Druck auf UEFA: EU-Abgeordnete fordern EM-Ausschluss von Belarus
Europaabgeordnete haben den europäischen Fußballverband UEFA in einem Brief, der EURACTIV vorliegt, aufgefordert, die belarussische Fußballnationalmannschaft von den EM-Qualifikationsspielen auszuschließen.
Europaabgeordnete haben den europäischen Fußballverband UEFA in einem Brief, der EURACTIV vorliegt, aufgefordert, die belarussische Fußballnationalmannschaft von den EM-Qualifikationsspielen auszuschließen.
Der Brief, der an UEFA-Präsident Aleksander Čeferin adressiert ist, wurde von dem polnischen christdemokratischen Europaabgeordneten Tomasz Frankowski initiiert. Er ist Mitglied des Kulturausschusses des Europäischen Parlaments (CULT) und ehemaliger Profifußballer.
„Wir halten es für wichtig, dass die UEFA ihre derzeitige Haltung gegenüber dem belarussischen Fußballverband überdenkt“, heißt es in dem Brief, der von 104 Abgeordneten aus allen Fraktionen unterzeichnet wurde.
Am 28. Februar hatte die UEFA nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine beschlossen, alle russischen Auswahlmannschaften und Vereine bis auf Weiteres von der Teilnahme an ihren Wettbewerbsspielen auszuschließen.
Nun fordern Europaabgeordnete den europäischen Fußballverband auf, Belaruss ebenfalls auszuschließen. Das Land spielt in einer Gruppe mit Andorra, Israel, Kosovo, Rumänien und der Schweiz in den Qualifikationsspielen zur UEFA-Europameisterschaft.
Der Brief wurde am selben Tag verschickt, an dem das Plenum des Europäischen Parlaments am Mittwoch (15. März) eine Entschließung verabschiedete, in der die Abgeordneten die anhaltende systematische Unterdrückung von Bürgern und abweichenden Stimmen durch das belarussische Regime verurteilten
„Als ehemaliger Fußballspieler sollte ich sagen, dass ein Antrag auf Ausschluss einer Nationalmannschaft von einem Sportwettbewerb immer schwierig ist“, sagte der Abgeordnete Frankowski gegenüber EURACTIV.
„Angesichts der aktuellen Situation in Belarus, des Krieges in der Ukraine und der Aktionen des Lukaschenko-Regimes, das unschuldige Bürger zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt, ist ein solches Vorgehen des Europäischen Parlaments jedoch leider notwendig“, fuhr er fort.
Die Briefe beziehen sich insbesondere auf Fälle von langen Gefängnisstrafen und Schauprozessen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wie die gegen den Journalisten Andrzej Poczobut, den Friedensnobelpreisträger Ales Bjaljazki und die im Exil lebende belarussische Oppositionsführerin Swjatlana Zichanouskaja.
Auch der Fall um Oleg Formin, einem 48-jährigen Fußballtrainer, der zweieinhalb Jahre in einem belarussischen Gefängnis saß, wird erwähnt.
„Wie können all diese Tatsachen mit den Werten der UEFA und den UEFA-Spielen in Einklang gebracht werden, die ein Symbol für den Frieden und die Zusammenarbeit in der Fußballfamilie sein sollten“, heißt es in dem Brief.
Den Unterzeichnern des Briefes zufolge lebt ein großer Teil der belarussischen Gesellschaft heute in Angst, eingeschüchtert und terrorisiert von der Tatsache, dass eine Nichtanpassung an das Lukaschenko-Regime den Verlust ihrer Karriere oder ihrer Freiheit zur Folge haben könnte.
„Dies gilt auch für belarussische Athleten und Sportler. Für uns ist daher klar, dass die Fußballer, die noch in der belarussischen Fußballmannschaft sind, das Lukaschenko-Regime unterstützen“, heißt es in dem Brief weiter.
Letztlich kann die Tatsache, dass die belarussische Nationalmannschaft an den EM-Qualifikationsspielen teilnimmt, von Lukaschenko und seinem Propagandateam genutzt werden, um zu beweisen, dass das Regime in der internationalen Gemeinschaft noch immer gut angesehen ist, argumentieren die Unterzeichner.
„Hier stehen nicht nur die Werte der UEFA auf dem Spiel, sondern auch der Ruf und das Image der UEFA innerhalb der demokratischen Gesellschaften und der internationalen Gemeinschaft“, heißt es in dem Brief.
Die belarussische Fußballmannschaft belegt derzeit den 97. Platz in der FIFA-Rangliste der Fußballnationalmannschaften, hat sich aber bisher noch nicht für die Endrunde der FIFA-Weltmeisterschaft oder der UEFA-Europameisterschaft qualifizieren können.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]