Regulierter Arbeitsmarkt erschwert Anpassung an Krisen

Investitionen für Wachstum und Stabilität in Europa (I)Wie können Zukunftsinvestitionen Wachstum und Stabilität in Europa bringen? Ein Diskurs der Europäischen Investitionsbank (EIB), der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der Euro-Gruppe und des voestalpine-Konzerns – auf einer Konferenz in der österreichischen Botschaft zu Berlin sowie auf EURACTIV.de. Den Anfang macht Robert Ottel, Finanzvorstand der voestalpine AG: Europa geht oft den Weg der künstlichen Verteuerung.

In manche Länder hat man schon vor 20 Jahren nur mit Vorbehalt expandiert… Foto: dpa
In manche Länder hat man schon vor 20 Jahren nur mit Vorbehalt expandiert... Foto: dpa

Investitionen für Wachstum und Stabilität in Europa (I)Wie können Zukunftsinvestitionen Wachstum und Stabilität in Europa bringen? Ein Diskurs der Europäischen Investitionsbank (EIB), der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der Euro-Gruppe und des voestalpine-Konzerns – auf einer Konferenz in der österreichischen Botschaft zu Berlin sowie auf EURACTIV.de. Den Anfang macht Robert Ottel, Finanzvorstand der voestalpine AG: Europa geht oft den Weg der künstlichen Verteuerung.

Zur Person

" /Robert Ottel (geboren 1967) ist seit 2004 Mitglied des Vorstands und leitet das Ressort Finanzen. Die voestalpine mit Sitz in Linz (Österreich) ist ein weltweit agierender stahlbasierter Technologie- und Industriegüterkonzern mit 47.750 Mitarbeitern in 50 Ländern.

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EURACTIV.de: Die Staats- und Regierungschefs der EU haben sich dieser Tage auf dem Sondergipfel in Paris auf eine Jobgarantie für junge Arbeitslose innerhalb der nächsten zwei Jahre geeinigt. Was halten Sie von dieser Maßnahme?

OTTEL: Diese Einigung stellt ja nur eine Empfehlung dar, die durch nationale Gesetzgebungen erst in die Realität umgesetzt werden müssen. Sie ist ja auch schon als "Ermutigung" bezeichnet worden.

Die hohe Arbeitslosigkeit bzw Jugendarbeitslosigkeit scheint durch die Wirtschaftskrise ausgelöst zu sein. Die großen Unterschiede in Europa einerseits und die historische Betrachtung andererseits zeigen aber vor allem eine Ursache, und das ist der regulierte Arbeitsmarkt. Je höher der Kündigungsschutz und je schwieriger für ein Unternehmen die Anpassung an konjunkturelle Schwankungen, desto geringer die Bereitschaft zur Investition und Anstellung.

Die konjunkturelle Schwäche zeigt nur jetzt wieder deutlich Unterschiede, die schon vor 15 oder 20 Jahren offensichtlich waren und durch das schuldenfinanzierte Wachstum Anfang der 2000er Jahre zugedeckt waren. Manche Länder Europas waren schon vor 20 Jahren Länder, die auch schon vor der Krise Schwierigkeiten hatten, Auslandsinvestitionen anzuziehen.

EURACTIV.de: Wie wird sich die jüngste und abermals historische Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf 0,25 Prozent auf die Wirtschaft auswirken?

OTTEL: Die Zentralbankraten beeinflussen die Investitionstätigkeit der Unternehmen praktisch gar nicht. Die Verfügbarkeit von Finanzierungen wird durch regulatorische Fragen weit mehr beeinflusst: Basel III in Bezug auf Bankenfinanzierungen, die Finanztransaktionsteuer (FTS) in Bezug auf Kapitalmarkt, generelle Stabilität. Alle Impact-Studien haben gezeigt, dass Basel III  oder FTS einen negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben werden – das hat man bewusst in Kauf genommen.

In den Jahren 2011 und 2012 haben sich die Firmenkredite in Europa durch die 16 größten Banken um 440 Milliarden Euro reduziert. In den beiden gleichen Jahren war der corporate supply auf dem Anleihenmarkt zirka 300 Milliarden. Da bleibt eine Lücke, die nicht erklärbar ist. Schon alleine nicht für die Unternehmen, die auf den Kapitalmarkt gehen können. Geschweige denn für die kleinen, die nicht diese Möglichkeit haben.

Was die Banken für Anlagemöglichkeiten suchen? Welche, die Basel III entsprechen: also schnell liquidierbar und geringe Eigenkapital-Hinterlegung – also Staatsanleihen: die sind im gleichen Zeitraum um über 500 Milliarden Euro gestiegen.

Die Unternehmen erreichen jetzt erst wieder die Kapazitäten von 2008. Die Erweiterungsinvestitionen, die jetzt vor der Türe stehen, werden zeigen, ob es eine Kreditknappheit gibt.

EURACTIV.de: Wird Europa nach bewältigter Krise stärker dastehen als etwa die USA und andere große Märkte?

OTTEL: Wohlstand wird durch Arbeit generiert, durch Wertschöpfung. Die Rahmenbedingungen sind dafür in Europa nicht grundlegend besser geworden. Weder Bevölkerungswachstum noch natürliche Ressourcen wie Energien und Bodenschätze sind in Europa vorhanden. Ganz im Gegenteil geht Europa in manchen Themen einen Weg der künstlichen zusätzlichen Verteuerung.

Das ist für die Ansiedlung von Industrie in Europa nicht hilfreich. Damit zwingt man Unternehmen, den Investitionsschwerpunkt außerhalb Europas zu suchen.


Interview: Ewald König

Hintergrund


Am Montag, dem 25. November, veranstaltet die österreichische Botschaft in Berlin ein wirtschaftspolitisches Gespräch zum Thema
„Investitionen für Wachstum und Stabilität in Europa“.  Es diskutieren: Thomas Wieser, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Eurogruppe, Wilhelm Molterer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB), Ulrich Schröder, Vorstandsvorsitzender der KfW, sowie Robert Ottel, Finanzvorstand voestalpine AG. (Nähere Informationen per E-Mail: wachstumskonferenz.berlin@bmeia.gv.at) EURACTIV.de.ist Medienpartner der Konferenz.