Berufstätige Frauen in der Slowakei: Die Herausforderungen [DE]

Der Arbeitsmarkt der Slowakei steht ganz besonderen Problemen gegenüber, insbesondere in Bezug auf die Rolle der Frau am Arbeitsplatz.  Dieser Artikel beleuchtet die Problematik.

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Der Arbeitsmarkt der Slowakei steht ganz besonderen Problemen gegenüber, insbesondere in Bezug auf die Rolle der Frau am Arbeitsplatz.  Dieser Artikel beleuchtet die Problematik.

Das slowakische Reformprogramm hat generell eine gute Bewertung bekommen und es hieß die Kommission stimme der Analyse der NRP in seinen Hauptpunkten zu.  Allerdings wurden auch einige Schwachpunkte erwähnt.  Darunter fiel unter anderem „das hohe Niveau struktureller Arbeitslosigkeit und die geschlechtsabhängigen Gehaltsunterschiede, welche innerhalb der EU mit am höchsten sind“.  Dieser Bericht geht aber nicht genauer auf die Situation der Frauen auf dem slowakischen Arbeitmarkt ein.  Hierfür müssen andere Quellen hinzugezogen werden.

Allgemeine Einstufung

In dem Bericht des Weltwirtschaftsforums „Women’s Empowerment: Measureing the Global Gender Gap“ wird anhand eines Vergleichs von 58 Ländern die Geschlechterunterschiede bewertet.  Hierin schneidet die Slowakei im Vergleich zu den übrigen EU-Staaten weder besonders gut noch besonders schlecht ab.  

Country Rank Score Economic participation Economic opportunities Political empowerment Educational attendance Health & well-being
Sweden 1 5.53 5 12 8 1 1
Norway 2 5.39 13 2 3 6 9
Iceland 3 5.32 17 7 2 7 6
Denmark 4 5.27 6 1 20 5 2
Finland 5 5.19 12 17 4 10 4
Latvia 11 4.60 4 6 10 24 48
USA 17 4.40 19 46 19 8 42
Poland 19 4.36 49 30 9 14 30
Slovakia 21 4.30 14 33 29 23 35
Hungary 24 4.19 30 3 28 39 40
Czech Rep 25 4.19 29 4 43 25 23
Greece 50 3.41 44 48 50 45 22
Source: World Economic Forum Women’s Empowerment Measuring the Global Gender Gap 

Ein Vergleich zeigt, dass sich die slowakischen Frauen bezüglich ihrer wirtschaftlichen Beteiligung und Lernbereitschaft, relativ gesehen, in einer besseren Lage befinden.  Dennoch befinden sie sich bezüglich ihres gesundheitlichen Wohlbefindens und der wirtschaftlichen Möglichkeiten in einer benachteiligten Position.  

Anstellungsverhältnis und Gehalt

Ein Vergleich der Anstellungsverhältnisse und Positionen slowakischer Männer und Frauen spiegelt den EU-Durchschnitt wider (allerdings mit deutlichen Unterschieden bei der Arbeitslosenquote beziehungsweise der geringeren Beschäftigung in der Slowakei und zur Verfügung stehender Teilzeitarbeit).  Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist der Geschlechterunterschied – in der Slowakei sind die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen EU-weit am höchsten (Estland besetzt denselben Rang und nur Zypern schneidet noch schlechter ab).

Unemployment rate Employment rate Employed part-time as a share of total employment Share of female managers in total managers Gender pay gap
Men Women Men Women Men Women
EU-25 7.6 9.6 71.2 56.3 7.3 32.6 32.1 15e
SK 15.2 16.6 64.1 50.8 1.2 3.9 31.2 24

e = estimation
Unemployment rate numbers apply to January 2006; Gender pay gap to year 2004; Other figures to Q2 2005
Source: Eurostat. A statistical view on the life of European men and women 


Generell gesehen besteht die gesamte slowakische Arbeitnehmerschaft zu aus 46 % Frauen.  Dieser Anteil stieg zwischen 1997 – 2002 um 4,5 %, obwohl das rechtliche Rentenalter im Allgemeinen 5 Jahre früher einsetzt (Reformen von 2002 sehen eine schrittweise Überwindung des Geschlechterunterschiedes vor).  

Slowakischen Frauen sind, mit mehr als 50 %, hauptsächlich im öffentlichen Dienst beschäftigt, während die Männer den Wirtschaftssektor dominieren (der Frauenanteil beträgt 41 %).  Der Unterschied bei Selbstständigen ist noch größer – nur 25 % aller Selbstständigen sind weiblich.

Frauen in der Slowakei müssen sowohl gegen horizontale als auch vertikale Trennungslinien angehen.  Sie dominieren den Dienstleistungssektor (hauptsächlich öffentlicher Dienst), wo ihr Anteil bis zu 70 % ausmacht.  In einigen Wirtschaftsbereichen, wie z.B. Bildung, Gesundheitsdienst oder Sozialpflegedienste, steigt dieser Anteil sogar auf 80 %.

Bildung

Auch in den Geschlechterstatistiken der Bildung, wird die Slowakei dem EU-25-Durchschnitt gerecht.  Im Vergleich zum EU-Durchschnitt beenden mehr Slowaken eine höhere Schulausbildung, wobei die Frauen im Allgemeinen besser ausgebildet sind als die Männer.  Sogar auf der Universitätsebene stellen Frauen den Löwenanteil.  Nichtsdestotrotz belegen sie hauptsächlich Fächer im Bereich der Geisteswissenschaften und Künste, wodurch ihre Chancen, nach Abschluss der Universität einen besser bezahlten Beruf zu ergreifen, sinken.

Share of those aged 20-24 having at least completed secondary education, 2005 Share of women among tertiary students, 2003
Women Men Total Science, maths & computing Humanities & art
EU-25 80.0 74.6 54.6 37.3 65.6
SK 92.1 90.9 53.1 33.9 54.3
Source: Eurostat. A statistical view on the life of European men and women

Die Zunahme des Frauenanteils unter den Arbeitnehmern ist eines der Ziele der Lissabonstrategie:  Laut einiger Experten ist es sogar einer der Grundsteine.  Diesbezüglich spiegelt die Situation in der Slowakei das Gesamtbild der EU wider:  auch wenn es ausreichend Gesetze zum Schutz vor Diskriminierung aufgrund des Geschlechts vorhanden sind, sind Frauen immer noch in einer benachteiligten Position.

Im Falle der Slowakei ist die jetzige Situation ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren: der traditionelle Ansatz bezüglich der Geschlechterrolle, fehlende Schutzmaßnahmen (beispielsweise Anreize für Arbeitsgeber Frauen in Entscheidungsprozesse stärker mit einzubeziehen oder geschlechterspezifische Programme in einer aktiven Arbeitsmarktpolitik) und ein unzureichendes Niveau sozialer Dienstleistungen, welches es Frauen ermöglichen würde Familien- und Berufsleben in Einklang zu bringen.