Alterskontrollen im Netz: So geht Europa vor

Zum Schutz von Kindern im Netz verschärfen europäische Länder die Altersverifikation – zum Einsatz kommen zunehmend digitale Lösungen von Ausweisscans bis KI-gestützter Gesichtserkennung.

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Zum Schutz von Kindern im Netz verschärfen europäische Länder die Altersverifikation – zum Einsatz kommen zunehmend digitale Lösungen von Ausweisscans bis KI-gestützter Gesichtserkennung. Euractiv gibt einen Überblick über die gängigen Methoden.

Die EU-Kommission hat einen Prototyp-Rahmen für Altersverifizierung entwickelt, um Mitgliedstaaten beim Aufbau nationaler Systeme zur Altersprüfung zu unterstützen. Das Konzept skizziert verschiedene Optionen zur Online-Altersbestätigung.

Im Vereinigten Königreich verpflichtet der „Online Safety Act“ Plattformen, die pornografische Inhalte veröffentlichen oder hosten, zur Einführung strenger Alterskontrollen, um Minderjährige vom Zugang auszuschließen. Die britische Regulierungsbehörde Ofcom hat hierzu kürzlich mehrere empfohlene Verfahren vorgestellt.

Verifizierung über staatliche Ausweissysteme

Die in Europa derzeit am weitesten verbreitete Methode ist die sogenannte „dokumentenbasierte Verifikation“, bei der Nutzer ein behördlich ausgestelltes Ausweisdokument – etwa einen Reisepass oder Personalausweis – scannen, um ihr Alter nachzuweisen.

Ein alternativer Ansatz ist die Nutzung digitaler Identitätsdienste. Die EU verfolgt dies über nationale Apps, die auf sogenannten eID-Systemen basieren, wie sie in vielen Mitgliedstaaten bereits existieren. Laut Ofcom kann auch im Vereinigten Königreich die Altersverifikation über solche digitalen Identitäten erfolgen.

Mehrere EU-Staaten testen solche Systeme bereits. Frankreich, Spanien und Griechenland haben ihre nationalen eIDs in Pilot-Apps zur Altersverifikation eingebunden. Ergänzend kommen landesspezifische Lösungen zum Einsatz, etwa Spaniens Cl@ve-System, das elektronischen Zugang zu öffentlichen Diensten ermöglicht.

In Griechenland greift die App „Kids Wallet“ auf die digitale ID eines Elternteils oder Erziehungsberechtigten zu, verifiziert über den nationalen Authentifizierungsdienst TaxiNet. Der Elternteil wählt anschließend das Profil des Kindes in der App aus. Die Altersverifikation erfolgt dabei auf Basis von Daten aus dem nationalen Melderegister.

KI-gestützte Altersverifikation

Die KI-gestützte Gesichtsanalyse – ein Verfahren zur Altersabschätzung via Selfie – ist zwar nicht Teil des offiziellen EU-Rahmens, wird jedoch von britischen Behörden anerkannt.

Das britische Unternehmen Yoti, Anbieter entsprechender Verifikationsdienste, teilte Euractiv mit, dass Instagram diese Methode seit 2022 bei Teenager-Accounts einsetzt. „Das Bild wird unmittelbar nach der Altersüberprüfung gelöscht“, so ein Sprecher. Laut Unternehmensangaben wurden bislang „über 850 Millionen“ solcher Prüfungen durchgeführt.

Auch die Plattform X setzt in Großbritannien, Irland und der EU auf Selfie-basierte Altersverifikation – optional ergänzt durch das Hochladen eines amtlichen Ausweisdokuments.

Verifikation über Bank- und Telekommunikationsdaten

Eine weitere Möglichkeit zur Altersverifikation stellt der Zugang über Bankdienstleistungen dar.

Ofcom erkennt zwei bankbasierte Verfahren an: Zum einen das sogenannte „Open Banking“-Modell, bei dem sich Nutzer in ihr Online-Banking einloggen, um ihr Alter zu bestätigen; zum anderen ein Check durch den Kreditkartenanbieter zur Altersverifikation.

Die Europäische Kommission schlägt zudem vor, bestehende „Know Your Customer“-Prozesse (KYC), wie sie im Bankensektor eingesetzt werden, zur Grundlage für digitale Altersverifikationen zu machen. Auch Mobilfunkanbieter nutzen diese Verfahren bereits bei der SIM-Kartenvergabe in der EU.

Die Altersverifikation über Mobilfunkanbieter ist ebenfalls von Ofcom für den Einsatz im Vereinigten Königreich zugelassen.

Darüber hinaus erlaubt Ofcom eine altersbezogene Einschätzung anhand von E-Mail-Adressen: Dabei wird geprüft, ob die angegebene E-Mail mit Bank- oder Versorgungsdiensten verknüpft ist, deren Nutzung an eine Volljährigkeit gebunden ist.

(nl, de, jl)