Spaniens Indra ruft Paris und Berlin zur Beilegung des FCAS-Streits auf

Das milliardenschwere Kampfjet-Projekt steckt fest: Frankreich pocht auf Führungsrolle, Deutschland auf Gleichberechtigung – Spanien versucht zu vermitteln.

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Jeder trägt Verantwortung dafür, dass Europas neue Generation von Kampfjets zum Erfolg wird – das betonte der Chef des spanischen Rüstungskonzern Indra im Gespräch mit Euractiv.

Ein Konflikt zwischen den französischen und deutschen Industriepartnern von Indra Sistemas schürt Zweifel daran, ob Europas 100-Milliarden-Euro-Vorhaben Future Combat Air System (FCAS) jemals Realität wird. Bislang ist es Spanien und Indra weitgehend gelungen, sich aus dem Streit herauszuhalten.

Trotz der Spannungen schmälert der Konflikt Indras Ambitionen nicht, auch an anderen europäischen Rüstungsprojekten mitzuwirken. „Wenn der Moment kommt, wird Indra Teil von Main Ground Combat System (MGCS) sein“, sagte CEO José Vicente de los Mozos mit Blick auf das deutsch-französische Panzerprojekt nach dem Vorbild von FCAS.

Der Indra-Chef ruft nun die beiden Seiten zur Einigung auf.

„Jeder trägt Verantwortung dafür, dass dieses Projekt erfolgreich wird“, sagte de los Mozos im Gespräch mit Euractiv. Aus seiner Sicht braucht Europa ein Kampfflugzeug der sechsten Generation – und FCAS „muss Realität werden“.

Streit um Zuständigkeiten

Das FCAS-Programm, das ein Kampfflugzeug der nächsten Generation mit einem Drohnennetzwerk verbindet, liegt seit Monaten wegen eines Konflikts zwischen den Luftfahrtgiganten Frankreichs und Deutschlands auf Eis.

Dassault Aviation, Frankreichs Hauptauftragnehmer, hat deutlich gemacht, dass man das Flugzeug im Zweifel lieber allein entwickeln würde, sollte keine größere Führungsrolle eingeräumt werden. Der deutsche Partner Airbus Defence and Space widersetzt sich und pocht auf eine gleichberechtigte Rolle bei den Entscheidungen zur Flugzeugentwicklung.

Indra arbeite unterdessen weiterhin gut mit Dassault und Airbus zusammen, so de los Mozos. „Ich möchte den Konflikt zwischen den anderen Unternehmen nicht kommentieren – ich weiß darüber ehrlich gesagt zu wenig.“

Politische Entscheidung notwendig

Die Verteidigungsminister Deutschlands, Frankreichs und Spaniens wollten sich im Oktober in Berlin treffen, um einen Weg nach vorn zu finden. Doch angesichts der innenpolitischen Lage in Frankreich rückt eine rasche Einigung zwischen den Industriepartnern in weite Ferne.

Für de los Mozos ist klar: Über die Zukunft des Projekts muss nun auf politischer Ebene entschieden werden.

Indra sei bereit, in die nächste Phase des Programms einzutreten. „Wir stehen hier voll hinter der spanischen Regierung. Wenn wir 33 Prozent bezahlen, bekommen wir 33 Prozent des Auftragsvolumens“, sagte er.

Gerade dieser Grundsatz der fairen Arbeitsteilung ist der Kern des deutsch-französischen Streits, da Dassault auf einen größeren Produktionsanteil drängt.

„Es wäre bedauerlich, wenn eines der ersten europäischen Vorzeigeprojekte scheitern würde“, sagte de los Mozos.

(cp, jl)