Der Plan der EU im globalen Wettstreit um kritische Rohstoffe

Metalle wie Lithium und Seltene Erden gelten als entscheidend für den grünen und digitalen Wandel. Inmitten eines weltweiten Wettlaufs um die Sicherung dieser Rohstoffe versucht die EU, sich ihr Stück vom Kuchen zu sichern, indem sie eine neue Gesetzgebung erlässt.

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"Wir erleben einen globalen Wettlauf um die Versorgung mit und das Recycling von kritischen Rohstoffen", sagte EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton in einer Erklärung.  [1698/Shutterstock]

Metalle wie Lithium und Seltene Erden gelten als entscheidend für den grünen und digitalen Wandel. Inmitten eines weltweiten Wettlaufs um die Sicherung dieser Rohstoffe versucht die EU, sich ihr Stück vom Kuchen zu sichern, indem sie eine neue Gesetzgebung erlässt – das Gesetz über kritische Rohstoffe.

Nach Angaben der Weltbank wird die weltweite Nachfrage nach kritischen Rohstoffen bis 2050 voraussichtlich um 500 Prozent ansteigen, was in naher Zukunft zu starken Preissteigerungen und erhöhten Versorgungsrisiken führen wird.

„Wir erleben einen globalen Wettlauf um die Versorgung mit und das Recycling von kritischen Rohstoffen“, sagte EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton in einer Erklärung.

In einem solchen Wettbewerbsumfeld bestrebt die EU, eine stabile Versorgung sicherzustellen, ihre strategische Autonomie zu stärken und ihre Importabhängigkeit zu verringern.

Dies werden die Hauptziele des Gesetzes über kritische Rohstoffe sein, das im ersten Quartal 2023 veröffentlicht werden soll.

Aufbauend auf den jüngsten Erfahrungen im Bereich Batterien und Halbleiter will die EU ihre heimische Produktion ankurbeln, ihre Lieferkette diversifizieren und die Recyclingbemühungen verstärken.

Nachfrage wächst

Die EU hat bisher 30 Rohstoffe als kritisch eingestuft, abhängig von ihrem Versorgungsrisiko und ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Mit ihrem Gesetz über kritische Rohstoffe will die EU diese Liste aktualisieren und die entsprechenden Lieferketten gezielter absichern.

So wird beispielsweise erwartet, dass die Nachfrage nach Lithium bis 2050 um das 20-fache und jene nach Graphit um das 14-fache ansteigen wird, während die Nachfrage nach Seltenen Erden sich bereits bis 2030 verfünffachen wird.

Da alle diese kritischen Rohstoffe wesentliche Bestandteile der meisten Batterien sind, hängt der Erfolg des grünen Wandels von ihrer konstanten Verfügbarkeit für die Industrie ab.

Bei einigen Rohstoffen sind die Preise bereits in nie dagewesene Höhen geschossen. Die Kurse für Lithium zum Beispiel sind zwischen Mai 2021 und Mai 2022 bereits um 400 Prozent gestiegen.

Die Identifizierung der wichtigsten Rohstoffe, die das neue Gesetz vornehmen will, ist allerdings keine leichte Aufgabe.

„Angesichts der jüngsten Energiekrise ist es schwierig, Prioritäten zu setzen, denn alle kritischen Rohstoffe werden jetzt äußerst kritisch“, sagte Bernd Schäfer, CEO und Geschäftsführer von EIT RawMaterials gegenüber EURACTIV.

Diversifizierung

Wenn es um den Abbau, die Veredelung und die Verarbeitung von Rohstoffen geht, ist China der dominierende Weltmarktführer.

Von den 30 Rohstoffen, die die Kommission derzeit als „kritisch“ einstuft werden 19 überwiegend aus China importiert. So importiert die EU derzeit etwa 93 Prozent ihres Magnesiums und 86 Prozent ihrer seltenen Erdmetalle aus China.

China hat nicht nur eine Quasi-Monopolstellung beim Abbau dieser Materialien, sondern auch bei deren Raffinierung und Verarbeitung. Während beispielsweise nur etwa 9 Prozent der weltweiten Lithiumvorräte in China abgebaut werden, werden etwa 60 Prozent dort raffiniert.

Nach Ansicht Brüssels müsse die Abhängigkeit von einem einzigen Land vermieden werden, wenn Europa eine Wiederholung der aktuellen Energiekrise, die durch eine übermäßige Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen verursacht wurde, verhindern will.

„Wir müssen vermeiden, in die gleiche Abhängigkeit zu geraten wie bei Öl und Gas“, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei ihrer jährlichen Rede zur Lage der Union im September, als sie das Gesetz über kritische Rohstoffe ankündigte.

Um der dominanten Stellung Pekings entgegenzuwirken, hofft Brüssel auf eine Diversifizierung der Lieferungen durch engere Handelsbeziehungen mit Ländern wie Chile, Mexiko, Australien und Indien.

„Wir müssen unsere Verbindungen zu zuverlässigen Ländern und wichtigen Wachstumsregionen aktualisieren“, sagte von der Leyen.

Herausforderungen in Europa

Während die Diversifizierung des Angebots die erste Säule des kommenden Gesetzes über kritische Rohstoffe bildet, zielt die EU auch darauf ab, Teile der gesamten Wertschöpfungskette zurück nach Europa zu holen.

Kommissar Breton zufolge sollten mindestens 30 Prozent des EU-Bedarfs an raffiniertem Lithium aus der EU stammen und mindestens 20 Prozent der in Abfallströmen vorhandenen Seltenen Erden zurückgewonnen werden.

Die aktuellen Aussichten sind in dieser Hinsicht jedoch düster. Einem Bericht der Denkfabrik Systemiq zufolge verfügt die EU derzeit weder über Bergbau- noch über Raffineriekapazitäten für seltene Erdmetalle. Bei Lithium und Graphit ist die Bilanz mit nur 1 Prozent und 2 Prozent kaum besser.

Auch die Wiederverwertung wirft Probleme auf. Der Entwurf der EU-Batterieverordnung sieht zum Beispiel vor, dass bis 2030 70 Prozent der Lithium-Ionen-Batterien recycelt werden sollen. Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass die Auswirkungen der Wiederverwertung dieser Materialien in absehbarer Zeit spürbar sein werden.

„Das Recycling hat eine zeitliche Verzögerung“, sagt Ben Dixon, Partner bei Systemiq. In der Tat „dauert es etwa fünfzehn Jahre, bis eine Batterie für ein Elektrofahrzeug das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hat“, erklärte er während einer Veranstaltung am Montag (14. November).

Eine weitere Sorge, mit der Europa konfrontiert ist, betrifft die Ausweitung des Bergbausektors. Die Kommission plant zwar, die Bergbaukapazitäten mit dem Gesetz über kritische Rohstoffe zu erhöhen, aber eine der größten Hürden auf dem Weg dorthin ist das Genehmigungsverfahren für die Eröffnung neuer Zechen.

Ein Beispiel dafür ist Portugal, wo sich die Genehmigung für eine Lithiummine aufgrund von lokalem Widerstand und Umweltbedenken seit Jahren hinzieht.

„Wenn Sie eine Mine eröffnen wollen, dauert das Genehmigungsverfahren bis zu 17 Jahre, was inakzeptabel lang ist“, sagte Bernd Schäfer, CEO von EIT, gegenüber EURACTIV.

Um dies jedoch zu ermöglichen, „müssen wir einen der höchsten Bergbaustandards in der gesamten Branche aufweisen“, betonte er.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]