Bundesländer: Mehr Deutsch in der EU

Die Europaminister der Bundesländer fordern erneut die gleichberechtigte Verwendung des Deutschen als Arbeitssprache der europäischen Institutionen. Benachteiligungen gegenüber Englisch und Französisch müssten endlich beseitigt werden. Sie beklagen die Dominanz des Englischen.

Brüssels Dolmetscher kommen mit Deutsch kaum nach (Foto: UEPA.de)
Brüssels Dolmetscher kommen mit Deutsch kaum nach (Foto: UEPA.de)

Die Europaminister der Bundesländer fordern erneut die gleichberechtigte Verwendung des Deutschen als Arbeitssprache der europäischen Institutionen. Benachteiligungen gegenüber Englisch und Französisch müssten endlich beseitigt werden. Sie beklagen die Dominanz des Englischen.

Mehr als 90 Millionen EU-Bürger haben Deutsch als Muttersprache. Zudem ist Deutsch seit dem EU-Beitritt der mittel- und osteuropäischen Staaten die zweitwichtigste Fremdsprache nach Englisch in der EU. Auf diese Fakten verweisen die Europaressortchefs der 16 Bundesländer, die auf ihrer gestrigen Europaministerkonferenz in Brüssel einen Beschluss zur Stärkung der deutschen Sprache gefasst haben.

Diplomatischer Dienst nicht ohne Deutsch

Vor allem bei der Einrichtung des neuen Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) solle Deutsch als Arbeitssprache neben Englisch und Französisch verankert werden. Die Bundesregierung solle dem Beschluss des Rates über Organisation und Arbeitsweise des EAD erst dann zustimmen, wenn für die deutsche Sprache eine angemessene Lösung erzielt worden sei.

Die Verwendung der eigenen Sprache sei gerade durch den Lissabon-Vertrag, der die demokratische Legitimation Europas stärke, besonders wichtig. Nur so könnten Bundesrat und Bundestag ihre neuen Mitwirkungsrechte effektiv wahrnehmen.

Der Trick mit Anhängen und Arbeitspapieren

Die Europaminister werfen der EU-Kommission vor, bislang keine nennenswerten Fortschritte bei der Überarbeitung ihrer ungenügenden Übersetzungspraxis erreicht zu haben.

„Immer noch werden beratungs- und entscheidungsrelevante EU-Dokumente der EU-Kommission entweder überhaupt nicht oder nur unvollständig oder erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung auch in der deutschen Sprachfassung vorgelegt, heißt es im Beschluss.

Insbesondere sei die Praxis der EU-Kommission zu kritisieren, Übersetzungen auf „Kerndokumente" zu beschränken. Andere Dokumente, die für die Bewertung von Rechtsetzungsakten und politischen Prozessen ebenfalls wichtig seien, würden einfach als Anhänge bzw. Arbeitspapiere deklariert, damit sie nur noch in der Ausgangssprache vorgelegt werden müssen.

Tendenz zur Einsprachigkeit

Wichtige Informationen würden überwiegend nur noch auf Englisch vorgelegt. Diese auch außerhalb der Übersetzungsfrage – etwa bei den Internetportalen des Rates und der EU-Kommission – erkennbare Tendenz zur Einsprachigkeit der EU stelle eine inakzeptable Beeinträchtigung der politischen Debatte in den nationalen und regionalen Parlamenten dar.

EU-Beamte sollen Deutsch lernen

Die Europaminister drängen darauf, Deutsch im internen Arbeitsgebrauch der EU-Institutionen zu stärken. Deutschkenntnissen sollen als Einstellungsvoraussetzungen von EU-Bediensteten verankert und im Arbeitsalltag der EU-Institutionen gefördert werden.

Auch Journalisten sollen Deutsch verwenden

Die Europaminister der Länder ermuntern die deutschen Bediensteten und Mitglieder der EU-Kommission sowie die deutschsprachigen Journalisten in Brüssel, Luxemburg und Straßburg, die deutsche Sprache selbstbewusst zu gebrauchen. Das trage zur Sensibilisierung der europäischen Institutionen in der Sprachenfrage bei.

ekö

Link:

Europaministerkonferenz: Initiates file downloadBeschluss zur Stärkung der deutschen Sprache in der EU (18. März 2010)