Brüssel drängt Universitäten, Übersetzungskurse anzubieten
Die Europäische Kommission führte gestern (12. Oktober) eine neue Kampagne ein, um mehr Universitäten zu ermutigen, Kurse für angehende Übersetzer anzubieten. Es besteht die Befürchtung, es könnte zu einer Nachfolgerkrise in der Sprachenabteilung der EU-Institutionen kommen.
Die Europäische Kommission führte gestern (12. Oktober) eine neue Kampagne ein, um mehr Universitäten zu ermutigen, Kurse für angehende Übersetzer anzubieten. Es besteht die Befürchtung, es könnte zu einer Nachfolgerkrise in der Sprachenabteilung der EU-Institutionen kommen.
Das Netzwerk der Universitäten für den „Europäischen Master in der Übersetzung“ (EMT) werde ausgeweitet werden, um der Europäischen Union zu helfen, auf eine wachsende Knappheit an gut qualifizierten Übersetzern auf dem Arbeitsmarkt zu reagieren, kündigte die Kommission an.
Derzeit beinhaltet das EMT-Netzwerk 34 Mitglieder, doch die Kommission sagt, beinahe 250 Universitäten und andere Institutionen der höheren Bildung böten im Augenblick Übersetzungskurse an.
In vielen Ländern könne ein jeder behaupten, Übersetzer zu sein, ohne etwelche Garantie der beruflichen Kompetenz. Das langfristige Ziel des EMT-Projektes sei es, den Standard der Ausbildung für Übersetzer anzuheben, so Androulla Vassiliou, die EU-Kommissarin für Bildung, Mehrsprachigkeit, Ausbildung und Jugend.
Um das EMT-Etikett tragen zu dürfen, muss eine Universität ihren Kurs von Übersetzungsexperten aus dem bestehenden Netzwerk untersuchen lassen.
EMT-Kurse bieten Studenten auch Module zur Geschäftsführung über die Übersetzung hinaus, sowie Module zu allen anderen Aspekten der Sprachindustrie, unter anderem zum Dolmetschen, zu Untertiteln, Synchronisierung und der Anpassung von Übersetzungen an örtliche Gegebenheiten.
Ein Kurs mit dem EMT-Etikett sei als einer der besten des Felds anerkannt, so Kommissarin Vassiliou.
Die Kommission betonte ihre Ünterstüzungsrolle hinter den EU-Mitgliedsstaaten, doch sie sagte, sie respektiere die sprachliche Vielfalt als einen Grundwert der EU.
Sie hat im September 2008 eine neue Strategie zur Mehrsprachigkeit angenommen und stellt jährlich 50 Millionen Euro bereit, um durch sein „Programm für das lebenslange Lernen“ Sprachaktivitäten und Projekte zu unterstützen.
Mangel an Sprachkenntnissen
Eine Studie aus dem Jahr 2007 befand, dass von beinahe 2.000 Firmen elf Prozent Verträge verloren hätten, manche in Millionenwert, weil es ihnen an Sprachkenntnissen gemangelt habe.
In der Tat kündigte die Kommission gestern an, dass die Sprachindustrie der Union ihren Umsatz wahrscheinlich um zehn Prozent pro Jahr steigern und bis zum Jahr 2015 bis zu 20 Milliarden Euro wert sein werde. Viele Mitarbeiter in den Sprachabteilungen der EU-Institutionen nähern sich der Rente, doch sie werden nicht im entsprechenden Rhythmus ersetzt. Darüber hinaus sind die Erfordernisse der EU so streng, dass nur 30 Prozent der Bewerber Erfolg haben, was die augenblickliche Krise verstärkt.
Sorgen über einen kommenden Mangel an Dolmetschern für das Italienische führten die EU-Institutionen dazu, im letzten Monat eine Kampagne in Rom anzufangen, um junge Italienischsprachige zu ermutigen, eine Karriere in der EU in Betracht zu ziehen (EURACTIV 24.09.10).
Ähnliche Kampagnen wurden in den vergangenen 18 Monaten angefangen, um qualifizierte Mitarbeiter französischer, englischer, deutscher und niederländischer Muttersprache für ihre Dienste zu rekrutieren (EURACTIV 25.09.09; EURACTIV 18.02.09).
Die jährliche Konferenz des EMT-Netzwerks findet derzeit in Brüssel statt (11.-13- Oktober).