Ein Mandat für den Wandel: Warum das Problem des illegalen Handels in der EU angegangen werden muss
Die meisten Erwachsenen in Europa erkennen an, dass es ein Problem mit illegalen Tabakprodukten in der EU gibt. Sie sind sich auch der negativen Folgen bewusst, die der illegale Handel mit sich bringt, und davon gibt es viele.
Die meisten Erwachsenen in Europa erkennen an, dass es ein Problem mit illegalen Tabakprodukten in der EU gibt. Sie sind sich auch der negativen Folgen bewusst, die der illegale Handel mit sich bringt, und davon gibt es viele.
William Stewart ist der Präsident von Povaddo.
Wir wissen zum Beispiel, dass der leichte Zugang zu billigen, illegalen Zigaretten Raucher:innen davon abhält, mit dem Rauchen aufzuhören oder auf bessere Alternativen umzusteigen, die es heute gibt. Darüber hinaus betrifft das Problem in unverhältnismäßiger Weise Verbraucher:innen in Haushalten mit geringem Einkommen, die traditionell nur begrenzte Mittel und Möglichkeiten haben, die neuesten innovativen Produkte und Lösungen zu erwerben. Angesichts der anhaltenden Inflation und der wirtschaftlichen Instabilität ist es jetzt umso dringlicher, das Problem des illegalen Handels durch koordinierte Maßnahmen der Regulierungsbehörden, der Strafverfolgungsbehörden, des Privatsektors und anderer interessierter Parteien anzugehen.
Eine anhaltende Bedrohung für die öffentliche Gesundheit und die öffentlichen Finanzen
Das von mir geleitete Forschungsunternehmen Povaddo hat kürzlich im Auftrag von PMI eine Umfrage unter mehr als 13.000 Erwachsenen in 13 EU-Mitgliedstaaten durchgeführt. In dieser Umfrage glauben 67 Prozent der Befragten, dass der illegale Markt viele Raucher:innen davon abhält, mit dem Rauchen aufzuhören oder – falls dies nicht gelingt – auf bessere Alternativen umzusteigen. Eine Mehrheit (60 Prozent) ist auch der Meinung, dass die staatliche Förderung rauchfreier Produkte die Gleichberechtigung fördern und gesundheitliche Ungleichheiten abbauen kann, indem erwachsene Raucher:innen aus niedrigeren sozioökonomischen Verhältnissen Zugang zu besseren Alternativen zu Zigaretten erhalten.
Ein von PMI in Auftrag gegebener Bericht von KPMG aus dem Sommer 2022 ergab, dass der illegale Handel in der EU im Jahr 2021 um etwa 3,9 Prozent zugenommen hat, was einer zusätzlichen Menge von 1,3 Milliarden Zigaretten entspricht. Insgesamt wurden dem Bericht zufolge in einem Jahr 35,5 Milliarden illegale Zigaretten in Europa konsumiert. In Frankreich, dem größten Markt für illegale Zigaretten in der EU, machen illegale Zigaretten 29 Prozent des gesamten Zigarettenkonsums in diesem Land aus – ein deutlicher Anstieg gegenüber 13 Prozent im Jahr 2017. Abgesehen von den Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit gibt es auch erhebliche Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen. Aus dem KPMG-Bericht geht hervor, dass die Regierungen in der EU schätzungsweise 10,4 Milliarden Euro an zusätzlichen Steuern eingenommen hätten, wenn diese Zigaretten legal gekauft worden wären.
Ein boomender Schwarzmarkt für Zigaretten bedeutet, dass viele dieser Raucher:innen weiterhin rauchen werden – oft gefälschte Zigaretten, die nicht einmal den grundlegenden Sicherheits- und Qualitätsstandards entsprechen. Im Allgemeinen ist die Öffentlichkeit der Ansicht, dass Raucher:innen die gleichen Chancen haben sollten, die neuesten technologischen Fortschritte zu nutzen, um ihre Gesundheit zu verbessern und einen besseren Lebensstil anzunehmen. Die Zunahme des illegalen Handels hat jedoch den gegenteiligen Effekt und schränkt die Möglichkeiten zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit ein.
Sicherstellen, dass Innovation für alle funktioniert
Mehrere Faktoren beeinflussen den Zugang zu Innovationen, darunter das Bewusstsein, die Erschwinglichkeit und die Akzeptanz. Um die Vorteile einer Innovation zu nutzen, muss man wissen, dass es sie gibt, sie sich leisten können und verstehen, wie sie sich auf das eigene Leben auswirken könnte.
Der illegale Handel stellt ein weiteres Hindernis für einen positiven Wandel dar, insbesondere für die Schwächeren in der Gesellschaft. Erwachsene Raucher:innen aus den unteren sozioökonomischen Gruppen, die am wenigsten Ressourcen und Zugang zu sozialen Diensten und Sicherheit haben, sind oft am stärksten von illegalen Zigaretten betroffen. Dies ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.
Um dieses Problem zu lösen, bedarf es einerseits eines fairen und wissenschaftlich fundierten Rechtsrahmens und andererseits einer stärkeren Sensibilisierung und Aufklärung. Die Raucher:innen müssen verstehen, welche Folgen der Kauf illegaler, geschmuggelter oder gefälschter Produkte hat. Nur wenn wir sie genau und angemessen informieren, können wir sie ermutigen, eine bessere Wahl zu treffen. Dies ist nicht nur mein Standpunkt, sondern der Standpunkt der meisten von uns befragten Erwachsenen in der EU.
Was kann getan werden?
Der illegale Handel ist kein Bagatelldelikt oder ein Verbrechen ohne Opfer. Er untergräbt die öffentliche Gesundheit. Für die Regierungen belaufen sich die Einnahmeverluste auf Milliardenbeträge, die für die öffentliche Gesundheit und Sicherheit ausgegeben werden könnten. Der illegale Tabakhandel fördert auch das organisierte Verbrechen und die Korruption. Kriminelle Netzwerke nutzen die Gewinne aus gefälschten Zigaretten, um andere Aktivitäten wie Menschen- und Drogenhandel und sogar Terrorismus zu finanzieren.
Die Gesellschaft kann dieses Problem nur dann erfolgreich angehen, wenn die Regierungen und der private Sektor zusammenarbeiten können. Es ist beruhigend, dass in einigen Ländern mit einer langen Geschichte des Zigarettenhandels, wie zum Beispiel in Ost- und Mitteleuropa, der illegale Handel mit Zigaretten stetig zurückgegangen ist. In Verbindung mit einer wirksamen Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit haben sich diese Länder auch für bessere Alternativen zu Zigaretten geöffnet.
Den Regierungen kommt eine entscheidende Rolle zu. Sie bestimmen die Regulierung, die Besteuerung und die Durchsetzung der Gesetze. Drei von vier Umfrageteilnehmer:innen (74 Prozent) sind der Meinung, dass die Regierungen den illegalen Handel als unbeabsichtigte Folge berücksichtigen müssen, wenn sie entscheiden, wie sie Tabak und nikotinhaltige Produkte regulieren und besteuern wollen.
Für die Verbraucher:innen müssen Anreize für legale und bessere Produkte geschaffen werden, und die Öffentlichkeit fordert die Regierungen auf, Maßnahmen zu ergreifen, die den Raucher:innen den Zugang zu diesen Produkten ermöglichen, damit sie nicht auf den Schwarzmarkt getrieben werden.