Brände in Griechenland: Kritik an Umsetzung von Präventionsmaßnahmen
Starke Winde, hohe Temperaturen und trockenes Wetter heizen die griechischen Waldbrände weiter an und zerstören Grundstücke und natürliche Lebensräume. Gleichzeitig werden in der Politik Fragen nach der Wirksamkeit der Maßnahmen zur Verhütung und Eindämmung von Bränden aufgeworfen.
Die momentane Wetterlage heizt die griechischen Waldbrände weiter an und zerstört Grundstücke und natürliche Lebensräume. Gleichzeitig werden in der Politik Fragen nach der Wirksamkeit der Maßnahmen zur Verhütung und Eindämmung von Bränden aufgeworfen.
Nach Angaben des griechischen Wetterdienstes hat Griechenland in diesem Sommer eine der längsten Hitzewellen erlebt, mit Temperaturen von bis zu 45 °C.
„Dieser Sommer ist der schlimmste in der Geschichte, seit meteorologische Daten gesammelt werden“, sagte der griechische Minister für Klimakrise und Katastrophenschutz, Vasilis Kikilias, auf einer Pressekonferenz am Mittwoch (23. August).
Die Regionen Attika und Thessalien sowie die Inseln Korfu und Rhodos waren im Juli stark von Waldbränden betroffen.
Jetzt sind neue Brände ausgebrochen, die Siedlungen, Lebensgrundlagen und die im Rahmen des Natura-2000-Programms der EU geschützten Ökosysteme bedrohen.
Auch die Zahl der Todesopfer steigt, während die Brände weiter wüten. Die Leichen von 18 Menschen, bei denen es sich vermutlich um Migranten handelt, wurden am Dienstag in der nordgriechischen Region Evros geborgen.
Die Europäische Union hat ihr Katastrophenschutzverfahren in Gang gesetzt und Feuerwehrleute aus ganz Europa mobilisiert, um ihren griechischen Kollegen zu helfen.
„Es gibt noch viel zu tun“
Trotz systematischer und ernsthafter Bemühungen um Prävention und Schutz „ist das Ergebnis nicht so, wie wir es uns alle gewünscht hätten“, sagte Minister Kikilias.
Zu den Maßnahmen, die ergriffen wurden, um die Reaktion des Landes auf Waldbrände zu verbessern, gehören ein nationales Warnsystem, ein umfassender Waldbewirtschaftungsplan, die Verstärkung der Brandbekämpfungskräfte und die Erleichterung von Anfragen um ausländische Hilfe.
Mitglieder der griechischen Oppositionsparteien haben jedoch auf die unzureichende Umsetzung und die offensichtliche Unwirksamkeit dieser Maßnahmen hingewiesen.
Abgeordnete der linksgerichteten Oppositionspartei SYRIZA haben in mehreren Erklärungen die mangelnde Vorbereitung des staatlichen Mechanismus angeprangert. Außerdem hätte die Regierung die seit den Bränden im letzten Jahr eingegangenen Verpflichtungen in Bezug auf die Säuberung und den Schutz der Wälder nicht eingehalten.
„Wir haben noch viel zu tun, damit der Katastrophenschutz die extremen Situationen bewältigen kann, die sich wegen der Klimakrise fortsetzen werden“, kommentierte Kikilias.
Bessere Präventionspläne erforderlich
Die Zerstörungen, die die Waldbrände in diesem Sommer angerichtet haben, machen deutlich, dass wirksamere Präventions-, Schutz- und Bekämpfungsmaßnahmen erforderlich sind.
Nikos Georgiadis, der Koordinator des Bodenprogramms beim WWF Griechenland, erklärte gegenüber EURACTIV, dass bessere Präventionsmaßnahmen zur Vorbereitung auf die Brandsaison ergriffen werden müssen.
Waldsäuberungen und nachhaltiger Waldbau stehen in den Plänen zur Brandverhütung an erster Stelle. Allerdings behindern geschwächte Forstdienste und ein Mangel an Initiative seitens der Gemeinden deren Umsetzung.
„Es gibt Know-how und Humanressourcen, aber keine richtige Planung“, sagte Georgiadis gegenüber EURACTIV.
Strukturelle Änderungen bei der Brandbekämpfung sind ebenfalls notwendig. Eine strategische Planung würde dazu beitragen, das volle Potenzial der Brandbekämpfungskräfte am Boden auszuschöpfen. Ebenso sei der Einsatz von Luftfahrzeugen notwendig.
Eine angemessene Reaktion auf Waldbrände dieses Ausmaßes wird zu einem dringenden Problem, da die Zahl der Feuerwehrleute in der EU abnimmt.
„Die zunehmende Intensität dieser Naturkatastrophen war als Teil der wachsenden Auswirkungen des Klimawandels zu erwarten. Aber unsere Katastrophenvorsorge hat damit nicht Schritt gehalten“, sagte Kelsey Perlman, europäische Waldaktivistin bei FERN, gegenüber EURACTIV.
Der EU-Forststrategie fehle derzeit ein Überwachungssystem. Daher seien verbesserte Informationssysteme und mehr Beschäftigung in diesem Sektor von entscheidender Bedeutung, fügte sie hinzu.
[Bearbeitet von Kjeld Neubert]