US-Klimaexperten: "Trump kann die Energiewende nicht aufhalten"
Der US-Präsident glaubt nicht an den Klimawandel. Doch das Wachstum der Erneuerbaren Energien kann er nicht stoppen, meinen Experten. Denn Trump hat Wirtschaft, Staaten und Städte gegen sich.
Der US-Präsident glaubt nicht an den Klimawandel. Doch das Wachstum der Erneuerbaren Energien kann er nicht stoppen, meinen Experten. Denn Trump hat Wirtschaft, Staaten und Städte gegen sich.
Das Konzept der globalen Erwärmung ist von und für die Chinesen erfunden worden. So sah es Donald Trump bereits 2012 – und auch damals bekundete er seine Meinung schon gern via Twitter. Viereinhalb Jahre später bereitet der Mann, an dessen Präsidentschaft damals kaum jemand ernsthaft glaubte, vielen Menschen in den USA wie auch in Europa Kopfzerbrechen.
The concept of global warming was created by and for the Chinese in order to make U.S. manufacturing non-competitive.
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) November 6, 2012
Groß ist die Furcht, dass die kommende Trump-Regierung das Pariser Klimaabkommen verlassen könnte, auf das sich erst Ende 2015 195 Staaten geeinigt hatten, um den globalen Temperaturanstieg infolge des Treibhauseffekts auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.
Frankreichs Ex-Premier Manuel Valls drohte Trump Mitte Januar gar mit einer europäischen Energiesteuer auf amerikanische Einfuhren, sollte er das Pariser Klimaabkommen in Frage stellen.
Anlasslos sind diese Ängste keinesfalls. Der von Barack Obama geförderte Clean Power Plan zur Senkung der US-Treibhausgasemissionen wurde inzwischen faktisch beerdigt, der Bau der umstrittenen Öl-Pipelines Dakota Access und KeystoneXL zugelassen.
Trump hat die Klimawandelskeptiker Rick Perry und Scott Pruitt zum Leiter des Energieministeriums sowie zum Chef der nationalen Umweltbehörde EPA erkoren. Deren Mitarbeiter wurden laut Reuters Ende Januar von der neuen Regierung angewiesen, Informationen über den Klimawandel von der Website zu entfernen, Links zu wissenschaftlichen Artikeln über die Erderwärmung zu löschen und Presseanfragen genauer zu prüfen.
https://twitter.com/EPAScottPruitt/status/836985391446122498
Dennoch warnen US-amerikanische Energieexperten wie Heidi VanGenderen, ehemalige Direktorin für Außenbeziehungen im US-Energieministerium, vor zu großem Pessimismus.
Trumps großes Ziel: Abbau fossiler Brennstoffe auf öffentlichem Land
„Trump“, so meint VanGenderen, „kann die Energiewende und den Kampf gegen den Klimawandel zwar verlangsamen, aufhalten kann er den Ruck aber nicht – auch wenn der Abbau fossiler Brennstoffe auf öffentlichem Land sein großes Ziel ist.“
Die Entwicklung hin zu grüner Energie auch in den USA hat teilweise schlicht wirtschaftliche Gründe.
„Die Preise für Solarenergie sind in den USA in den vergangenen fünf Jahren um 62 Prozent gesunken“, weiß Rolf Nordstrom, Präsident der NGO Great Plains Institute aus Minneapolis. Egal wer im Weißen Haus sitzt – ein Umlenken der Wirtschaft hin zu den Erneuerbaren Energien ist sowieso nicht mehr zu stoppen“, sagte Nordstrom bei einem Besuch in Berlin.
Das bestätigen die Zahlen: Schon jetzt gibt es in den Vereinigten Staaten mehr Arbeitsplätze in den Erneuerbaren Energien als im Kohlesektor. 2016 arbeiten 86.000 Menschen in den USA für die Kohleindustrie – 24 Prozent weniger als im Vorjahr. 370.000 Jobs gab es dagegen 2016 allein im Bereich der Solarenergie. „Im Westen der USA“, so Nordstrom, „belaufen sich die Kosten für den Betrieb von Kohlekraftwerken auf durchschnittlich 30 US-Dollar pro Megawattstunde (MWh).“ Der Bau neuer Windparks an gutgelegenen Standorten aber koste nur 15-25 US-Dollar pro MWh. Diese große Einsparungen sind neben billigem Fracking-Gas laut Nordstorm der Hauptgrund, warum immer US-Kohlekraftwerke eingehen.
Ohnehin, da sind sich Nordstrom und VanGenderen eingig, ist Trumps Einfluss bei aller Leugnung der menschengemachten Erderwärmung begrenzt. Die US-Bundesstaaten haben ihre eigenen Verfassungen – „und damit ein enormes Ausmaß an Freiheit, um selbst über ihre Klima- und Energiepolitik zu bestimmen“, sagt Nordstrom. 37 der 50 Bundesstaaten haben Ausbauziele für Erneuerbare Energien festgelegt, 28 haben Energie-Effizienz-Ziele. Das Weiße Haus könne solche Entwicklungen nicht stoppen, höchstens auf nationaler Ebene verlangsamen.
Einfluss der Regierung ist begrenzt
Auch wenn der Clean Power Plan politisch tot erscheinen mag, er ist auch dort auf fruchtbaren Boden gefallen, wo der Einfluss der Regierung begrenzt ist: in den Städten sowie in den Bundesstaaten, deren politische Eigenständigkeit wesentlich größer ist als die der deutschen Bundesländer. „Besonders die großen Städte sind Felder für Experimente im Bereich klimafreundlicher Innovationen“, berichtet Nordstrom.
Bei der C40-Initiative etwa, in der sich mehr als 80 Großstädte aus der ganzen Welt gemeinsam um mehr Maßnahmen zum Klimaschutz bemühen, sind auch 13 amerikanische Großstädte wie New York, Chicago, Los Angeles und Seattle beteiligt. Außerdem haben sich acht Städte in den USA verpflichtet, im Rahmen der Carbon Neutral Cities Alliance die Treibhausgasemissionen bis zur Mitte des Jahrtausends um 80 Prozent zu senken.
Kalifornien prescht bei Erneuerbaren vor – und viele konservativen Staaten
Die Nase besonders weit vorn unter den Bundesstaaten hat trotz des Gegenwinds aus dem republikanisch dominierten US-Kongress Kalifornien, dessen Wirtschaft als mittlerweile größer ist als die Frankreichs und weltweit an sechster Stelle steht. Nach dem Willen seines demokratischen Gouverneurs Jerry Brown soll der Staat bis 2030 die Hälfte des Stroms aus Erneuerbaren Energien kommen, die Emissionen sollen um 40 Prozent zurückgehen.
Doch nicht nur demokratisch regierte Staaten satteln zunehmend um. Auch Republikaner wissen inzwischen um die vielversprechende Zukunft von Windenergie und Photovoltaik. Die größten Windparks befinden sich in den konservativen Bundesstaaten wie Texas, Oklahoma und Iowa, große Solarparks in North Carolina, Utah und Arizona.
Überhaupt ist es so eine Sache mit dem Klischee des klimawandelskeptischen konservativen Trump-Wählers, wie eine Umfrage der Yale Universität kürzlich zeigte: Während demnach 50 Prozent der Trump-Wähler an die Klimaerwärmung glauben, tut das die andere Hälfte eben nicht. 50 Prozent der Trump-Anhänger finden zudem, dass die USA am Pariser Klimaabkommen teilhaben sollten. Zwei Drittel sprechen sich für eine höhere Besteuerung oder Regulierung fossiler Brennstoffe aus.
Ob die im Haushaltsentwurf vorgesehenen Kürzungen von 25 Prozent bei der nationalen Umweltbehörde EPA diese Skeptiker der Klimawandelskeptik umstimmen können – oder die zurzeit leere Seite des Council on Environmental Quality, einer Abteilung des Exekutivbüros des Präsidenten für föderale Umweltbemühungen? Noch wissen das auch Experten nicht vorherzusagen.