Die Verteidigungsabkommen der Ukraine mit den Golfstaaten wecken Optimismus in der EU

Die neuen Verteidigungspartnerschaften könnten die Unterstützung für Kyjiws Kriegsanstrengungen verstärken. Bislang haben Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate im Krieg in der Ukraine einen vorsichtigen Balanceakt vollführt.

/ EURACTIV.com
Press briefing by Volodymyr Zelenskyy on results of negotiations in Jeddah
Wolodymyr Selenskyj. [Foto: Danylo Antoniuk/Ukrinform/NurPhoto via Getty Images]

Diplomaten in Brüssel gehen davon aus, dass Kyjiws verstärkte Zusammenarbeit mit den Golfstaaten neue Finanzmittel erschließen und gleichzeitig die Region näher an die Position der EU zum Krieg in der Ukraine heranführen könnte.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj unterzeichnete letzte Woche Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), nachdem Militärexperten aus Kyjiw entsandt worden waren, um die Golfstaaten bei der Abwehr iranischer Drohnen- und Raketenangriffe zu unterstützen.

EU-Diplomaten sagen, dass diese Annäherung eine subtile, aber bedeutende geopolitische Verschiebung markieren könnte. „Die Hoffnung ist, dass dies das Blatt mehr zugunsten der Ukraine wenden wird – Waffen, Luftabwehr, Finanzmittel, all das wäre von Vorteil“, sagte ein Diplomat.

Mehrere Diplomaten aus verschiedenen EU-Ländern, die anonym bleiben wollten, bezeichneten die Initiative als klugen Schachzug von Selenskyj, der dazu beitragen könnte, die Beziehungen in einer Region zu festigen, in der die Bindungen mit Moskau und den westlichen Hauptstädten weitgehend ausgeglichen sind.

„Wir werden sehen, dass sich die Golfstaaten stärker an der EU ausrichten“, sagte ein anderer Diplomat und fügte hinzu, dass die Nachfrage nach den im Einsatz bewährten Drohnenkapazitäten der Ukraine ein entscheidender Faktor sein könnte – auch wenn einige weiterhin vorsichtig sind, was dies für die Haltung der Golfstaaten zur Neutralität bedeutet. Ein anderer Diplomat ging noch weiter und erklärte, dass die „Ära der Neutralität“ für die Region vorbei sei.

Kyjiw sucht verzweifelt nach neuen Finanzierungsquellen

Diese Annäherung erfolgt zu einem heiklen Zeitpunkt für die Finanzen der Ukraine. Ungarn blockiert faktisch ein 90-Milliarden-Euro-Hilfspaket der EU, von dem zwei Drittel für die Verteidigung vorgesehen sind, sodass Kyjiw nun verzweifelt nach neuen Finanzierungsquellen sucht. Die EU-Staats- und Regierungschefs forderten im vergangenen Monat eine verstärkte Zusammenarbeit mit Drittländern, um diese Lücke zu schließen.

Selenskyj hat keine Einzelheiten zum Umfang etwaiger Waffenverkäufe oder zu konkreten Zusagen der Partner aus der Golfregion genannt. Nach einem Treffen mit ukrainischen Militärexperten, die letzte Woche nach Saudi-Arabien entsandt worden waren, bekräftigte er jedoch, dass die Ukraine Ländern helfe, „die uns bei der Verteidigung unserer Unabhängigkeit unterstützen“.

Diplomaten sagen zudem, Kyjiw versuche, sich als Sicherheitsakteur über Europa hinaus zu positionieren. Mehrere sehen Selenskyjs Äußerungen zur maritimen Sicherheit, in denen er andeutete, dass die Erfahrungen der Ukraine bei der Sicherung der Handelsrouten im Schwarzen Meer – einschließlich des Einsatzes von Meeresdrohnen – auf die Sicherung kritischer Engpässe wie die Straße von Hormus übertragen werden könnten, al sehr positiv an.

„Aber wenn die Ukraine einen Weg findet, irgendeinen Weg, zur Wiederöffnung von Hormus beizutragen, dann verändert das mehr als nur Handelsrouten“, sagte einer der Diplomaten. Präsident Donald Trump erhöht derzeit den Druck auf Europa, Washington bei der Wiederöffnung der Straße von Hormus zu unterstützen.

Schwachstellen in den Verteidigungssystemen der Golfstaaten

Die jüngsten iranischen Angriffe auf westlich orientierte militärische Einrichtungen in der Region, als Vergeltung für gemeinsame US-amerikanisch-israelische Aktionen, haben Schwachstellen in den bestehenden Verteidigungssystemen der Golfstaaten offenbart. Die Regierungen suchen nach kosteneffizienten Möglichkeiten, der Drohnenkriegsführung entgegenzuwirken, ohne sich übermäßig auf teure westliche Luftabwehrplattformen zu verlassen.

Bislang haben Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate im Krieg in der Ukraine einen vorsichtigen Balanceakt vollführt. Zwar unterstützten sie eine frühe UN-Resolution, die den Rückzug Russlands forderte, und leisteten humanitäre Hilfe, doch haben sie ihre wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen zu Moskau aufrechterhalten.

Im Dezember 2025 gaben die VAE jedoch eine Erklärung ab, in der sie einen angeblichen ukrainischen Drohnenangriff auf die Residenz von Wladimir Putin verurteilten, was die Ukraine bestritt. Der Handel zwischen Russland und den VAE hat beispielsweise in den letzten Jahren stark zugenommen, was die Tiefe dieser Verbindungen unterstreicht. Der Wert des Handels zwischen Russland und den VAE stieg 2025 auf 12 Milliarden US-Dollar.

Auch energiepolitische Überlegungen spielen eine zentrale Rolle in der Strategie Kyjiws. Da Europa weiterhin die verbleibenden russischen Gasimporte auslaufen lässt, wird die Sicherung zuverlässiger Energiepartnerschaften mit den Golfstaaten immer wichtiger, um im Falle eines neuen Energieschocks eine erneute Abhängigkeit von Moskau zu vermeiden.

„Zum Teil geht es darum zu zeigen, dass die Ukraine ein verlässlicher und fähiger Partner über Europa hinaus ist“, sagte ein anderer Diplomat. „Es ist eine umfassendere Botschaft an Nicht-EU-Länder“.

(bw, jp)