Chinesische Übernahme unterstreicht Krise in der deutschen Wurstbranche

Zu Beginn der Grünen Woche in Berlin nimmt die Wurstindustrie sich selbst kritisch unter die Lupe.

EURACTIV.com
Continuation 190th Oktoberfest – Sausage inspection committee
Wurstbranche in der Krise. [Foto: Peter Kneffel/dpa/picture alliance via Getty Images]

BERLIN – Die kürzliche Übernahme eines der größten deutschen Wurstherstellers durch einen chinesischen Fleischgiganten verdeutlicht die sich verschärfende Krise im deutschen Fleischsektor und den wachsenden wirtschaftlichen Einfluss Pekings in der EU-Lebensmittelindustrie.

Die wichtigste EU-Messe für den Lebensmittel- und Agrarsektor, die Berliner Grüne Woche, öffnet diese Woche zum 100. Mal ihre Pforten. Doch die Stimmung in der legendären deutschen Wurstindustrie ist alles andere als feierlich. Obwohl Wurst ein Grundnahrungsmittel der deutschen Ernährung ist, ist die Branche in den letzten Jahren rückläufig.

Laut Regierungsangaben haben die Deutschen ihren Pro-Kopf-Fleischkonsum reduziert. Zwischen 2018 und 2023 sank der Pro-Kopf-Verbrauch von Schweinefleisch von 34,1 auf 27,5 kg pro Jahr.

Erst letzte Woche gab die Morliny Foods Holding, der europäische Fleischverarbeitungszweig des chinesischen – und weltweit größten – Schweinefleischunternehmens WH Group, bekannt, dass sie die Wolf Essgenuss GmbH, einen der wichtigsten traditionellen deutschen Wursthersteller mit rund 1.800 Mitarbeitern, übernommen hat.

Sinkende Umsätze, steigende Produktionskosten

Diese Übernahme reiht sich laut Agrarheute in eine wachsende Liste deutscher Fleischunternehmen ein, die in den letzten zwei Jahren entweder Insolvenz angemeldet haben oder übernommen wurden. Die Krise wird durch sinkende Umsätze, steigende Produktionskosten und einen Mangel an Fachkräften verursacht, berichtete die Publikation.

Der deutsche Landwirtschaftsminister Alois Rainer will jedoch die Tür zu China nicht schließen – ganz im Gegenteil. Deutschland müsse im Einklang mit seiner im Dezember vorgestellten Agrarexportstrategie „die Märkte mit Drittländern erweitern”, sagte er am Donnerstag vor Beginn der Grünen Woche vor Journalisten in Berlin.

„Ich werde im Frühjahr dieses Jahres viel reisen, im März nach Südafrika und dann nach China”, fügte er hinzu.

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(adm, aw)