliege, zu entscheiden, mit welchem Textbuch ihre Schüler:innen arbeiten sollen.