Belgien will zweiten Kernreaktor abschalten
Der Kernreaktor Tihange 2 - der zweitgrößte der drei Tihange-Reaktoren - wird am Dienstagabend nach 40 Jahren Betriebszeit endgültig abgeschaltet und ist damit der zweite Kernreaktor, der in Belgien stillgelegt wird.
Der Kernreaktor Tihange 2 – der zweitgrößte der drei Tihange-Reaktoren – wird am Dienstagabend nach 40 Jahren Betriebszeit endgültig abgeschaltet und ist damit der zweite Kernreaktor, der in Belgien stillgelegt wird.
Gemäß dem belgischen Gesetz über den Ausstieg aus der Kernenergie aus dem Jahr 2003 wird Tihange 2 am Dienstag (31. Januar) um Mitternacht vom Netz genommen, obwohl Politiker:innen aus dem gesamten politischen Spektrum und Bürgervereinigungen dazu aufgerufen haben, die Abschaltung der Kernreaktoren zu stoppen.
„Nach der Abschaltung von Doel 3 im September wird morgen auch Tihange 2 abgeschaltet. Zusammen lieferten sie fast so viel Strom wie Sonne und Wind zusammen. Tragisch. Es sollte eine absolute Priorität sein, so viele Atomkraftwerke wie möglich offen zu halten“, twitterte der konservative Politiker Bart De Wever (Neue Flämische Allianz, N-VA) am Montag.
„Für die DéFI stürzt diese Schließung Belgien noch mehr in Unsicherheit“, sagte François De Smet von der sozialliberalen Partei DéFI. Seine Partei fordert ebenfalls Investitionen in die Kernenergie der vierten Generation sowie Energieeinsparungen und erneuerbare Energien.
„In unmittelbarer Zukunft sollten die beiden jüngsten Reaktoren [Doel 4 und Tihange 3] um 20 Jahre verlängert werden, nicht um 10 Jahre […], aber vor allem ist es notwendig, schnell in die neue Generation der Kernenergie zu investieren. Diese ist einfacher, sicherer und erzeugt weniger Abfall. Sie könnte es auch ermöglichen, weniger Uran zu verwenden. […] Bestehende Projekte wie das ITER-Programm oder SMR (kleine modulare Reaktoren) sind Teil dieser Zukunft“, heißt es in einer Presseerklärung der Partei.
In Belgien werden nach der Abschaltung von Tihange 2 fünf Kernreaktoren in Betrieb bleiben.
Doel 1 und 2 sollen im Jahr 2025 abgeschaltet werden. Doel 3 wurde im September letzten Jahres stillgelegt, was Bürger:innen und gemeinnützige Organisationen dazu veranlasste, den Staat, den Kernkraftwerksbetreiber Engie und den Übertragungsnetzbetreiber Elia zu verklagen. Dies geschah angesichts steigender Energiepreise und eines schwierigen Winters aufgrund des russischen Krieges in der Ukraine im Namen der Energieversorgungssicherheit.
Doel 4 und Tihange 3 – die jüngsten belgischen Kernreaktoren – werden ab 2026 um zehn Jahre verlängert, um die Energiekrise zu entschärfen. Mehrere Organisationen und Politiker:innen begrüßten diese Initiative, doch einige forderten eine längere Verlängerung oder die vollständige Abschaffung des Gesetzes von 2003.
Der Branchenverband Nucleareurope beispielsweise begrüßte die Verlängerung, erklärte jedoch: „Die Verlängerung von nur zwei Reaktoren um nur 10 Jahre (und nicht 20) wird nicht ausreichen, um eine stabile Versorgung mit CO2-armer Elektrizität zu erschwinglichen Kosten zu gewährleisten.“
Wenn keine Verlängerung beschlossen wird, wird Doel 1 der nächste Reaktor sein, der abgeschaltet wird (15. Februar 2025), gefolgt von Tihange 1 (1. Oktober 2025) und Doel 2 (1. Dezember 2025).