Australien will engere Energie-Partnerschaft mit der EU
Ein verbesserter Dialog zwischen Australien und der Europäischen Union ist nach Ansicht des australischen Ministers für Klimawandel und Energie, Chris Bowen, von entscheidender Bedeutung für die Erreichung der globalen Klimaziele.
Der australische Minister für Klimawandel und Energie, Chris Bowen, will eine vertiefte Zusammenarbeit mit der EU. Das sei von entscheidender Bedeutung für die Erreichung der globalen Klimaziele.
„Die Klimaziele und die Agenda Australiens und der Europäischen Union sind sehr eng miteinander verbunden“ und eignen sich für eine „substanzielle und umfassende Partnerschaft“, betonte der Minister am Dienstag (31. Januar) bei einer Veranstaltung des Centre for European Policy Studies (CEPS) in Brüssel.
Australien hat jedoch noch einen langen Weg vor sich.
Fossile Brennstoffe trugen im Jahr 2021 zu 71 Prozent zur gesamten Stromerzeugung des Landes bei, wobei der Löwenanteil auf Kohle (51 Prozent) entfällt, gefolgt von Gas (18 Prozent).
Die Dominanz der Kohle bei der Stromerzeugung nimmt jedoch rapide ab: nachdem sie 1999 noch 83 Prozent der australischen Stromerzeugung ausgemacht hatte, ist der Anteil der erneuerbaren Energien mittlerweile auf 29 Prozent angestiegen.
Und seit dem Amtsantritt von Premierminister Anthony Albanese im vergangenen Jahr wird ein weiterer Wandel erwartet. Albanese, der in den Medien als „Umweltschützer“ dargestellt wird, ist entschlossen, Australien eine führende Rolle im weltweiten Kampf gegen den Klimawandel zu verschaffen.
„Ich weiß, dass mein Land in den letzten zehn Jahren kein konstruktiver Akteur bei den internationalen Bemühungen um erneuerbare Energien war“, gab Bowen zu.
„Aber das hat sich geändert. Australien steht unter neuer Führung, und wir sind entschlossen, bei der Bewältigung der Herausforderungen und Chancen dieser massiven Energiewende eine führende und sehr engagierte Rolle zu spielen“, fügte er hinzu.
Die neue australische Regierung hat zudem im vergangenen Jahr ein Klimaschutzgesetz verabschiedet, mit dem die CO2-Emissionen des Landes bis 2030 um 43 Prozent gesenkt werden sollen.
Um dies zu erreichen, plant die Regierung, bis 2030 82 Prozent des australischen Stroms aus erneuerbaren Energien zu erzeugen und bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.
Australien: ‚energiereich und kapitalhungrig‘
Zu den nächsten Schritten gehört die Stärkung der Zusammenarbeit mit der Europäischen Union im Energiebereich.
Europa habe einen „enormen Energiebedarf“ und Australien „kann und wird ein Kraftwerk für erneuerbare Energien sein“, versicherte Bowen. Das sonnige Australien besitzt ein Erneuerbaren-Potenzial, das mehr als dem Achtfachen des derzeitigen weltweiten Energiebedarfs entspricht.
„Australien ist ein Energieexporteur, und diese Energie wird zunehmend aus erneuerbaren Quellen stammen. Und wir wollen, dass Europa ein wichtiger Abnehmer dieser erneuerbaren Energie ist“, betonte Bowen und nannte grünen Wasserstoff als einen der möglichen Bereiche der Zusammenarbeit.
Das Land spielt auch eine Schlüsselrolle in den globalen Rohstoffmärkten und ist gut positioniert, um ein führender Lieferant von kritischen Mineralien und Seltenen Erden zu werden, die für die Entwicklung moderner Technologien entscheidend sind.
Australien ist der weltweit größte Lithiumproduzent, verfügt über die zweitgrößten Kupferreserven der Welt und ist auch ein großer Produzent von Nickel, Kobalt, Mangan und Seltenen Erden (REE).
Das Potenzial für eine Zusammenarbeit wird vonseiten der EU anerkannt.
„Australien ist von der Natur unglaublich reich beschenkt, mit Rohstoffen, Wind und Sonne“, argumentiert Marc Vanheukelen, der EU-Botschafter für Klimadiplomatie.
„Wir [in Europa] haben im Grunde keine der Rohstoffe, die wir für den Übergang zu sauberer Energie benötigen“, so Vanheukelen. „Und da Sie ein stabiles, wohlhabendes und zuverlässiges Land sind, sind Sie natürlich ein bevorzugter Partner“, fügte er an die Adresse des Ministers hinzu.
Angesichts dieses Potenzials hofft Australien, europäische Investoren anzulocken.
„Australien ist reich an erneuerbaren Energien, und wir sind kapitalhungrig, und europäische Investitionen in australische erneuerbare Energien sind sehr willkommen“, erklärte Bowen und führte aus, dass die Investitionen europäischer Unternehmen bereits 20 Prozent der gesamten Projekte zur Erzeugung von Solar- und Windenergie in Australien ausmachen.
Neue Ära in den Beziehungen
Die Aussichten dafür stehen zunehmend gut, denn das Verhältnis ist so gut wie nie.
Im Oktober 2022 trat ein 2017 unterzeichnetes Rahmenabkommen in Kraft, das die bilaterale Zusammenarbeit in Bereichen wie Außenpolitik, Gesundheit, Justiz, Wirtschaft und Handel sowie Forschung und Innovation stärken soll.
Im Bereich Klima und Energie umfasst das Abkommen die Zusammenarbeit bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt, der Klimaanpassung, der Energieeffizienz, den erneuerbaren Energiequellen sowie der nuklearen Sicherheit.
Australien hat sich auch um die Ausrichtung der UN-Klimakonferenz COP31 beworben, die im Jahr 2026 stattfinden wird.
„Wir planen, diese Konferenz in Partnerschaft mit dem pazifischen Raum auszurichten. Es handelt sich um eine echte Partnerschaft, eine Partnerschaft auf Augenhöhe“, erklärte Bowen. Er betonte, dass das Land sehr hoffnungsvoll und zuversichtlich sei und starke Unterstützung erhalte.
Der Minister bekundete auch seine Unterstützung für Sultan Al Jaber, den Vorstandsvorsitzenden eines der größten Ölunternehmen der Welt, der den Vorsitz der COP-Tagung im nächsten Jahr in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) übernehmen wird.
„Ich habe mich zweimal mit dem nächsten COP-Präsidenten getroffen. Ich denke, der neue Präsident versteht, dass diese COP erfolgreich sein muss“, sagte er und fügte hinzu, dass es kontraproduktiv wäre, Länder oder Einzelpersonen auszuschließen.
„Australien ist bereit, zu einem erfolgreichen COP-Ergebnis beizutragen“, sagte er.
[Bearbeitet von Frédéric Simon]