Gemeinsam für den Wiederaufbau der Städte in der Ukraine
Die Menschen in der Ukraine leiden nach wie vor unter dem brutalen Angriffskrieg des Putin-Regimes, aber wir sind weiterhin entschlossen, zu zeigen, dass die Ukraine nicht zerstört oder unterjocht werden kann, schreiben Vitali Klitschko und Alves Cordeiro im Gastbeitrag.
Vor dem Winter muss in der Ukraine dringend etwas geschehen: Wohnhäuser und Infrastruktur müssen wiederaufgebaut werden. Die Menschen im ganzen Land leiden nach wie vor unter dem brutalen Angriffskrieg des Putin-Regimes, aber wir sind weiterhin entschlossen, zu zeigen, dass die Ukraine nicht zerstört oder unterjocht werden kann.
Vitali Klitschko ist der Bürgermeister von Kiew und Vorsitzender der Vereinigung ukrainischer Städte. Vasco Alves Cordeiro ist Präsident des Europäischen Ausschusses der Regionen.
Nach dem brutalen Überfall Putins auf die Ukraine flohen Millionen von Frauen, Kindern und älteren Menschen vor Beschuss, Gräueltaten und Verwüstungen in die Nachbarländer und konnten nur mitnehmen, was sie selbst tragen konnten. Die europäischen Städte und Regionen wiederum öffneten den Kriegsflüchtlingen ihre Türen, Schulen und öffentlichen Einrichtungen und gewährten ihnen Zuflucht.
In Florenz, Marseille, Banská Štiavnica und vielen, vielen weiteren Städten in Europa lernen nun Kinder, ihre neuen Freundinnen und Freunde auf Ukrainisch zu begrüßen und sich vorzustellen. In Porto, Bukarest und Danzig kochen ukrainische Frauen Wareniki für ihre Gastgeber, als Dank, dass sie bei ihnen Zuflucht finden durften. Europäische Gemeinden und Regionen standen in einer Welle der Solidarität an vorderster Front, um die Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer aufzunehmen. Außerdem leisten sie auch direkt in der Ukraine humanitäre Hilfe. Gemeinsam mit Feuerwehrleuten, nichtstaatlichen Organisationen und der lokalen Bevölkerung haben Menschen aus Italien und Frankreich Fahrzeuge und Verbandskästen an die ukrainische Grenze geschickt.
Viele Städte aus verschiedenen Ländern haben sofort Kontakt aufgenommen, entweder zu ihren Partnerstädten oder anderen Städten in der Ukraine, die unter heftigem Beschuss standen. Die ukrainischen Partner konnten auf diese Weise mitteilen, was sie in Bezug auf Nahrung, Wasser, Kleidung, Ausrüstung und Verkehrsmittel am dringendsten benötigten. So erhielt die Stadt Mykolajiw beispielsweise Rettungsfahrzeuge, Maschinen und andere Hilfsgüter aus Dortmund, die Städte Schytomyr und Kamin-Kaschyrskyj erhielten humanitäre Hilfe aus Sindelfingen.
Der Europäische Ausschuss der Regionen unterstützte und warb für den Vorschlag der Vereinigung ukrainischer Städte, in EU-Ländern Sommerlager für Kinder aus der Ukraine zu organisieren, damit sich die Kinder, deren Eltern in der Ukraine bleiben und arbeiten mussten, physisch und psychisch erholen konnten. Mehr als 500 Kinder waren bereits in Italien, Frankreich, Polen, Griechenland, Lettland und auf Mallorca.
Die verstörenden Bilder dieses Krieges aus Butscha, Mariupol, Borodjanka, Irpin und Charkiw haben der Welt das Ausmaß der Zerstörung vor Augen geführt. Häuser, Wohngebäude, Schulen, Kindergärten, Spielplätze, Universitäten und Krankenhäuser liegen in Schutt und Asche. Auch wenn wir alle gerade unter der Sommerhitze leiden, dürfen wir nicht vergessen, dass der Winter vor der Tür steht. Regen und Schnee werden den beschädigten Gebäuden zweifellos den Rest geben, wenn wir nichts unternehmen.
Die schlimmen Bilder der zerbombten Ukraine lassen uns an die dunkelsten Stunden unseres Kontinents denken. Städte, die in beiden Weltkriegen zerstört wurden, wurden jedoch wiederaufgebaut. Und auch die ukrainischen Städte werden wiedererstehen.
Die Regionen und Gemeinden der EU müssen nun noch mehr Unterstützung und Solidarität zeigen. Die Städte in der Ukraine benötigen Hilfe, um ihre Infrastruktur wieder aufzubauen und aus Ruinen wieder Wohnungen und Gebäude für öffentliche Dienstleistungen zu machen. Die vertriebenen Ukrainerinnen und Ukrainer müssen nach Hause zurückkehren können.
Durch die Zusammenarbeit zwischen Städten und Regionen werden diese enormen Wiederaufbauanstrengungen von Erfolg gekrönt sein. Die Städte und Regionen der EU verfügen über das erforderliche Fachwissen und Know-how und sind bereit, dies mit ihren ukrainischen Partnern zu teilen. Auf der lokalen Ebene formiert sich eine Solidaritätsbewegung: Cascais in Portugal wird einen Kindergarten in Irpin wiederaufbauen, Tschernihiw erhält dank der Unterstützung der Île-de-France neue Wohnhäuser und Energieinfrastrukturen, Lublin wird Charkiw beim Wiederaufbau helfen und Rzeszów Schytomyr. Wir müssen es weiteren Städten ermöglichen, Hilfe zu leisten.
Die EU hat den Aufruf von Präsident Selenskyj gehört, die Städte und Regionen der EU im Rahmen von Partnerschaften am Wiederaufbau zu beteiligen.
Der Europäische Ausschuss der Regionen hat daher gemeinsam mit der Vereinigung ukrainischer Städte die Europäische Allianz der Regionen und Städte für den Wiederaufbau der Ukraine ins Leben gerufen. Wir erwarten von der Europäischen Kommission, den Mitgliedstaaten und allen Gebern ganz klar, dass sie den lokalen und regionalen Gebietskörperschaften in der EU die finanziellen Mittel an die Hand geben, die sie brauchen, um die ukrainischen Partner beim Wiederaufbau ihrer Infrastruktur zu unterstützen.
Über einen Peer-to-Peer-Ansatz können der Kapazitätsaufbau gestärkt und der Austausch von Know-how auf Augenhöhe erleichtert werden. Wir wollen Partnerschaftsprogramme fördern, die ausreichend ausgestattet sind, um technische Hilfe zu leisten. Nachhaltigkeit und eine verantwortungsvolle Verwaltung sind hierbei unerlässlich. Auf der Liste steht nicht nur der Wiederaufbau von Häusern, Schulen und Infrastrukturen, sondern auch die Wiedererrichtung bürgerschaftlicher und lokaler Institutionen.
Wir fordern alle lokalen und regionalen Gebietskörperschaften auf, sich am Wiederaufbau der Ukraine zu beteiligen. Wir fordern alle Geber auf, Lösungen zu entwickeln, wie die Einbeziehung subnationaler Gebietskörperschaften erleichtert werden kann, um zum Aufbau einer prosperierenden und nachhaltigen Zukunft für die Ukraine beizutragen und die lokale Demokratie und die gemeinsamen Werte der EU zu stärken.
Wir können es unseren ukrainischen Freunden, die unglaublichen Mut und Entschlossenheit an den Tag legen, jetzt gleichtun. Packen wir es an – Hand in Hand!