"Wir müssen uns etwas leihen"

Die Regierung in Minsk will die Schulden für russische Gaslieferungen innerhalb von zwei Wochen begleichen. Wenige Stunden zuvor hatte Russland den Druck in dem seit Tagen andauernden Streit erhöht und eine schrittweise Drosselung der Lieferungen begonnen.

Russland hat im Streit um offene Rechnungen seinem Nachbarn Weißrussland teilweise das Gas abgedreht. Moskau drossele seit Montagmorgen 8 Uhr die Lieferungen schrittweise auf höchstens 15 Prozent, erklärte Gazprom-Chef Alexej Miller (L). Foto: dpa
Russland hat im Streit um offene Rechnungen seinem Nachbarn Weißrussland teilweise das Gas abgedreht. Moskau drossele seit Montagmorgen 8 Uhr die Lieferungen schrittweise auf höchstens 15 Prozent, erklärte Gazprom-Chef Alexej Miller (L). Foto: dpa

Die Regierung in Minsk will die Schulden für russische Gaslieferungen innerhalb von zwei Wochen begleichen. Wenige Stunden zuvor hatte Russland den Druck in dem seit Tagen andauernden Streit erhöht und eine schrittweise Drosselung der Lieferungen begonnen.

"Wir rechnen damit, dass wir innerhalb von zwei Wochen eine Möglichkeit finden, die Gasrechnung zu bezahlen. Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir Geldschwierigkeiten haben, um für das Gas zu bezahlen. Wir müssen uns etwas leihen", sagte der weißrussische Vizepremier Wladimir Semaschko am Montagnachmittag.

Der russische Energieriese Gazprom beziffert die weißrussische Schuld auf 192 Millionen US-Dollar. Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow bestätigte am Montag, Russland habe seine tägliche Lieferung an die weißrussischen Verbraucher bereits um 15 Prozent reduziert. Der geltende Vertrag ermögliche bei Bedarf sogar eine Drosselung um 85 Prozent. Wie weit das Unternehmen die Lieferungen senke, hänge von den Verhandlungsfortschritten ab, so Kuprijanow.

Anweisung von Medwedew

Moskau drossele seit Montagmorgen 8 Uhr die Lieferungen schrittweise auf höchstens 15 Prozent, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller nach Angaben der Agentur Interfax. Man folge einer entsprechenden Anweisung von Kremlchef Dmitri Medwedew.

Durch Weißrussland laufen zwar wichtige Versorgungsleitungen auch für den Westen. Ein Engpass wurde zunächst aber nicht befürchtet. Gazprom hatte angekündigt, notfalls mehr Gas für den Westen über die Ukraine zu pumpen, sollte Weißrussland die Transitpipelines anzapfen.

Vorwurf: Moskau schuldet Weißrussland 200 Millionen Dollar

Weißrussland hat das Drosseln der Gas- Lieferungen durch Russland als "illegal und unbegründet" kritisiert. Der russische Staatskonzern Gazprom spreche stets nur von angeblichen Schulden Weißrusslands und "täusche" damit Kremlchef Dmitri Medwedew, teilte der Gasversorger Beltransgas am Montag in der Hauptstadt Minsk mit. Gazprom schulde aber Weißrussland auch Geld, und zwar für den Transit von russischem Gas in den Westen.

Der weißrussische Vize-Energieminister Eduard Towpinez hatte vor kurzem davon gesprochen, dass Russland seinerseits dem Nachbarland etwa 200 Millionen US-Dollar für das Weiterleiten von Gas schulde. Sein Vorschlag, die Summen zu verrechnen, war in Moskau aber auf Empörung gestoßen.

Anfang des Jahres hatten Minsk und Moskau einen neuen Liefervertrag für Gas vereinbart, den Weißrussland aus Sicht des mächtigen Nachbarn nicht erfüllt. Der neue Streit gilt auch als politisch motiviert. Der autoritäre weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hatte den Kreml immer wieder mit politischen Angriffen gereizt.

In der aktuellen Situation kam das neue Frühwarnsystem zum Tragen. EU-Energiekommissar Günther Oettinger wurde frühzeitig von russischer Seite über die Senkung der Gasliefermengen informiert.

Ria Novosti / dpa