Deutschland erreicht EU-Klimaziel

Die Treibhausgasmissionen der EU sind im fünften Jahr in Folge rückläufig. Die Kommission will die einheitliche Besteuerung von Energie und CO2 in Europa. Eine UN-Studie zeigt: Eine Verdoppelung des Wohlstands erhöht die Umweltbelastung um 60 bis 80 Prozent. Speziell die Milch- und Fleischproduktion bringt die Erde an ihre Grenzen.

Mehr als die Hälfte aller Nahrungspflanzen weltweit werden inzwischen an Tiere verfüttert. Speziell Kühe gelten als Klimakiller. „Esst weniger Fleisch“, so die Empfehlung der UN. Foto: dpa.
Die Kopplung von Hilfs-Geldern an eine geplante Mengenreduzierung von Milch ist für aktive Milch-Betriebe nicht sinnvoll, kritisiert der Deutsche Bauernverband. [Foto: dpa]

Die Treibhausgasmissionen der EU sind im fünften Jahr in Folge rückläufig. Die Kommission will die einheitliche Besteuerung von Energie und CO2 in Europa. Eine UN-Studie zeigt: Eine Verdoppelung des Wohlstands erhöht die Umweltbelastung um 60 bis 80 Prozent. Speziell die Milch- und Fleischproduktion bringt die Erde an ihre Grenzen.

Die Treibhausgasmissionen sind in der EU von 2007 auf 2008 um weitere 2 Prozent gesunken und damit im fünften Jahr in Folge rückläufig. Dies geht aus demEU-Inventar von Treibhausgasemissionen hervors, das die Europäische Umweltagentur gestern veröffentlichte. Im selben Zeitraum wuchs die Wirtschaft um 0,6 Prozent. Klimakommissarin Connie Hedegaard sieht darin den Beweis, dass sich Emissionsrückgang und Wirtschaftswachstum nicht ausschließen. 

Hedegaard erklärte: "Angesichts der weiterlaufenden Verhandlungen über ein globales Klimaschutzübereinkommen für die Zeit nach 2012 muss Europa unbedingt deutlich machen, dass es in der Lage ist, seine Kyoto-Verpflichtungen zu erfüllen."

Die Verringerung im Jahr 2008 sei nicht allein der Finanzkrise zuzuschreiben, sondern auch das Ergebnis vieler ehrgeiziger Maßnahmen, die die EU und ihre Mitgliedstaaten über die Jahre durchgeführt haben und deren Wirkung immer deutlicher zutage tritt. "Aufgrund unserer Selbstverpflichtung, die Emissionen EU-weit bis 2020 um mindestens 20 Prozent und bis 2050 um 80-95 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken, muss und wird der Übergang zu einer Wirtschaft mit niedrigem CO2-Ausstoß weitergehen."

Deutschlands CO2-Emmissionen gingen im Vergleich zum Referenzjahr 1990 um 22 Prozent zurück. Das EU-Klimaziel ist damit bereits erreicht. Berlin hat sich vorgenommen, die Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu senken. Zugleich gibt es in der schwarz-gelben Koalition Streit darum, ob man sich für die Erhöhung des EU-Klimaziels einsetzen soll (EURACTIV.de vom 26. Mai 2010).

Die Emissionen in den 27 EU-Mitgliedstaaten liegen nun 11,3 Prozent unter dem Niveau des Basisjahres.

Kommission will einheitliche CO2-Besteuerung

Im Kampf gegen den Klimawandel will die EU- Kommission künftig eine einheitliche CO2-Besteuerung. Damit soll auch für eine effizientere Energienutzung gesorgt werden.

"Das ist keine neue Steuer", sagte Kommissionssprecherin Emer Traynor am Mittwoch. Die Kommission schlage aber eine neue Struktur der Energiesteuer vor. Bisher besteuerten EU-Staaten Energie nur auf der Basis der verbrauchten Menge. Dänemark und Schweden haben nach früheren Angaben bereits entsprechende Gesetze. Deutschland hat die Ökosteuer, die in erste Linie Kraftstoffe betrifft.

"Wir erwägen, Energie mit zwei Elementen zu besteuern. Mit einer Energiekomponente und einer CO2-Komponente", sagte Traynor. Ende Juni solle der Vorschlag vorgelegt werden. Die EU-Staaten müssen das Vorhaben dann noch einstimmig billigen, auch das Europaparlament ist eingebunden. Mit raschen Entscheidungen ist deshalb nicht zu rechnen.

In Zukunft würden dann auch Steuern für die in die Luft gepustete Menge Kohlendioxid (CO2) anfallen. Mindestsätze – nur die kann die EU vorschlagen – stünden aber noch nicht fest. "Deshalb kann niemand spekulieren, welche Auswirkungen die Steuer auf bestimmte Sektoren haben wird", hieß es in Brüssel.

UNEP und Kommission: Mehr Wohlstand belastet die Umwelt

Am Mittwoch legte das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) gemeinsam mit der EU-Kommission einen Bericht über den Ressourcenverbrauch der großen Volkswirtschaften vor. 

Der Bericht listet unter dem Aspekt der Folgen für Umwelt und Ressourcen eine Reihe von Erzeugnissen, Stoffen und Wirtschafts- und Lifestyle-Aktivitäten auf.

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass eine Verdoppelung des Wohlstands zu einem Anstieg der Umweltbelastung um 60 bis 80 Prozent führt.

"Ganz oben auf der Liste der größten ökologischen Fußabdrücke steht auch die Landwirtschaft", erklärte Edgar Hertwich, Professor für Energie and Umweltsystemanalyse der norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie. "Sie ist verantwortlich für 20 Prozent der Treibhausgasemissionen, für 60 Prozent der Phosphor- und Stickstoffemissionen und für 30 Prozent der Gift-Emissionen in Europa – insbesondere von Chemikalien." Die Produktion von Fleisch- und Milchprodukten trage den größten Anteil an diesen Umweltfolgen. "Auf Kosten der Landwirtschaft gehen zudem 70 Prozent des weltweiten Süßwasserbedarfs und 38 Prozent der gesamten Fläche." Der Bericht zeigt unter anderem, dass mehr als die Hälfte der Nahrungspflanzen als Tierfutter dienen.

Angela Cropper, stellvertretende geschäftsführende Direktorin des UNEP, erklärte: "Der Bericht liefert entscheidende Denkanstöße für die Politik und wiederholt für jeden einzelnen von uns altbekannte Vorschläge: Esst weniger Fleisch, macht das Licht aus, isoliert eure Gebäude gut, schaltet das Thermostat oder die Klimaanlage herunter, vermeidet Flugreisen und lasst das Auto so oft wie möglich stehen. Derartiges Handeln zahlt sich am meisten für die Umwelt aus und dient unserem Planeten am ehesten."

EU-Umweltkommissar Janez Poto?nik erklärte: "Der Bericht bringt die dringende Notwendigkeit des Wechsels zu einer ressourceneffizienten Wirtschaft auf den Punkt. Wir müssen uns dieser gigantischen Aufgabe stellen, um auch künftig unseren Wohlstand und unsere Lebensqualität zu sichern. Wenn wir wirklich die Art und Weise ändern wollen, wie wir mit Ressourcen umgehen, dann gehört eine Änderung der Preissignale im Zuge der Besteuerung zu den effizientesten und wirksamsten Konzepten."

awr/dpa

Links / Dokumente


UNEP:
Assessing the Environmental Impacts of Consumption and Production (2 .Juni 2010)

UNEP: Pressemitteilung zum Bericht: Assessing the Environmental Impacts of Consumption and Production(2. Juni 2010)

Europäische Umweltagentur (EEA): EU greenhouse gas emissions: more than half way to the ’20 % target by 2020′. Pressemitteilung (2. Juni 2010)

Europäische Umweltagentur (EEA): Annual European Union greenhouse gas inventory 1990 – 2008 and inventory report 2010 (2. Juni 2010)

EU-Kommission: Klimawandel: Kommissarin Hedegaard begrüßt Rückgang der EU-Treibhausgasemissionen im fünften Jahr in Folge. Pressemitteilung (2. Juni 2010)

EU-Kommission: Umwelt: Rufe nach Steuerregelungen zur Entlastung der Umwel. Pressemitteilung (2. Juni 2010)