Antrag für Labor-Rinderfett in der EU eingereicht

Das niederländische Unternehmen Mosa Meat hat einen Antrag auf den Verkauf seines im Labor gezüchteten Rinderfetts in der EU gestellt. Laut dem Unternehmen könnte es eine bahnbrechende Neuerung sein, um pflanzliche Produkte für Fleischliebhaber schmackhafter zu machen.

/ EURACTIV.com
Mosa Burger Grill – Cropped – Landscape
Die Hoffnung ist, dass mit Laborfett die pflanzlichen Optionen selbst für Skeptiker attraktiver werden. [Mosa Meat]

Das niederländische Unternehmen Mosa Meat hat einen Antrag auf den Verkauf seines im Labor gezüchteten Rinderfetts in der EU gestellt. Laut dem Unternehmen könnte es eine bahnbrechende Neuerung sein, um pflanzliche Produkte für Fleischliebhaber schmackhafter zu machen.

Im Labor gezüchtetes Fleisch – auch kultiviertes oder zellbasiertes Fleisch genannt – wird aus echten Tierzellen hergestellt, die in einer nährstoffreichen Umgebung gezüchtet werden. Diese Zellen wachsen zu Muskel-, Fett- und Bindegewebe heran und spiegeln die Zusammensetzung von traditionellem Fleisch wider.

Laut Maarten Bosch, dem Geschäftsführer von Mosa Meat, sei es schwierig, einen zufriedenstellenden vegetarischen Burger zu finden. „Sie sind in Ordnung, aber nicht das Original – es fehlt das Fett“, sagte er gegenüber Euractiv.

Mitbegründer von Mosa Meat, Professor Mark Post, stellte 2013 auf einer viel beachteten Pressekonferenz in London den ersten zellbasierten Rindfleischburger der Welt vor – zu einem Preis von 254.000 Euro.

Mehr als ein Jahrzehnt später hat das Unternehmen laut Bosch den Ehrgeiz nicht aufgegeben, ein vollständig ohne Tierhaltung hergestellten Burger-Frikadellen zu vermarkten. Doch während diese Vision noch in weiter Ferne liegt, sieht das Unternehmen den Verkauf einzelner Zutaten als vielversprechenden Fortschritt, da im Labor gezüchtetes Fett zu angemessenen Kosten hergestellt werden.

Die Hoffnung ist, dass mit Laborfett die pflanzlichen Optionen selbst für Skeptiker attraktiver werden.

Vor der Vermarktung werden nun zuerst die EU-Kommission und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) den Antrag von Mosa Meat im Rahmen der Verordnung über neuartige Lebensmittel prüfen – ein Prozess, der voraussichtlich etwa 18 Monate dauern wird.

„Nicht der Feind“

Das Angebot von Mosa Meat ist der zweite Versuch, kultiviertes Fleisch in der EU einzuführen. Letztes Jahr beantragte ein französisches Unternehmen den Verkauf einer im Labor gezüchteten Gänsestopfleber, ohne dass Gänse zwangsgefüttert werden müssen.

Der Antrag zog den Protest von Landwirten und einige Politiker auf sich. Kritisiert wurde zudem, dass ein solcher Schritt den Weg für kultiviertes Fleisch bereiten würde. Bereits zuvor sprachen sich Minister aus Frankreich, Italien und Österreich für strengere Vorschriften für im Labor gezüchtete Lebensmittel aus.

Mesa Meat-Chef Bosch erwiderte, dass Produkte aus Laboranbau nicht dazu gedacht seien, Landwirte vom Markt zu verdrängen.

„In einigen Ländern gibt es politische Motivation, uns zum Feind zu machen“, sagte er und wies jede Bedrohung der ‚kulinarischen Tradition‘ Europas zurück.

„Wir befinden uns derzeit an der Grenze dessen, was der Planet ertragen kann“, erklärte er und machte deutlich, dass die Verringerung der Abhängigkeit von traditionellen tierischen Produkten nicht nur für die Bekämpfung des Klimawandels, sondern auch für die Gewährleistung der langfristigen Ernährungssicherheit von entscheidender Bedeutung sei.

Investitionen versiegen

Während die EU debattiert, erhalten Fleischprodukte aus dem Labor bereits in anderen Orten auf der Welt grünes Licht.

Singapur machte 2020 mit Hähnchenfleisch aus Laborzucht den Anfang. Es besteht nur zu drei Prozent aus Fleisch aus Laborzucht während der Rest pflanzliche Zutaten sind, und bereits jetzt in einigen Geschäften erhältlich ist. Die USA zogen mit ähnlichen Produkten nach, und im vergangenen Jahr genehmigte Israel das erste kultivierte Rindfleisch.

Die Produktion bleibt jedoch aufgrund hoher Kosten und begrenzten Investitionen, die 2024 stark zurückgingen, begrenzt.

Mosa Meat ist eines der wenigen Unternehmen, das noch immer beträchtliche Finanzmittel anzieht. Im Jahr 2024 sicherte sich das Unternehmen 40 Millionen Euro, um die Produktion zu steigern, die Kosten zu senken und sich auf den EU-Markt vorzubereiten. Bosch räumte jedoch ein, dass das Interesse der Investoren an kultiviertem Fleisch aufgrund es schwächelnden Innovationsrausch in der Lebensmittelbranche des letzten Jahrzehnts nachlasse.

Er blieb dennoch optimistisch: „Wir müssen uns auf das Wesentliche konzentrieren und dürfen nicht wieder einen Hype erzeugen, sondern müssen Beweise liefern.“

[ADM/OM/KN]