Ein Brite, der stolz auf die EU ist

Der neue Liberalen-Chef im Europäischen Parlament hat große Pläne mit der dritten Kraft hinter der Volkspartei und den Sozialisten. Die Liberalen sollen eine paneuropäische Partei werden, und die Wahlbeteiligung bei der Europawahl soll zunehmen. Ganz untypisch für Briten ist er stolz, Europäer zu sein.

Für die nächsten zwei Jahre ist Sir Graham Watson Präsident der Liberalen im EU-Parlament. Foto: EP
Für die nächsten zwei Jahre ist Sir Graham Watson Präsident der Liberalen im EU-Parlament. Foto: EP

Der neue Liberalen-Chef im Europäischen Parlament hat große Pläne mit der dritten Kraft hinter der Volkspartei und den Sozialisten. Die Liberalen sollen eine paneuropäische Partei werden, und die Wahlbeteiligung bei der Europawahl soll zunehmen. Ganz untypisch für Briten ist er stolz, Europäer zu sein.

Die ELDR ist die Abkürzung für Europäische Liberale, Demokratische und Reformpartei und fasst auf europäischer Ebene die liberalen Mitgliedsparteien zusammen. Sie repräsentiert 55 national-liberale und liberal-demokratische Parteien in ganz Europa.

Sir Graham Watson ist ein prominenter britischer Europaabgeordneter, der vergangenen Juni zum Ritter geschlagen wurde und nun auf einem Konkgress in Palermo zum Führer der ELDR gewählt wurde. Er folgt auf die belgische Europaparlamentarierin Annemie Neyts-Uyttebroek.

“Meine drei Hauptziele” nannte Watson unmittelbar nach seiner Wahl: “Ich will unsere liberale Partei vergrößern, ich will die Wahlkampfmethoden modernisieren und ich will ein echtes paneuropäisches Denken in die Partei bringen.”

Watson war 1994 der allererste britische Liberaldemokrat, der ins EU-Parlament gewählt wurde. In seiner dritten Amtsperiode wurde er Chef der liberalen Fraktion im Europaparlament, die er zu einer starken Gruppe ausbauen konnte.

Im Januar 2009 kündigte er an, dass er nach den Euopawahlen desselben Jahres als Parlamentspräsident kandidieren wollte. Allerdings gelang es ihm nicht, die Tradition zwischen der Europäischen Volkspartei und den Sozialisten aufzubrechen. Diese beiden größten Gruppierungen im Parlament teilen den Vorsitz stets unter- bzw. nacheinander auf.

Ebenso erfolglos versuchte Watson, eine „ideologische Koalition“ zwischen den Liberalen und der Volkspartei zu forcieren. Erst seinem Nachfolger, Guy Verhofstadt, gelang es mit Hilfe der globalen Finanzkrise, eine proeuropäische Koalition zu schmieden, die auch die Mitte-Links-Parteien und die Grünen umfasste.

Durch die Koalition von Konservativen und Liberalen in Großbritannien im Mai 2010 wurde der traditionelle Euroskeptizismus der Konservativen des Königsreichs abgeschwächt.

Im Gespräch mit EURACTIV Italien sagte Watson, er strebe mit der ELDR die Schaffung einer supranationalen Europapartei an. Die Liberalen hätten, so Watson, gegenüber den beiden großen Lagern dabei durchaus Vorteile.

Während die Christdemokraten – er sagte „Demo-Christen“ – dazu neigen, bei schwierigen Themen in ihre ideologischen oder religiösen Gewissheiten zurückzufallen und während auch die Sozialisten in ähnlicher Weise ihren eigenen Kompass hätten, seien die Liberalen stets offen für den Dialog und Meinungsaustausch mit anderen.

Watson betonte, dass seine Fraktion dafür sorgen werde, dass sich die Wähler aktiver an der nächsten Europawahl beteiligen. Er will den liberalen Kandidaten eine Art Werkzeugkasten an die Hand geben, damit sie direkter mit den Wählern kommunizieren können und dabei neue Technologien und besonders das Internet verwenden.

Auf die Frage nach dem – seinen britischen Landsleuten innewohnenden – Euroskeptizismus sagte Watson: „Europa hat Frieden, Wohlstand und ungeahnte Möglichkeiten gebracht. Wir sollten stolz darauf sein, Europäer zu sein!“


Bericht von EURACTIV Brüssel und EURACTIV Italien

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