Die meisten Isländer wollen EU-Beitrittsgespräche

Zwei Drittel der Isländer sind für eine Fortsetzung der EU-Beitrittsgespräche, entgeht es einer Umfrage, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Dies stellt eine Kehrtwendung im Vergleich zu Juni dar, als nur knapp über ein Drittel dieser Meinung war.

Zwei Drittel der Isländer sind für eine Fortsetzung der EU-Beitrittsgespräche, entgeht es einer Umfrage, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Dies stellt eine Kehrtwendung im Vergleich zu Juni dar, als nur knapp über ein Drittel dieser Meinung war.

Achthundert Isländer wurden von der Tageszeitung „Frettabladid“ befragt. 64,2 Prozent der Befragten wollten, dass Reykjavik „mit der EU-Bewerbung fortfahre“ und nur 32,8 Prozent wollten diese zurückziehen.

Die Umfrage wies auf eine tiefgreifende Kehrtwende in der öffentlichen Meinung hin, da ein Meinungsbarometer im Juni gezeigt hatte, dass 57,6 Prozent der Befragten wollten, dass das Land seine Bewerbung zurückziehe.

Der radikalste Wechsel fand in der linksgerichteten Grünen Partei statt, die lange Zeit die Partei gewesen war, die sich dem Beitritt am stärksten widersetzt hatte, und deren Wähler nun zu 63,6 Prozent dafür sind, die Gespräche fortzusetzen.

Der Politologe Gretar Thor Eythorsson von der Akureyri-Universität beschrieb die Umfrage als eine Widerspiegelung des erhöhten Bewusstseins über den Ablauf der EU-Beitrittsverhandlungen und nicht etwa als Veränderung der öffentlichen Meinung.

Er denke einfach, die Menschen seien sich dessen bewusst worden, dass ein Rückzieher aus dem Prozess zu diesem Zeitpunkt zu spät sei und dass die Tatsache, die Bewerbung durchzuziehen, nicht bedeuten müsse, EU-Mitglied zu werden, sagte er der AFP.

Es sei nicht etwas Bestimmtes gewesen, die die Meinung der Menschen geändert habe, sondern vielmehr eine allgemeine Informationsströmung innerhalb der isländischen Gemeinschaft. Vielleicht zeige dies, wie flüchtig die öffentliche Meinung in allen EU-Diskussionen sei. Es  könnte sich um eine Andeutung handeln und nicht um eine Kehrtwende.

Tatsächlich scheint die öffentliche Meinung seit der Eröffnung der EU-Beitrittsgespräche im Juli stark von Emotionen beherrscht zu werden. Die 320.000-köpfige Bevölkerung der Insel hatte anfangs die Idee des EU-Beitritts stark unterstützt, nachdem der isländische Bankensektor in Folge der Finanzkrise stark erschüttert worden war und man sich vom EU-Beitritt wirtschaftliche Sicherheit versprach.

Die öffentliche Meinung zum Beitritt schien jedoch zu sinken, als Folge des Zusammenbruchs der Icesave-Bank der Nationalismus anstieg, in dem Augenblick, als das Land harsche Verhandlungen mit den EU-Mitgliedern Großbritannien und den Niederlanden durchlief. Es handelte sich um eine Kompensierung der britischen und niederländischen Kontoinhaber, die ihre Ersparnisse verloren hatten.

Uneinigkeit mit der Union zu Fischfangrechten und der isländischen Tradition des Walfangs haben ebenfalls den Enthusiasmus für die Mitgliedschaft auf beiden Seiten gedämpft. Die EU-Fischereikommissarin, Maria Damanaki, beschrieb die Frage als „Risikopunkt“ für die Verhandlungen.

Ein Referendum wird notwendig sein, um endgültiges grünes Licht für die eventuelle Mitgliedschaft des nordischen Landes zu geben, das bereits dem Europäischen Wirtschaftsraum (EEA) angehört.