Französischer Solarentwickler: Kernenergie bei Erneuerbaren-Ausbau einbeziehen
Die Kernenergie dürfe bei der Förderung erneuerbarer Energien nicht vernachlässigt werden, da sie auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil des Energiemixes sein werde, sagt Mathieu Cambet, Gründer und Generaldirektor des Solarunternehmens Reservoir Sun, im Interview mit EURACTIV Frankreich.
Die Kernenergie dürfe bei der Förderung erneuerbarer Energien nicht vernachlässigt werden, da sie auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil des Energiemixes sein werde, sagt Mathieu Cambet, Gründer und Generaldirektor des Solarunternehmens Reservoir Sun, im Interview mit EURACTIV Frankreich.
In Frankreich macht die Kernenergie derzeit etwa 60 bis 70 Prozent der installierten Stromerzeugung aus. Erneuerbare Energien (ohne Wasserkraft) haben einen Anteil von zehn Prozent an der Stromerzeugung in Frankreich – ein Anteil, der in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich weiter steigen dürfte.
Im Jahr 2020 bestand der Strommix der EU zu etwa 25 Prozent aus Kernkraft und zu 25 Prozent aus erneuerbaren Energien – einschließlich Biomasse, aber ohne Wasserkraft.
„Langfristig wird die Kernenergie zurückgehen, um Platz für erneuerbare Energien zu schaffen, mit einem Trend zur Entwicklung lokaler Energien, wie in allen Bereichen des Verbrauchs“, so Cambet gegenüber EURACTIV.
Die wetterabhängigen Flauten bei der Solarenergie machen es aus Sicht des Entrwicklers jedoch derzeit unmöglich, ohne Atomkraft zu leben. „Bis zum Jahr 2050 werden wir mit einem Anteil von mindestens 50 Prozent Atomstrom am Strommix auskommen müssen“, sagte er.
„Wir dürfen die beiden Energiearten nicht gegeneinander ausspielen, sondern müssen die erneuerbaren Energien maximieren.“
Reindustrialisierung Europas
Im Rahmen des Projekts, das lokal erzeugten Solarstrom weiterverteilt, wurden 50.000 Quadratmeter photovoltaische Schirme und Dächer für die Infrastruktur von OL Vallée installiert, darunter das Groupama-Stadion in Lyon.
„Das Groupama-Stadion ist das erste [Stadion] der Welt, das über so viele Solaranlagen verfügt“, so Cambet.
Frankreich arbeitet derzeit an einem Gesetz zum Ausbau der Kapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien, einschließlich der Solarenergie, um seine Ziele für den Anteil der Erneuerbaren zu erreichen.
Um die Nachfrage zu befriedigen, „muss die EU die Produktionskette für Solarpanels wiederbeleben, genauso wie andere Technologien wie Wasserstoff und Batterien“, sagte Cambet und fügte hinzu, dass sie sich in die richtige Richtung bewege.
Der Gründer unterstützt insbesondere lokale Projekte: „Die beste Energie ist die, die dort erzeugt wird, wo sie auch verbraucht wird“, betonte er.
Die französischen Abgeordneten debattieren derzeit über einen Gesetzesentwurf zur Beschleunigung der Entwicklung erneuerbarer Energien – ein Schritt, den Cambet befürwortet, da er es für wichtig hält, „die Verfahren zu vereinfachen.“
Laut Yves Verhilac, dem Vorsitzenden der Französischen Liga für Vogelschutz, wäre der erste Entwurf des Gesetzes, der auch die Überdachung vieler Parkplätze mit Sonnenkollektoren vorsieht, jedoch übermäßig schädlich für die Artenvielfalt.
Die Forderung nach einer Vereinfachung der Verfahren sei „fast schon populistisch“, sagte er gegenüber EURACTIV Frankreich.
Reservoir Sun entwickle jedoch nur Projekte auf künstlich angelegten Flächen, die für nichts anderes genutzt werden könnten, so Cambet.
„Die in dem Gesetzentwurf vorgesehenen Maßnahmen sind wichtig“, sagte er, denn sie würden „die Entwicklung von mehr kleinen Projekten ermöglichen, die es Unternehmer:innen, kleinen und mittleren Unternehmen und Handwerker:innen erlauben, ihren eigenen Strom zu produzieren und ihre Kosten zu senken.“
„Es besteht kein Zweifel, dass wir uns in einem Paradigmenwechsel befinden“, betonte Cambet. „Die aktuelle Energiekrise ist ein Katalysator für die Energiewende.“
Lesen sie das französische Originalinterview hier.
[Bearbeitet von Daniel Eck/Nathalie Weatherald]