Deutschland treibt Wachstum der Eurozone an

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) freut sich über einen "Aufschwung XL" in Deutschland. Ohne den deutschen Motor sähe die Konjunkturentwicklung in der EU trist aus. Frankreich und Italien kommen nur langsam aus der Krise. Spanien und Portugal treten auf der Stelle. Griechenlands Wirtschaft schrumpft.

Der Welthandel gewinnt an Fahrt. In der EU profitiert vor allem Deutschland. Foto: Bernd Sterzl / pixelio.de.
Der Welthandel gewinnt an Fahrt. In der EU profitiert vor allem Deutschland. Foto: Bernd Sterzl / pixelio.de.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) freut sich über einen „Aufschwung XL“ in Deutschland. Ohne den deutschen Motor sähe die Konjunkturentwicklung in der EU trist aus. Frankreich und Italien kommen nur langsam aus der Krise. Spanien und Portugal treten auf der Stelle. Griechenlands Wirtschaft schrumpft.

Deutschland verblüfft mit starken Wirtschaftsdaten. Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum gegenüber dem Vorquartal um 1 Prozent wuchs, verbuchte Deutschland ein sattes Plus von 2,2 Prozent. Damit zieht Deutschland Europa aus der Krise. Die deutsche Exportschwirtschaft treibt den Aufschwung an. Das geht aus den heute veröffentlichten Schnellschätzungen von Eurostat hervor. Nur Litauen überflügelte Deutschland innerhalb der EU, hier stieg das BIP um 2,9 Prozent. 

Die anderen großen EU-Industrieländer erholen sich nur langsam von der tiefsten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Frankreich meldet ein Plus von 0,6 Prozent, Italien ein Plus von 0.4 Prozent, Großbritannien ein Plus von 1,1 Prozent. Mit einem Wachstum von 0,2 Prozent tritt Spaniens Witschaft auf der Stelle. Das frühere Boomland war nach dem Platzen einer Immobilienblase im Frühjahr 2008 in die Rezession abgerutscht.

Griechenland steckt als einziges Land der EU weiterhin tief in der Krise. Hier sank das BIP im Vergleich zum Vorquartal um 1,5 Prozent. Die harten Sparmaßnahmen der Regieung dämpfen den privaten Konsum (EURACTIV.de vom 13. August 2010), die Arbeitslosigkeit steigt rapide. 

Portugal erholt sich nur noch langsam. Nach 1,1 Prozent Wachstum im ersten Quartal, waren es im 2. Quartal nur noch Plus 0,2 Prozent.

Eurozone überflügelt USA

Die Exporte der Eurozone legten im Juni gegenüber dem Vormonat um 5,2 Prozent zu, meldet Eurostat. Die Handelbilanz des Euroraums war im Juni wieder positiv, mit einem Überschuss von 2,4 Milliarden Euro. Im Mai gab es noch ein Defizit von 3,3 Milliarden Euro. In den USA verläuft die Konjunkturerholung dezeit langsamer als in der Eurozone. Hier legte die Wirtschaft laut Eurostat nur um 0,6 Prozent zu.

Für das Gesamtjahr 2010 rechnen Experten mit einem Wachstumsrekord in Deutschland. Ein Plus von mehr als 3 Prozent sei möglich. Bislang liegt die Prognose der Bundesregierung bei Plus 1,4 Prozent. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) kommentierte: "Wir erleben derzeit einen Aufschwung XL."

Reaktionen

DIHK: "Nicht auf die Schultern klopfen"

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben: "Das stärkste Wirtschaftswachstum seit der Wiedervereinigung hat im 2. Quartal 2010 mit 2,2 Prozent alle Erwartungen übertroffen. Doch bei allem berechtigten Optimismus birgt das auch Enttäuschungspotenzial. Denn dieses rasche Erholungstempo ist nicht zu halten. Wir haben zudem kaum mehr als die Hälfte der Krisenverluste aufgeholt. Daher müssen wir jetzt weiter arbeiten, statt uns gegenseitig auf die Schultern zu klopfen. Die Haushaltskonsolidierung muss uns jetzt gelingen, die Politik darf das Sparpaket nicht wieder aufschnüren. Auch das Thema Fachkräftemangel wird zunehmend zum Engpass. Wir müssen die Potenziale der Menschen hierzulande ausschöpfen, gleichzeitig müssen qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland willkommen sein."

BGA: "Enormer Modernisierungsbedarf"

Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA): "Das Jahr 2010 wird ein starkes Jahr für die deutsche Wirtschaft. Das kräftige Wirtschaftswachstum bestätigt den Optimismus, mit dem der Groß- und Außenhandel in das Jahr 2010 gestartet ist. Wenn es weiterhin so gut läuft, kann die deutsche Wirtschaft das vom BGA zu Jahresbeginn bereits prognostizierte Wachstum von bis zu drei Prozent sogar noch toppen. Die Entwicklung zeigt, dass es trotz Krise einen enormen Investitions- und Modernisierungsbedarf weltweit gibt. Die Ökonomien machen sich nun daran, den damit verbundenen Nachholbedarf aufzuholen."

awr

Mehr zum Thema

EURACTIV.de: Sparmaßnahmen treffen Griechen härter als erwartet (13. August 2010)

Links

Eurostat: BIP im Euroraum und in der EU27 um 1,0% gestiegen (13. August 2010)

Eurostat: Handelsbilanzüberschuss des Euroraums bei 2,4 Mrd. Euro (13. August 2010)

Statistische Bundesamt (Destatis):
Bruttoinlandsprodukt im 2.Quartal 2010 mit Rekordzuwachs (13. August 2010)