Europas neues Triumvirat [DE]

Angela Merkel, eventuell bald Deutschlands neue Kanzlerin, und der mutmaßliche Chirac-Nachfolger Nicolas Sarkozy kommen Tony Blair näher. Daniel Kramb fragt daher in einem Artikel, der von café babel  veröffentlicht wurde, ob wir einer neuen Machtbalance in Europa entgegenblicken.

Angela Merkel, eventuell bald Deutschlands neue Kanzlerin, und der mutmaßliche Chirac-Nachfolger Nicolas Sarkozy kommen Tony Blair näher. Daniel Kramb fragt daher in einem Artikel, der von café babel  veröffentlicht wurde, ob wir einer neuen Machtbalance in Europa entgegenblicken.


Auszug

Manchmal sind es kleine Gesten, die ausreichen, um die ganze Geschichte zu erzählen. Als Angela Merkel, Deutschlands Oppositionsführerin und erwartete Gewinnerin der Bundestagswahl am 18. September, in diesem Jahr Frankreich besuchte, standen drei offizielle Begegnungen auf dem Terminkalender: Treffen mit Präsident Jacques Chirac und Premierminister Dominique de Villepin lagen klar auf der Hand. Aber auf der Liste stand auch Nicolas Sarkozy, Frankreichs Innenminister und Chef der rechtsgerichteten Partei UMP, der als heißer Tipp für die Übernahme der Präsidentschaft von Chirac 2007 gehandelt wird.

Wie sie so nebeneinander saßen, die Sprachbarriere durch Dolmetscher überbrückt, ließen weder Gesichtsausdruck der beiden Politiker noch ihr übereinstimmendes Nicken Zweifel: Hier sitzen zwei zukünftige Staatsführer, die sich blendend verstehen. Während also Chirac höflich einen gemeinsamen Fototermin mit Deutschlands potentiell erster weiblicher Kanzlerin ablehnte, nahmen Merkel und Sarkozy eine solche Gelegenheit gerne wahr und verabschiedeten sich in bester Stimmung.

Eine besondere Freundschaft

Und tatsächlich haben Merkel, 51, und Sarkozy, 50, hinter der freundlichen Fassade eine Menge gemeinsam. Beide sind, was man moderne Konservative nennen könnte, deren gemeinsame Überzeugung hinsichtlich einer marktwirtschaftlich ausgerichteten Politik sowie der Notwendigkeit von Reformen sowohl in deren eigenen Ländern als auch – in gewissem Umfang – in der EU allseits bekannt ist. Ein weiteres gemeinsames Charakteristikum, das sie am stärksten von ihren Vorgängern, Schröder und Chirac, unterscheidet, ist ihre Nähe zu den USA. Sowohl Merkel als auch Sarkozy, von der französischen Presse gelegentlich als Sarkozy l’Américain bezeichnet, sind fest überzeugt von der Brücke zwischen Europa und den USA – auf den Punkt gebracht: zwischen Deutschland, Frankreich und den USA -, und dass diese Brücke wiedererrichtet werden müsse.

Kein Wunder, dass all dies von noch jemandem mit großem Interesse beäugt wird: Großbritanniens Premierminister Tony Blair, der wegen einer Reihe von Angelegenheiten des Öfteren mit Schröder und Chirac aneinander geraten ist, würde zweifellos einen Wechsel in der politischen Elite von Europas einflussreichsten Staaten willkommen heißen. Warum Blair das Duo Merkel-Sarkozy begrüßen würde, ist nicht schwer zu erkennen. Deren Wunsch nach marktgerichteten wirtschaftlichen Reformen, deren (obgleich vorsichtiges) Infragestellen der in ihren Ländern eingerichteten großzügigen Sozialmodelle und vor allem deren Offenheit gegenüber den Vereinigten Staaten sind Musik in Blairs Ohren. […]

Der Volltext des Artikels ist auf der Website von café babel verfügbar.