Deutsche Unternehmen sehen Digitalisierung als Wegbereiter zur Klimaneutralität

Fast die Hälfte der deutschen Wirtschaft will bis 2030 klimaneutral sein und drei Viertel sehen Digitalisierung als Chance für den Klimaschutz, so eine Studie des Digitalverbands Bitkom, die am Mittwoch (27. Juli) veröffentlicht wurde. 

Euractiv.de
“Künstliche Intelligenz, Vernetzung und Datenanalyse können den Energieeinsatz in produzierenden Unternehmen stark reduzieren, im Handel Logistikprozesse optimieren oder mit einer smarten Verkehrssteuerung Abgase vermeiden“, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. 
“Künstliche Intelligenz, Vernetzung und Datenanalyse können den Energieeinsatz in produzierenden Unternehmen stark reduzieren, im Handel Logistikprozesse optimieren oder mit einer smarten Verkehrssteuerung Abgase vermeiden“, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.  [Gorodenkoff/Shutterstock]

Fast die Hälfte der deutschen Wirtschaft will bis 2030 klimaneutral werden und drei Viertel sehen Digitalisierung als Chance für den Klimaschutz, so eine Studie des Digitalverbands Bitkom, die am Mittwoch (27. Juli) veröffentlicht wurde. 

Während die Bundesregierung bis 2045 Klimaneutralität anpeilt, ist die deutsche Wirtschaft laut eigenen Angaben ambitionierter: 45 Prozent wollen schon bis 2030 ihre Ausstöße kompensieren, weitere 37 % bis 2040.

Jedoch mangelt es bei der Hälfte der Befragten noch an einer Strategie für Nachhaltigkeit und Klimaschutz, ein Großteil davon arbeitet aber gerade an einer solchen. 

Dabei sind die Einsatzbereiche digitaler Technologien vielfältig. “Künstliche Intelligenz, Vernetzung und Datenanalyse können den Energieeinsatz in produzierenden Unternehmen stark reduzieren, im Handel Logistikprozesse optimieren oder mit einer smarten Verkehrssteuerung Abgase vermeiden,“ so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. 

Die positiven Auswirkungen der Digitalisierung auf den Klimaschutz sind auch bei vielen Unternehmen schon sichtbar: 77 Prozent der Unternehmen gaben an, dass ihr CO2-Ausstoß durch Technologien und Anwendungen gesunken sei.

Besonders bei Cloud-Computing sehen viele Unternehmen großes Potenzial, mehr Nachhaltigkeit zu leisten, „weil es effizienter und ressourcenschonender ist, wenn unsere Daten, unsere Prozesse in einem größeren Rechenzentrum gehostet werden,” so Rohleder. 

Die repräsentative Umfrage wurde von Bitkom Research durchgeführt, wobei 506 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland befragt wurden.

Klimakompetenz benötigt 

Große Defizite sieht die Wirtschaft hingegen bei Kompetenzen. Über 90 Prozent der Unternehmen gaben an, dass bei der Ausbildung von IT-Fachkräften auch auf Aspekte wie Klima und Nachhaltigkeit eingegangen werden sollte.

Das zeigt, dass wir mehr Know-how, mehr Kompetenz brauchen, die von außen in das Unternehmen hereingetragen werden kann, aber die auch im Unternehmen selbst angesiedelt und entwickelt ist,” so Rohleder. 

Fast die Hälfte der Unternehmen verzichtet bereits auf Ausdrucke, um Ressourcen zu schonen, und schafft energieeffizientere Büro-Hardware an. 

Doch bei der Nutzung von gebrauchten, wiederaufbereiteten Geräten, also “Refurbished-IT”, geht es nur langsam voran. Obwohl eine Mehrheit Refurbished-IT für ein wichtiges, ressourcenschonendes Zukunftsthema hält, verwenden nur 4 % solche Geräte. 

Hierbei besteht ein “value-action-gap”, erklärt Rohleder. Denn obwohl sich viele Unternehmen über die Klimaschutzvorteile bewusst sind, lohnt es sich oft finanziell nicht, ein Risiko beispielsweise bei der Gewährleistung oder Einbußen bei Leistungsfähigkeit einzugehen. 

Nötige Schritte

Deswegen würden sich viele Unternehmen finanzielle Anreize, beispielsweise Superabschreibungen, wünschen, um mehr in digitale Technologien zu investieren, die für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Auch sind mehr Beratungsangebote darüber gefragt, wie mithilfe der Digitalisierung klimaneutral gewirtschaftet werden kann. 

Im Koalitionsvertrag wurden Superabschreibungen für sofort abschreibbare Investitionen in Digitalisierung und Klimaschutz vereinbart, aber in die Praxis haben sie es laut Rohleder noch nicht geschafft. 

EU-weite, einheitliche Regeln für energieeffiziente Rechenzentren sowie die Bereitstellung von Green Data sind zudem Bitten an die Politik. 

Doch auch die Unternehmen selbst können viele Schritte schon angehen, wie eben eine Digitalstrategie aufzusetzen, wo Nachhaltigkeit und Klimaschutz von Beginn an mitgedacht werden, so Rohleder. 

Beim mobilen Arbeiten oder dem Thema Videokonferenzen gibt es noch immer Zurückhaltung, obwohl dies eine ressourcenschonende und einfach umzusetzende digitale Technologie ist. 

Auch beim Gebäude und Energiemanagement können digitale Anwendungen erheblich viel einsparen. 

Kompensation

Um die ambitionierten Ziele der Klimaneutralität zu erreichen, müssten Unternehmen vor allem mit Kompensationen arbeiten. “Aber das ist teuer,” so Rohleder gegenüber EURACTIV. 

Wenn die Unternehmen jetzt Gas geben und die Ziele, die sie gesteckt haben, auch mit einer entsprechenden Strategie, mit einem Set an Maßnahmen unterlegen, dann ist es durchaus auch leistbar, bis 2030 klimaneutral zu sein,” so Rohleder. 

[Bearbeitet von Oliver Noyan]