Drohnenbedrohung überschattet EU-Gipfel in Kopenhagen
Am Mittwoch treffen die EU-Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen zu einem informellen Europäischen Rat zusammen, gefolgt von den Beratungen der Europäischen Politischen Gemeinschaft – jenem erweiterten Kreis europäischer Nachbarstaaten – am Donnerstag.
KOPENHAGEN – Die Sicherung der Start- und Landebahn des Flughafens Kopenhagen ist kurzfristig zu einer europäischen Sicherheitspriorität geworden. Ausgerechnet in der Woche, in der Dänemark die Spitzen der EU und der Europäischen Politischen Gemeinschaft empfängt, häufen sich Drohnensichtungen über kritischer Infrastruktur.
Am Mittwoch treffen die EU-Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen zu einem informellen Europäischen Rat zusammen, gefolgt von den Beratungen der Europäischen Politischen Gemeinschaft – jenem erweiterten Kreis europäischer Nachbarstaaten – am Donnerstag.
Doch die vergangenen Tage waren von wiederholten Drohnenflügen über kritischer Infrastruktur geprägt.
Der erste Vorfall ereignete sich am Montag: Über dem Flughafen Kastrup wurden große Drohnen mit Blinklichtern gesichtet, der Betrieb kam ins Stocken, Tausende Passagiere mussten warten. Am Mittwochabend tauchten erneut Drohnen über Jütland auf – darunter auch über dem Luftwaffenstützpunkt Skrydstrup, wo Dänemarks F-16- und F-35-Flotte stationiert ist. Weitere Sichtungen am Wochenende folgten nahe der deutschen Grenze und über der größten Militäranlage des Landes.
Die Behörden gaben zu, dass sie die Drohnen über Kastrup hätten abschießen können, verzichteten aber mit Blick auf die Risiken für Zivilisten. „Alles, was hochgeht, muss auch wieder runterkommen“, sagte Verteidigungschef Michael Wiggers Hyldgaard.
Ein warnendes Beispiel liefert Polen: Dort setzte das Militär vergangene Woche bei dem Versuch, eine russische Drohne abzufangen, versehentlich ein Wohnhaus in Brand, wie die polnische Tageszeitung Rzeczpospolita berichtete.
Hybridkrieg
Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sprach am Donnerstagabend im Fernsehen von „Hybridkrieg“ und nannte Russland als einziges Land, das sowohl die Fähigkeiten als auch das Motiv für derartige Provokationen habe.
Auch Peter Viggo Jakobsen, Dozent am Königlichen Dänischen Verteidigungscollege, sieht Moskau als Hauptverdächtigen: „Es gibt nicht viele andere, die beides hätten – sowohl die Mittel als auch den Willen,“ sagte er gegenüber Euractiv.
Die Vorfälle haben in Dänemark eine Debatte darüber ausgelöst, ob das Land ausreichend auf Bedrohungen aus Russland vorbereitet ist. Bezogen auf das Bruttoinlandprodukt hat kein anderes Land der Ukraine bislang mehr Militärhilfe zukommen lassen – was Dänemark besonders in den Fokus des Kremls rückt.
In Brüssel verwies EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius vergangene Woche auf Pläne für einen „Drohnenwall“ zum Schutz der Ostflanke. Die Umsetzung könne jedoch ein Jahr dauern – ein schwacher Trost für Kopenhagen kurz vor den Gipfeln.
Der Flughafen Kastrup räumte ein, dass man sich auf Sichtkontakt – also im Wesentlichen auf Augen und Ferngläser – verlassen musste, um die Drohnen zu entdecken. Erst als die Geräte am Montag über das Flughafengelände flogen, wurde Alarm ausgelöst – doch da war es bereits zu spät.
Die Polizei registrierte in den letzten Tagen eine Flut an Drohnenmeldungen – die meisten erwiesen sich als legale Hobbyflüge. „Man sollte nicht jedes Mal die Polizei rufen, wenn man ein Licht am Himmel sieht“, sagte Polizeidirektor Paw Kaltoft dem dänischen Sender DR. Am Sonntag verhängten die Behörden schließlich ein einwöchiges Verbot für zivile Drohnen.
„Wir waren gewohnt, dass Hobbydrohnen das Problem sind. EU-Gipfel sind eine ganz andere Größenordnung“, betonte Jakobsen.
Mit Blick auf die hochrangigen Gäste sei das Risiko ungleich höher: „Wer einen EU-Gipfel sabotiert, legt sich mit der ganzen EU an. Sie wissen, dass es Grenzen gibt, wie weit sie uns reizen können.“
Hilfe aus Schweden und Deutschland
Zur Verstärkung und Sicherung des Luftraums erhielt Dänemark am Freitag ein schwedisches Anti-Drohnen-System. Am Sonntag lief zudem eine deutsche Luftabwehrfregatte in Kopenhagen ein. Auch aus der Ukraine kam ein Hilfsangebot – eine „bewegende Geste“, wie dänische Offizielle angesichts des Kriegs betonten.
Trotz der Verstärkung sagen Beobachter, dass der Schaden für den Ruf Dänemarks bereits angerichtet ist. „Es ist ziemlich peinlich. Man könnte versuchen, es ein wenig unter Verschluss zu halten, dass jetzt all diese Ausrüstung aus anderen Ländern hereinkommt, weil man es selbst nicht bewältigen kann“, sagte Jakobsen.
Das Militär setzte zuletzt auf Abschreckung, verlegte eine Fregatte vor Kopenhagen und probte seegestützte Drohnenabwehr. Doch Experten sind sich einig: Der oder die Betreiber der Drohnen haben ihr Ziel bereits erreicht.
„Wenn es darum ging, Unruhe und Unsicherheit in Dänemark zu stiften, dann ist das gelungen“, resümiert Jakobsen.
(cs, jl)