Die Zwei von der Tankstelle
Mit Philipp Rösler und Daniel Bahr stehen zwei junge Männer an der Spitze wichtiger Ministerien. Der Lobby-Anwalt Andreas Geiger fragt sich in einem Kommentar auf EURACTIV.de: Warum?
Mit Philipp Rösler und Daniel Bahr stehen zwei junge Männer an der Spitze wichtiger Ministerien. Der Lobby-Anwalt Andreas Geiger fragt sich in einem Kommentar auf EURACTIV.de: Warum?
Zum Autor
Dr. Andr
eas Geiger ist Managing Partner der Lobbykanzlei Alber & Geiger (Brüssel und Berlin) und Autor des "EU Lobbying Handbook".
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Nachdem mit "Nirwana" Koch-Mehrin, wie sie in Brüssel auch genannt wird, die Guido-Manie nunmehr final Auszug aus der FDP hält, wird runderneuert. Und verjüngt natürlich. Verjüngen ist immer gut.
Ob die Jungen was können, ist da zunächst mal egal. Sie lächeln ja so schön in die Kamera, die Zwei von der Tankstelle. Rauf, rauf, aufs Parlamentsabiturientenkarussell. Dabei hätte man eigentlich denken sollen, dass die deutschen Parteien langsam mal was dazu lernen. Sicher, man muss die Schlacht mit den Soldaten führen, die man hat. Aber auch für das Recruiting ist so eine Partei selbst verantwortlich. Und ein Land mit 80 Millionen Einwohnern, EU-Schwergewicht und ökonomischer Weltplayer, kann sich so eine Repräsentantentruppe einfach nicht bieten lassen. Und wird dies auch nicht.
"Nirwanas" europapolitische Spaßtruppe wäre ja schon ein Witz gewesen, wenn die Resultate nicht so traurig gewesen wären. Wenn aus deutschen Autoauspuffen so wenig herauskäme, wie aus dieser deutschliberalen EU-Truppe, hätten wir kein Ozonloch.
Und jetzt also mit gleichem Modell und Volldampf weiter durchs nationale Politikfeld? Darauf hat Berlin gerade noch gewartet. Wer waren diese zwei Strahlemännchen nochmal?
Als ob wir in Brüssel nicht schon genug Probleme hätten
Philipp Rösler, Jahrgang 1972. Er hat bis 2002 an seiner Promotion geschrieben und danach seine Facharztausbildung abgebrochen, da er niedersächsischer Landtagsabgeordneter wurde. Ein Berufspolitiker also. Was so viel heißt wie: Politiker, ohne je ausgeübten Beruf. Von der Uni ins Parlament. Trotz dieser bereits zweifelhaften Qualifikation wurde seine Berufung zum Gesundheitsminister der Bundesrepublik Deutschland stets regierungsintern gerechtfertigt: Er sei ja Arzt. Wisse also um die Materie Bescheid. Eben in genau dem Umfang wie jeder Medizinstudent. Bravo. Also die perfekte Ausgangslage, um einen der größten Problempfeiler im deutschen Sozialsystem wieder aufzurichten.
Nun gut, für seine neue Funktion als Parteivorsitzender dürfte Rösler die Erfahrung aus dem Gesundheitsministerium tatsächlich zugute kommen. Die FDP ist mindestens Pflegestufe 3. Und hausintern können die ja gern zum Häuptling machen, wen sie wollen. Das Recht auf Selbstmord haben auch Parteien.
Aber Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland? Hallo?! War das nicht mal Ludwig Erhard? Nee, klar. Das ist absolut dieselbe Kragenweite. Rösler. Erhard. Keine Frage. Schade nur, dass jetzt der universitäre Hintergrund Herrn Röslers nicht mehr ganz so gut herhalten kann, wie bislang. Passt irgendwie so mittel. Und mit Lebens- oder gar Berufserfahrung lässt sich bei Herrn Rösler die Erhard-Nachfolge in der Bevölkerung auch nicht richtig gut darstellen.
Aber weil es noch nicht genug ist, dass man sich für diese Erhard-Kopie fremdschämen muss, soll Herr Rösler jetzt in seiner Vorsitzendenfunktion auch noch die Europapolitik der Parteiführung mitgestalten? Gott bewahre, was denn noch? "Scharfe Kriterien für Finanzhilfen aus dem Euro-Rettungsfonds" fordert der Leitantrag der Partei. Toll, dass Herr Rösler jetzt auch hier mitwurschtelt. Als ob wir in Brüssel nicht schon genug Probleme hätten.
Fern, so fern dem Arbeitsmarkt
Der andere Regierungsnovize aus der randliberalen Partei heißt Daniel Bahr. Jahrgang 1976. Er war zunächst Banklehrling bei der Dresdner, studierte dann VWL und hängte noch einen MBA dran. Fertig mit der Ausbildung war er 2008. Seit 2002 sitzt er aber schon im Deutschen Bundestag. Berufserfahrung? Null. Genau wie Rösler. Aber natürlich klarer Sieger nach Punkten, was das angeht: 6 Jahre schon Vertreter des deutschen Volkes, bevor er überhaupt dem Arbeitsmarkt theoretisch zur Verfügung stand. Theoretisch wohlgemerkt. Praktisch wurde das ja nie relevant: 35 Jahre alt, aber schon 9 davon munter im Volksauftrag unterwegs. Wie das das arbeitende Volk wohl findet?
Und der wird jetzt also Bundesgesundheitsminister. Hat zwar nicht Medizin studiert. Die Rösler-Argumentation kann die FDP hier also nicht wieder auspacken. Versucht sie auch gar nicht erst. Stattdessen wird gar nicht argumentiert. Hoffen, dass es keiner merkt, scheint die Devise zu sein. Was sollte man auch dazu groß sagen? Alles was man sagen könnte, würde es nur noch schlimmer machen. Ist ja auch ohne Worte.
Wie hat es der Forsa-Chef Manfred Güllner gestern formuliert: Dass sich mit Rösler und Bahr die FDP-Führung verjünge, sei unwichtig. Jugendlichkeit helfe nicht, wenn man keine anderen Fähigkeiten habe. Wohl wahr.
Weitere Standpunkte von Andreas Geiger
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Sarrazin Reloaded (10. März 2011)
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