Vergleich der Strompreise in Europa
Deutschland liegt bei den Kosten für die Stromerzeugung für Privathaushalte im europäischen Mittelfeld. EURACTIV.de bietet eine Übersicht, wo die Stromerzeugung in Europa besonders billig, und wo sie besonders teuer ist.
Deutschland liegt bei den Kosten für die Stromerzeugung für Privathaushalte im europäischen Mittelfeld. EURACTIV.de bietet eine Übersicht, wo die Stromerzeugung in Europa besonders billig, und wo sie besonders teuer ist.
Haushaltskunden in Europa (EU27) mussten 2010 für die Stromerzeugung und Verteilung durchschnittlich 0,1223 Euro für eine Kilowattstunde Strom bezahlen. Damit blieben die Strompreise nach einem kontinuierlichen Anstieg seit 2005 nahezu unverändert. Im Vergleich zum Vorjahr war ein durchschnittlicher Rückgang um 0,04 Cent zu verzeichnen.
In den aktuellen Eurostat-Daten zur Stromerzeugung sind die Preise ohne staatliche Belastungen wie Steuern, Abgaben und Umlagen aufgeführt. Damit lässt sich transparent darstellen, wie hoch die Kosten bei Stromerzeugung und Verteilung wirklich sind.
Strom billiger als 2007
Deutsche Endverbraucher mussten 2010 durchschnittlich 0,1381 Euro pro Kilowattstunde (ohne Steuern und Abgaben) bezahlen und landeten damit europaweit auf Rang 18. Die Stromerzeugung in Deutschland war damit geringfügig billiger als im Vorjahr. 2007 hatte der Strompreis mit 0,1433 Euro pro Kilowattstunde einen Höchststand erreicht.
Der billigste Strom für Privathaushalte wurde 2010 in Bulgarien produziert. Eine Kilowattstunde kostete dort mit 0,0675 Euro nur etwa halb so viel wie in Deutschland. Auf Rang zwei und drei folgen Estland (0,0695 Euro) und Rumänien (0,0856 Euro). Frankreich belegt mit 0,0922 Euro den vierten Platz.
Am meisten kostete die Stromproduktion für Privathaushalte in Zypern (0,1597 Euro) und Irland (0,1589 Euro). Ebenfalls teurer als in Deutschland war die Stromproduktion in Spanien, Österreich, Luxemburg und Belgien.
Stromkosten im Überblick
Produktionskosten bei Strom für Privathaushalte 2010 (Euro/kWh)
1. Bulgarien (0,0675)
2. Estland (0,0695)
3. Rumänien (0,0856)
4. Frankreich (0,0922)
5. Lettland (0,0954)18. Deutschland (0,1381)
20. Österreich (0,1427)
21. Luxemburg (0,1433)
22. Belgien (0,1449)
23. Irland (0,1589)
24. Zypern (0,1597)
Steuern, Abgaben, Umlagen
Die aufgelisteten Kosten für Stromerzeugung und Vertrieb machen laut Beispielrechnung der Bundesnetzagentur nur etwa ein Drittel (ca. 34 Prozent) des Preises aus, den ein Endverbraucher in Deutschland am Ende tatsächlich bezahlen muss. Hinzu kommen Kosten für die Netznutzung (ca. 21 Prozent), für Messung und Abrechnung (ca. 3 Prozent), Mehrwertsteuer und Stromsteuer (knapp 25 Prozent) sowie für verschiedene staatliche Abgaben (knapp 16 Prozent). Zu letzteren zählen Konzessionsabgaben und Umlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG).
Nach den Berechnungen der Bundesnetzagentur bezahlte ein deutscher Durchschnittshaushalt 2010 etwa 23,4 Cent pro Kilowattstunde bei einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden.
Kostenexplosion wegen Atomausstieg?
Die Diskussion über mögliche Kosten eines beschleunigten Atomausstiegs geht derweil weiter. Der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, warnte vor Panikmache: "Die Auswirkungen des Moratoriums auf den Strompreis sind zurzeit nicht dramatisch."
Die deutsche Industrie befürchtet dagegen einen rasanten Anstieg der Strompreise. So geht der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in einer Studie davon aus, dass der Strompreis für Privathaushalte um fast ein Drittel steigen werde, falls Deutschland bis 2017 aus der Atomkraft aussteigt.
eurostat/rtr/mas
Links
Eurostat: Strompreise für private Haushalte (11. März 2011)
Studie im Auftrag des BDI: Energieökonomische Analyse eines Ausstiegs aus der Kernenergie in Deutschland bis zum Jahr 2017 (20. April 2011)
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Oettinger: Höhere Strompreise wegen Ausbau der Energienetze (10. Februar 2011)
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Oettinger will europäische Energiepolitik erzwingen (6. Dezember 2010)