Junge Menschen politisch unterrepräsentiert

Statistisch gesehen sind junge Menschen sowohl in den nationalen als auch in den EU-Parlamenten unterrepräsentiert. Inmitten einer alternden Gesellschaft werden sie dadurch politisch oft außen vor gelassen. 

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This article is part of our special report "Stimme der Jugend: Politische Partizipation in der EU und darüber hinaus"
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Trotz allgemein niedriger Altersgrenzen, ist die Teilnahme Junger Menschen an der EU-Politikgestaltung faktisch ausgeschlossen.  [[Shutterstock/Tinxi]]

Statistisch gesehen sind junge Menschen sowohl in den nationalen als auch in den EU-Parlamenten unterrepräsentiert. Inmitten einer alternden Gesellschaft werden sie dadurch politisch oft außen vor gelassen. 

Während sich das Europäische Jahr der Jugend dem Ende zuneigt und die politischen Entscheidungsträger den Blick auf die Europawahlen von 2024 richten, bemühen sich Politiker um eine stärkere Beteiligung junger Menschen an Entscheidungsprozessen sowohl auf nationaler als auch auf regionaler Ebene.

„Als Präsident werde ich mein Bestes tun, um junge Menschen davon zu überzeugen, wählen zu gehen und immer Europa zu wählen, denn Europa war während der Pandemie da. Heute ist Europa da und ich möchte, dass Europa auch morgen noch da ist“, sagte die Präsidentin des Europäischen Parlaments Roberta Metsola in einem Interview mit EURACTIV.

Sie sei der Ansicht, dass die Jugend eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Gesellschaft und der Zukunft Europas spiele.

Ein de facto Trend

Allerdings werden Jugendliche de facto bei politischen Entscheidungen oft außen vor gelassen, sowohl aufgrund mangelnder Parlamentspräsenz als auch wegen der Alterung der Bevölkerung in der EU.

Nach Angaben der EU-Agentur für Grundrechte aus dem Jahr 2018 gibt es vier Mitgliedstaaten, in denen nur Personen ab 25 Jahren bei nationalen Wahlen kandidieren dürfen. In sieben EU-Mitgliedstaaten liegt die Altersgrenze bei 20-21 Jahren, wobei die Grenze bei 18 in 16 Ländern liegt.

Das Wahlalter für die EU Parlamentswahlen liegt in vielen Mitgliedstaaten bei 18 Jahren. In Belgien, Bulgarien, Zypern, Tschechien, Estland, Irland, Lettland, Litauen, Polen und der Slowakei liegte der Alter aber bei, wobei es in Rumänien 23, und in Italien und Griechenland sogar 25 Jahre ist.

Das Wahlalter fur nationale Wahlen ist in fast alle Mitgliedstaaten auf 18 Jahre festgelegt, obwohl es in Österreich und Malta bei 16 Jahren und in Griechenland bei 17 Jahren liegt.

Mangelnde Teilnahme

Trotz allgemein niedriger Altersgrenzen, ist die Teilnahme Junger Menschen an der EU-Politikgestaltung faktisch ausgeschlossen.

Kira Marie Peter-Hansen aus Dänemark, die jüngste Abgeordnete im Europäischen Parlament, ist mit 24 Jahren vom Durchschnittsalter der Europaabgeordneten von 49,5 Jahren sehr weit entfernt. In der vorangegangenen Wahlperiode lag das Durchschnittsalter sogar noch bei 53 Jahren.

Dies gilt auch auf Länderebene, da das Durchschnittsalter in den meisten nationalen Parlamente sehr hoch ist und die wenigen jungen Abgeordneten in der Regel nicht so hohe Führungspositionen besetzen.

Betrachtet man die neu gewählten Parlamente, so liegt das Durchschnittsalter in Italien bei 51 Jahren, während in Schweden kein Abgeordneter unter 30 Jahren gewählt wurde.

Nach Ansicht von Hannah Vanbelle von der Brüsseler Bürgerbewegung Agora ist der geringe Anteil junger Abgeordneter in den Parlamenten „nicht sehr repräsentativ“ für die jungen Generationen.

„Ich würde sogar behaupten, dass in den Parlamenten junge Menschen überrepräsentiert sein sollten, da viele der Entscheidungen, die getroffen werden, die Zukunft betreffen“, sagte sie während des Festivals für öffentliche Beteiligung und deliberative Demokratie, das im Oktober in Brüssel stattfand.

Alterung der Bevölkerung

Ein weiteres Element, das sowohl Wahlkampagnen als auch politische Prioritäten beeinflusst, ist die Alterung der Bevölkerung in der EU.

Die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Dubravka Šuica, hob die Alterung der Gesellschaft in einem Interview mit EURACTIV als positiven Effekt hervor. Denn die steigende Lebenserwartung sei ein „Sieg“ eines verbesserten öffentlichen Gesundheitssystems.

Die Demografie der EU hat jedoch einen spürbaren Einfluss auf die politischen Prioritäten.

Mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren hat die Mehrheit der Wähler, die zur Wahl gehen, weniger Bezug zu Themen, die junge Menschen direkt betreffen, was dazu führt, dass die politischen Interessen der älteren Generationen in den Hintergrund treten.

Partizipative Demokratieformen?

Über die Wahlen hinaus fördert die EU alternative Formen der politischen Beteiligung, wie die sogenannten partizipativen oder deliberativen Demokratieformen, die darauf abzielen, Bürger:innen vermehrt in politische Prozesse miteinzubeziehen.

Im Jahr 2022 veranstaltete die EU ihr erstes Experiment mit deliberativer Demokratie, die Konferenz über die Zukunft Europas (CoFoE).

Im Verlauf des Prozesses wurden EU-Bürger zufällig ausgewählt und in politische Diskussionen einbezogen, die von der Wirtschaft über Werte bis hin zu kulturellen Prioritäten reichten.

Um die Wirkung solcher Diskussionen zu festigen, ist es jedoch entscheidend, dass die Empfehlungen weiterverfolgt werden – ein Verfahren, das derzeit auf EU-Ebene läuft.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]