Dreckigste Kohlekraftwerke in Deutschland und Großbritannien

Deutschland und das Vereinigte Königreich haben 18 der 30 umweltschädlichsten Stromkraftwerke innerhalb der EU. Das geht aus einer EU-finanzierten NGO-Studie hervor. EURACTIV Brüssel berichtet.

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Deutschland hat die schmutzigsten Kraftwerke in der EU. Foto: Günter Hentschel (CC BY-ND 2.0)
Deutschland hat die schmutzigsten Kraftwerke in der EU. Foto: Günter Hentschel (CC BY-ND 2.0)

Deutschland und das Vereinigte Königreich haben 18 der 30 umweltschädlichsten Stromkraftwerke innerhalb der EU. Das geht aus einer EU-finanzierten NGO-Studie hervor. EURACTIV Brüssel berichtet.

Dem so genannten Dirty30-Bericht zufolge werden mit einer Ausnahme alle umweltschädlichen Kraftwerke mit Kohle betrieben. Dirty 30 ist eine Allianz umweltpolitischer NGOs, zum Beispiel CAN Europe, der WWF und das Europäische Umweltbüro.

Deutschland ist das Land, das die meiste Elektrizität durch Kohle gewinnt, gefolgt von Polen und dem Vereinigen Königreich. 

Das polnische Be?chatów-Kraftwerk wird als Nummer eins der Liste der umweltschädlichsten Kraftwerke geführt, gefolgt von Neurath und Niederaussem in Deutschland. Das britische Kraftwerk Drax landete auf dem sechsten Platz. Griechenland and Italien sind ebenfalls mit jeweils einem Kraftwerk vertreten: Agios Dimitrios auf Platz acht und  ad Brindisi Sud auf Platz neun.

Die Daten des Berichts stammen von  Angaben der Mitgliedsstaaten an die EU-Kommission für den CO2-Emissionshandelsplan.

?Mehr Stromgewinnung durch Kohle

Die Stromgewinnung durch Kohle zwischen 2009 und 2012 ist laut Bericht leicht angestiegen. Und das, obwohl es als einer umweltschädlichsten fossilen Brennstoffe gilt. Der gestern veröffentlichte Bericht führt den Anstieg auf die an der Kapazitätsgrenze operierenden Kraftwerke zurück.

Der Bau neuer Kraftwerke scheidet aufgrund des geringen Marktpreises für Kohle als Grund aus. „Wegen des niedrigen Kohlepreises und des Preises für CO2 auf dem internationalen Markt (Emissionshandelsystem), wegen des hohen Gaspreises und insbesondere aufgrund der Energiesicherheitsdebatte besteht die Gefahr, dass es noch weiter in Richtung einheimische fossile Brennstoffe geht“, sagt Darek Urbaniak, Energiepolitikanalyst des WWF. 

Kohle ist einer der am häufigsten vorkommenden fossilen Brennstoffe der EU und ist noch dazu leicht förderbar. Die EU hat auch Schiefergasvorkommen, doch diese gelten als schwieriger und teurer auszubeuten. Das ist auf die geologische Tiefe der Vorkommen und die erforderliche Abbaumethode, Fracking, zurückzuführen. 

Grüne NGOs weisen auch darauf hin, dass niedrigere Kohlepreise den Energiewandel zu erneuerbaren Energien untergraben. Deutschland plant neue Braunkohletagebaue im Osten an der polnischen Grenze. Polen plant auf der anderen Seite der Grenze Ähnliches. 

Großbritannien will Kapazitätsmechanismus für Stromerzeuger

Die Kommission wird am heutigen Mittwoch eine Erklärung dazu abgeben, ob sie dem Vereinigten Königreich erlauben wird, einen sogenannten Kapazitätsmechanismus für Stromerzeuger zu entwickeln. Die britische Regierung macht sich Sorgen, dass das Land bei besonders hoher Nachfrage in den kommenden Jahren nicht genug Stromkapazität hat. 

In Großbritannien kämpfen die Stromerzeuger um einen Vertrag mit der Regierung für die Bereitstellung von Netzleistung. Den Vorschlägen des neuen Kapazitätsmechanismus zufolge könnten sich die Anbieter einen Vertrag mit bis zu fünfzehn Jahren Laufzeit sichern. 

Die Anbieter, die mit Kohle arbeiten, werden wahrscheinlich das Angebot mit dem niedrigsten Preis abgeben können. Wenn sie dann die Ausschreibung gewinnen, könnten sie damit verbundenen Zahlungen in Modernisierungen investieren. Viele britische Anbieter müssen das bereits tun, damit sie die EU-Regeln der Industrie-Emissions-Richtlinie einhalten. Sie könnten die Zahlungen wie eine Subvention dazu nutzen, ein EU-Gesetz einzuhalten. Analysten zufolge würden sie damit jedoch EU-Wettbewerbsregeln verletzen. 

„Den EU-Staatshilferegeln zufolge darf man einem Unternehmen Subventionen nur dann geben, wenn sie für etwas bestimmt sind, was das Unternehmen nicht ohnehin getan hätte“, sagt Maria Kleis, eine Anwältin von Client Earth. Die Regierungen dürfen Aktivitäten subventionieren, die zu bestimmten politischen Prioritäten passen. Das trifft auf erneuerbare Energien zu, die von Marktbarrieren betroffen sein könnten. 

Umweltschützer sind besorgt, dass der Kapazitätsmechanismus das Vereinigte Königreich für die nächsten fünfzehn Jahre an eine auf Kohle basierende Stromerzeugung koppelt. Das Klimawandelgesetz des Landes sieht eine Dekarbonisierung des Energiesektors in zwölf Jahren vor. 

„Kohlekraftwerke, die keinen Platz in einem kohlestoffarmen Stromsystem haben, so lange zu subventionieren ist verrückt – vom Standpunkt der Dekarbonisierung und vom Standpunkt der Luftverschmutzung aus gesehen“, sagt Jenny Banks vom britischen WWF-Büro. 

Deutschland, Frankreich und Polen denken ebenfalls über Kapazitätsmechanismen als Energiestrategie nach.