Bekämpfung von Ungleichheiten bei Krebsbehandlung in EU erfordert mehr Daten

Der Zugang zur onkologischen Versorgung in Europa geht oft mit Ungleichheiten einher, die durch eine bessere Datenerfassung und -nutzung bekämpft werden können, sagen tschechische Expert:innen.

EURACTIV.cz
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"Wenn wir keine fundierten Indikatoren für die Qualität und Wirksamkeit der Versorgung haben, kann es passieren, dass Patient:innen lange Zeit im Gesundheitssystem herumirren und nicht rechtzeitig behandelt werden", sagte Marek Svoboda, Direktor des Masaryk-Instituts für Onkologie in der Tschechischen Republik. [<a href="https://www.shutterstock.com/de/image-photo/female-medical-research-scientist-looking-through-1197119842" target="_blank" rel="noopener">[Shutterstock/Gorodenkoff]</a>]

Der Zugang zur onkologischen Versorgung in Europa geht oft mit Ungleichheiten einher, die aus Sicht von Expert:innen aber durch eine bessere Datenerfassung und -nutzung bekämpft werden können. EURACTIV.cz berichtet.

Jährlich wird bei etwa 2,6 Millionen Menschen in der EU Krebs diagnostiziert. Obwohl die Krankheit alle Bevölkerungsgruppen betrifft, haben einige aus sozialen, wirtschaftlichen und anderen Gründen einen schlechteren Zugang zu Diagnose und Behandlung.

Nach Ansicht tschechischer Fachleute könnte die Verfügbarkeit relevanter, vergleichbarer und vernetzter Daten dabei helfen, die Situation zu verbessern.

„Wenn wir keine fundierten Indikatoren für die Qualität und Wirksamkeit der Versorgung haben, kann es passieren, dass Patient:innen lange Zeit im Gesundheitssystem herumirren und nicht rechtzeitig behandelt werden“, sagte Marek Svoboda, Direktor des Masaryk-Instituts für Onkologie in der Tschechischen Republik.

Im EU-Krebsbekämpfungsplan, einem der Flaggschiffe der Europäischen Kommission unter Ursula von der Leyen, gehört der Abbau von Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung zu den obersten Prioritäten.

Einige Schritte sind bereits unternommen worden. So sammelt beispielsweise das europäische Register zur Erfassung von Ungleichheiten bei der Krebsbekämpfung Daten über Unterschiede zwischen den EU-Ländern und -Regionen in den Bereichen Prävention, Früherkennung, Zugang zu Diagnose und Behandlung oder Lebensqualität.

Darüber hinaus wird auch die Belastung der Gesellschaft und der Gesundheitssysteme in jedem Land beobachtet.

Die Europäische Kommission hat außerdem eine neue Verordnung zur Schaffung des europäischen Gesundheitsdatenraums vorgelegt, die den Zugang zu Gesundheitsdaten und deren Nutzung erleichtern soll.

Diese Schritte wurden von tschechischen Expert:innen bei einem Rundtischgespräch im Mai begrüßt, organisiert von der tschechischen Vereinigung der innovativen pharmazeutischen Industrie (AIFP) in Prag.

Verbesserungen sind möglich, wie das tschechische Beispiel zeigt

Die onkologische Versorgung in der Tschechischen Republik hat sich in den letzten 15 Jahren erheblich verbessert. So wurde ein landesweites Netz von Krebsbehandlungszentren aufgebaut. Tschechien hat inzwischen in Bezug auf die Krebssterblichkeit das Niveau von Deutschland oder den Niederlanden erreicht.

Dennoch gibt es auch in der Tschechischen Republik Ungleichheiten, sowohl innerhalb der Regionen als auch zwischen den Diagnosen, wobei der Zugang zur Versorgung davon abhängt, ob die Krebsart häufig oder selten ist.

Auch die Entfernung zu den Krebszentren, der Bildungsstand der Patient:innen, der soziale Status oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Krankenkasse spielen eine Rolle.

„Was uns fehlt, ist ein Leitfaden für Patient:innen, für das Gesundheitssystem. Es geht um Gesundheitskompetenz und die Aktivierung der Bevölkerung, nicht nur der Betroffenen“, sagte Petra Adámková, Vorsitzende des tschechischen Komitees der Stimme der Krebspatient:innen, und fügte hinzu, dass ihre Organisation entschlossen sei, einen solchen umfassenden Ratgeber zu erstellen.

Expert:innen sehen auch eine große Chance in dem bevorstehenden tschechischen Krebsplan, der im Juni 2022 vorgelegt werden soll. Das Land muss den Plan umsetzen, um Zugang zu den Geldern der EU für den Wiederaufbau nach der Pandemie zu erhalten.

Unterschiedliche Verfügbarkeit von Arzneimitteln in Europa

Eine der schwierigsten Herausforderungen für Tschechien in Europa ist die Verfügbarkeit moderner Arzneimittel.

Laut einer aktuellen Analyse des Europäischen Verbands der Pharmaunternehmen und -verbände (EFPIA) liegt das Land bei der Verfügbarkeit neuer Krebsmedikamente zusammen mit Belgien auf Platz 14 innerhalb der EU.

Deutschland weist die beste Verfügbarkeit auf, gefolgt von Italien und Dänemark. Am schlechtesten schneiden dagegen die baltischen Länder und die Slowakei ab.

Die physische Verfügbarkeit eines Medikaments ist jedoch nicht dasselbe wie seine tatsächliche Verfügbarkeit für bestimmte Patient:innen, die durch verschiedene administrative Beschränkungen behindert wird.

Die Qualität der Krebsvorsorge litt zudem unter der Pandemie, die viele Menschen davon abhielt, Krankenhäuser aufzusuchen und sich regelmäßig untersuchen zu lassen.

Krebsvorsorge und Prävention werden zu den wichtigsten Gesundheitsthemen der tschechischen EU-Präsidentschaft gehören, die am 1. Juli beginnt, bestätigte der stellvertretende Gesundheitsminister Jakub Dvořáček.