Deutschland: Mindestlohn beschert Einzelhandel großes Umsatzplus
Der gesetzliche Mindestlohn hat in Deutschland den Konsum der privaten Haushalte enorm befeuert - die Kauflaune ist so gut wie zuletzt vor 14 Jahren. Am meisten profitieren davon Internet- und Versandhändler.
Der gesetzliche Mindestlohn hat in Deutschland den Konsum der privaten Haushalte enorm befeuert – die Kauflaune ist so gut wie zuletzt vor 14 Jahren. Am meisten profitieren davon Internet- und Versandhändler.
Rückenwind durch günstige Energie und den neuen Mindestlohn: Die deutschen Einzelhändler haben ihren Umsatz zum Jahresauftakt so stark gesteigert wie seit Juni 2010 nicht mehr.
Die Erlöse kletterten im Januar preisbereinigt um 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Dies war doppelt so stark wie von Ökonomen erwartet. „Die niedrigen Energiepreise und der Mindestlohn zeigen Wirkung“, sagte BayernLB-Experte Stefan Kipar. „Beides hat die Kaufkraft der Konsumenten zum Jahreswechsel deutlich gesteigert.“
Kauflaune so gut wie seit 14 Jahren nicht
Die Koalition aus Union und SPD hat zum Jahresanfang den flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro eingeführt. Während die Wirtschaft dies als Kostenbelastung und „Jobkiller“ kritisiert, erwarten viele Ökonomen davon einen Schub für den Konsum der privaten Haushalte. Für Impulse sorgen auch der stabile Arbeitsmarkt und die niedrigen Zinsen. So ist die Kauflaune der Verbraucher nach Angaben der GfK-Marktforscher derzeit so gut wie seit Oktober 2001 nicht mehr. Denn die Konsumenten müssen wegen des Ölpreisverfalls momentan weniger fürs Tanken und Heizen bezahlen und können mehr Geld in andere Einkäufe oder Dienstleistungen stecken.
„Die Rahmenbedingungen sind derzeit wirklich gut“, sagte ein Sprecher des Handelsverbandes HDE und sprach von einem erfreulichen Jahresstart für die Branche. Für das laufende Jahr peilt der HDE ein Umsatzplus von nominal 1,5 Prozent an, nach einem Anstieg von 1,8 Prozent 2014.
Umsatz beim Online-Handel am stärksten
Am meisten profitierten die Internet- und Versandhändler von der Kauffreude. Hier stiegen die Umsätze binnen Jahresfrist um 14 Prozent. Dies dürfte auch eine Art Nachklapp des Weihnachtsgeschäfts sein, denn viele Konsumenten lösen im Januar Gutscheine und Geldgeschenke ein. Einzig die Umsätze im Handel mit Kleidung und Schuhen fielen. Nicht zuletzt das warme Wetter sorgte für ein Minus von gut zwei Prozent, sagte der HDE-Sprecher. „In vielen Regionen gab es keinen richtigen Winter – das Wetter passte nicht zum Sortiment.“
Von Dezember auf Januar kletterten die Umsätze insgesamt um 2,9 Prozent. Dies war rund sieben Mal stärker als von Ökonomen erwartet und das größte Plus seit sieben Jahren. Die Inlandskonjunktur bleibt nach Ansicht des Hamburger HWWI-Instituts die wichtigste Stütze für die gesamte Wirtschaft, die 2015 um 1,9 Prozent zulegen dürfte.