Anschläge in Kopenhagen: Täter womöglich inspiriert durch Terror-Attacke auf "Charlie Hebdo"

Die Ermittlungen nach den Terroranschlägen auf ein Kulturcafé und eine Synagoge in Kopenhagen laufen auf Hochtouren. Die Polizei reagierte mit ersten Festnahmen und veröffentlichte Details über den toten Täter, der den Sicherheitsbehörden hinlänglich bekannt war.

Euractiv.de
Im kampf gegen den Terrorismus können künftig direkt auf EU-Ebene Einreise- oder Vermögenssperren gegen Verdächtige verhängt oder die Guthaben von Organisationen eingefroren werden. ©dpa
Im kampf gegen den Terrorismus können künftig direkt auf EU-Ebene Einreise- oder Vermögenssperren gegen Verdächtige verhängt oder die Guthaben von Organisationen eingefroren werden. ©dpa

Die Ermittlungen nach den Terroranschlägen auf ein Kulturcafé und eine Synagoge in Kopenhagen laufen auf Hochtouren. Die Polizei reagierte mit ersten Festnahmen und veröffentlichte Details über den toten Täter, der den Sicherheitsbehörden hinlänglich bekannt war.

Die dänische Polizei hat den mutmaßlichen Attentäter von Kopenhagen identifiziert: Bei dem Mann handele es sich um einen 22-jährigen gebürtigen Dänen. Er sei wegen bandenmäßiger Delikte, Gewaltverbrechen und unerlaubten Waffenbesitzes der Polizei und dem Geheimdienst bekannt gewesen. Es habe aber keine Hinweise darauf gegeben, dass er zusammen mit anderen den Angriff auf eine Veranstaltung zu Meinungsfreiheit und auf eine Synagoge geplant habe.

Der Chef der dänischen Sicherheitsbehörde PET, Jens Madsen, äußerte die Vermutung, dass sich der Mann von dem islamistischen Anschlag gegen das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ habe inspiriert lassen. In Paris hatten am 7. Januar zwei radikalislamische Extremisten die Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“, die für ihre Mohammed-Karikaturen bekannt ist, überfallen und zwölf Menschen erschossen.

Auch das Propagandamaterial des Islamischen Staats könnte den Täter inspiriert haben, sagte Madsen.

Zunächst teilte die Polizei mit, es gebe keine Hinweise auf Komplizen. Sonntagnachmittag nahm sie dann jedoch mindestens zwei Männer in einem Internetcafé im Stadtteil Nørrebro fest – nahe der Wohnung, vor der der mutmaßliche Täter erschossen wurde.

Bei einer Veranstaltung zum Thema Meinungsfreiheit und Gotteslästerung mit dem schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks hatte am Samstag der vermummte Angreifer das Feuer eröffnet. Dabei tötete er einen Mann getötet und drei Polizisten. In der Nacht erschoss er dann einen weiteren Mann und zwei Polizisten in einer Synagoge.

„Wir müssen unsere Demokratie verteidigen“

Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt sprach am Ort des ersten Anschlags von einem „zynischen Terrorakt“. Es gebe noch viele Fragen, die die Polizei beantworten müsse, aber es gebe bereits eine Antwort, die Dänemark geben könne. „Und die lautet, dass wir unsere Demokratie verteidigen werden“, so Thorning-Schmidt.

„Wir wissen nicht, was die Motive für die Attacken waren, aber wir wissen, dass es Kräfte gibt, die Dänemark schaden wollen, die unsere Meinungsfreiheit und unseren Glauben an Freiheit zerstören wollen“, sagte die dänische Ministerpräsident weiter.

Die Reaktion der Bundesregierung auf den Terror in der dänischen Hauptstadt fiel deutlich aus: Es seien „menschenverachtende Anschläge“, ließ Kanzlerin Angela Merkel ihren Vize-Regierungssprecher Georg Streiter in Berlin erklären. In einem Telefongespräch mit Thorning-Schmidt drückte Merkel zuvor ihre Anteilnahme aus. Deutschland stehe fest an der Seite Dänemarks, sagte Merkel.

EU-Ratspräsident Donald Tusk nannte die erste Tat „einen weiteren brutalen, terroristischer Angriff, der auf unsere fundamentalen Werte und Errungenschaften abzielt – inklusive der Freiheit auf Meinungsäußerung“.

Und auch die EU-Kommission hat die Attentate scharf verurteilt: „Europa steht geschlossen mit Dänemark für Redefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung ein. Europa wird sich nicht einschüchtern lassen“, hieß es am Samstagabend in einer Stellungnahme zu dem Attentat. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien.“

Jüdischer Friedhof in Frankreich geschändet

Auf einem jüdischen Friedhof in ostfranzösischen Stadt Sarre-Union haben Unbekannte mehrere hundert Gräber geschändet. Innenminister Bernard Cazeneuve verurteilte die Tat in der wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernten Stadt am Sonntag als abscheulich.

Die französische Regierung werde alles dafür tun, die Verantwortlichen dingfest zu machen, sagte Cazeneueve.

Frankreich hat in Westeuropa die größten jüdischen und muslimischen Gemeinden.

Netanjahu ruft Juden zum Massenexodus auf

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu rief Europas Juden auf, in Massen in sein Land einzuwandern. „Der radikal-islamische Terror hat wieder in Europa zugeschlagen. Wieder einmal wurden auf europäischem Boden Juden nur deshalb getötet, weil sie Juden sind.“ Laut Netanjahu ist es zu erwarten, dass diese Attentatswelle weitergehen wird, darunter auch tödliche antisemitische Attacken.

Die israelische Regierung stockte den Etat für Einwanderer auf und hofft so auf einen Massenexodus. Natürlich hätten Juden in aller Welt ein Recht auf Sicherheit, sagte Netanjahu. Dennoch „sage ich allen unseren Brüdern und Schwestern: Israel ist euer Heim! Wir erwarten Euch mit offenen Armen.“