Die Zucman-Steuer: Abgabe entscheidet über Frankreichs Haushaltsstreit
Mit 38 Jahren gilt Zucman als Shootingstar der französischen Wirtschaftswissenschaft und Mann der Stunde. Der Professor an der Universität Berkeley in den USA und Direktor des European Tax Observatory in Paris will die Staatskassen mit einem Plan auffüllen: einer Steuer von zwei Prozent auf Haushalte, deren Vermögen die Marke von 100 Millionen Euro übersteigt.
Der französische Ökonom Gabriel Zucman ist der Kopf hinter der umstrittenen Steuer – und nun die Schlüsselfigur bei der Frage, ob Frankreich einen sechsten Premierminister bekommt oder sich endlich auf einen neuen Haushalt einigen kann.
PARIS – Heute beginnen die Gespräche zwischen den Sozialdemokraten der Parti socialiste (PS) und Premierminister Sébastien Lecornu, um einen Kompromiss für den Haushalt 2026 zu finden – nur gut eine Woche nach dem Zusammenbruch der französischen Regierung. Diesmal drängt die Linke auf Zucmans zentrale Idee: eine Abgabe auf die reichsten Haushalte.
Mit 38 Jahren gilt Zucman als Shootingstar der französischen Wirtschaftswissenschaft und Mann der Stunde. Der Professor an der Universität Berkeley in den USA und Direktor des European Tax Observatory in Paris will die Staatskassen mit einem Plan auffüllen: einer Steuer von zwei Prozent auf Haushalte, deren Vermögen die Marke von 100 Millionen Euro übersteigt.
Angesichts einer Staatsverschuldung von über 330 Milliarden Euro steht diese neue Steuer im Zentrum der Verhandlungen am Mittwoch. Die Sozialdemokraten haben die Vorschläge des Ökonomen aufgegriffen und wollen die Einnahmen durch höhere Beiträge großer Vermögen und Konzerne steigern.
„Was ich nicht will, ist, dass die französische Mittel- und Arbeiterschicht morgen die Rechnung für Schulden bezahlt, für die sie nicht verantwortlich ist“, erklärte der sozialdemokratische Parteichef Olivier Faure.
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Was ist die Zucman-Steuer?
Zucman argumentiert, dass Milliardäre im Verhältnis „nur halb so viel Steuern“ zahlen wie der Rest der Bevölkerung – indem sie die Regeln zu ihrem Vorteil nutzen. 1996 entsprachen die 500 größten Vermögen Frankreichs – also der Wert der gehaltenen Aktien – rund sechs Prozent des Bruttoinlandprodukts. Heute sind es 42 Prozent.
Sein Plan sieht eine Mindestschwelle vor: Alle von den reichsten Haushalten gezahlten Steuern (Einkommensteuer, Sozialabgaben, und andere) müssen mindestens zwei Prozent ihres Vermögens ausmachen. Liegt ihre Abgabe darunter, zahlen sie die Differenz.
Nach Schätzungen des Ökonomen wären davon nur 1.800 Haushalte betroffen – 0,01 Prozent der Steuerpflichtigen – und es könnten jährlich 20 Milliarden Euro in die Staatskasse fließen.
Das französische Parlament hatte den Vorschlag im Frühjahr auf Initiative der Grünen angenommen, doch die von den Konservativen und Rechten dominierte zweite Kammer, der Senat, blockierte ihn.
„Ich weiß nicht, warum wir in Frankreich die Reichsten nicht mögen“, sagte Christophe Gomart, Abgeordneter der konservativen Les Républicains (LR), die derzeit Lecornu unterstützen. „Wir müssen aufhören, diejenigen ins Visier zu nehmen, die arbeiten, produzieren und investieren.“
Unmut in der Wirtschaft
Die Zucman-Steuer ist bei den Spitzen der französischen Wirtschaft naturgemäß wenig beliebt. Michel-Édouard Leclerc, Chef der gleichnamigen Handelsgruppe, nennt die Abgabe ein „Schreckgespenst“, das „der Wirtschaft keinen Impuls gibt“ und „keine Lösung für Wachstum bietet“.
Ähnlich äußerte sich Patrick Martin, Präsident des mächtigen Arbeitgeberverbands MEDEF (Mouvement des entreprises de France), der am Wochenende mit einer „großen Mobilisierung der Arbeitgeber“ drohte, falls die Steuern 2026 weiter steigen sollten.
Die Zucman-Steuer sei „eine schwere Bremse für Investitionen und Risikobereitschaft“, so Martin, da auch Unternehmensvermögen in die Berechnung einfließe. Bei Firmen, die noch keine Gewinne erwirtschafteten, käme die Steuer „einer Enteignung gleich“ und würde sie „zum Ausverkauf zwingen“.
Unterdessen sprechen sich 74 Prozent der Franzosen für eine stärkere Besteuerung von Spitzenverdiensten aus.
Die Zwickmühle der Rechten
Während die Linke die Steuer unterstützt und die Rechte sie strikt ablehnt, ist das rechte Lager am Rand gespalten. Der Vorsitzende der Rechtsaußenpartei Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, wirbt regelmäßig um die Gunst der Unternehmer und versprach ihnen kürzlich in einem Schreiben eine „massive Senkung der Produktionssteuern“.
Parteichefin Marine Le Pen hingegen zeigt sich offen, „Beiträge von denjenigen zu verlangen, die am meisten verdienen“. 2024 hatte der Rassemblement National die Zucman-Steuer in der parlamentarischen Beratung zunächst unterstützt, sich bei der Schlussabstimmung dann aber enthalten.
Nun steht heute für die Rechte, nur wenige Stunden nach den Sozialdemokraten, ebenfalls ein Treffen mit Lecornu an – und die Partei muss ihre Position klären. Für den Premierminister ist der größere Rahmen eindeutig: Seine geschäftsführende Regierung kann den Haushalt 2026 ohne die Unterstützung der Sozialdemokraten nicht verabschieden.
(mm, jl)