Ein Bukarester Hotel als Musterbeispiel für Förderung

Die Region Bukarest-Ilfov nutzt EU-Gelder, um ihre Infrastruktur für Tourismus und zu Geschäftsreisen in der rumänischen Hauptstadt zu entwickeln. EURACTIV Rumänien berichtet über ein beispielhaftes Projekt.

Geschäftsreisende wollen eher selten ins Zentrum von Bukarest, viele brauchen ein Hotel möglichst nahe zu den Gewerbegebieten. Die EU fördert die entsprechende Infrastruktur (Foto: dpa)
Geschäftsreisende wollen eher selten ins Zentrum von Bukarest, viele brauchen ein Hotel möglichst nahe zu den Gewerbegebieten. Die EU fördert die entsprechende Infrastruktur (Foto: dpa)

Die Region Bukarest-Ilfov nutzt EU-Gelder, um ihre Infrastruktur für Tourismus und zu Geschäftsreisen in der rumänischen Hauptstadt zu entwickeln. EURACTIV Rumänien berichtet über ein beispielhaftes Projekt.

Wie gibt ein Land wie Rumänien die Mittel aus, die es durch die Strukturfonds von der Europäischen Union erhält? Ein konkretes Beispiel findet sich im Geschäftsviertel von Bukarest. Dort fließen 1,8 Millionen Euro an EU-Geldern in die Erweiterung und Modernisierung.

Ein Vorgang, der in Deutschland durchaus üblich ist. Aber im neuen EU-Mitgliedsland (2007 beigetreten) ist das eher noch ein Novum.

Der Besitzer des „Hotel Criss“ ist Radu Antonie. Sein Projekt ist die erste tourismusbezogene Investition, die für eine Mitfinanzierung durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) in der Region Bukarest-Ilfov zugelassen wurde. Die Region ist die wichtigste Drehscheibe der wirtschaftlichen Aktivität in Rumänien und hat über 2,5 Millionen Einwohner.

Das Projekt, das insgesamt etwa 4 Millionen Euro kosten soll, umfasst die Renovierung und Modernisierung des gesamten Hotels und die Erhöhung seiner Kapazität durch den Anbau zusätzlicher 77 Zimmer sowie von Tagungsräumen, einem neuen Restaurant und einem Fitnessanlage.

Auch in der Krise steigt die Nachfrage

Antonie ist zuversichtlich, dass sein Hotel am richtigen Standort liegt, damit sich die Investition in neue Tourismus-Infrastruktur lohnt. Ganz in der Nähe des Hotels gibt es ein hoch entwickeltes Gewerbegebiet mit Hunderten von Büros und Betrieben. Antonie erklärte, dass Geschäftsreisende so nahe wie möglich beim Sitz des Geschäftspartners bleiben und nicht unbedingt die Stadt besuchen wollten.

Die Nachfrage nach Zimmern entwickle sich stetig, selbst in der derzeitigen Wirtschaftskrise. Die meiste Zeit über sei das Hotel voll belegt. Die Kunden zögen es vor, sogar während Bauarbeiten zu bleiben.

Auch eine spanische Firma ziehe aus dem Projekt Nutzen, die mit den Bauarbeiten beauftragt ist. Die Firma sei sehr seriös und habe Erfahrung in Spanien. Sie komme aus diesem Land mit einer unterschiedlichen Sichtweise, was das Geschäft angehe, meint der Hotelbesitzer vielsagend.

Erst abgelehnt, dann gefördert

Dan Nicula zufolge, der die regionale Entwicklungsagentur in Bukarest-Ilfov leitet, müssten Bewerber eine Reihe an Bedingungen erfüllen, bevor ihre Projekte für finanzielle Unterstützung zugelassen würden. Im Falle des „Hotel Criss“ sei die Entscheidung einer Mitfinanzierung des Projekts erst getroffen worden, nachdem die relevanten Bedingungen erfüllt worden seien.

Zuerst sei das Projekt sogar abgelehnt worden. Doch der Hotelchef habe alle Empfehlungen, die ihm seitens der Agentur gemacht wurden, befolgt und sich erneut mit einem besseren Projektplan beworben, so Nicula.

Nach dem Ende der Bauarbeiten sollen dreißig zusätzliche dauerhafte Arbeitsstellen im Hotel entstehen. Dies sollte auch bedeutsame indirekte Vorteile für die Wirtschaft des gesamten Gewerbegebiets bringen, da das Hotel die Gegend für Geschäftsleute und Investoren attraktiver machen wird.

Auf die Frage nach den wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen des Projekts sagte Nicula, diese könnten erst „einige Jahre nach dem Ende der Investitionen“ ordentlich bewertet werden.

Tourismus als Schwerpunkt für Rumäniens Wachstum

Von den mittelalterlichen Städten Transsylvaniens zu den Strandresorts an der Küste des Schwarzen Meeres fehlt es Rumänien sicherlich nicht an Reisezielen, die Touristen anlocken. Rumänien befand jedoch, dass es dem Land an Einrichtungen für Geschäftsreisende fehle.

Im 21. Jahrhundert erwarteten Geschäftsreisende demnach eine gute Infrastruktur und Hotels von hoher Qualität mit umfassender Ausstattung von Zimmern bis hin zu WLAN. Regionen, denen es an solchen Einrichtungen fehle, würden es sehr schwierig finden, in der globalisierten Wirtschaft den Konkurrenzkampf im Business zu bestehen und Investitionen anzuziehen.

Um den Tourismus als bedeutsam für das Wirtschaftswachstum anzuerkennen, ernannte die rumänische Regierung die nachhaltige Entwicklung und Förderung des Tourismus als eine der sechs Prioritäten für ihr regionales Arbeitsprogramm (ROP). Die EU hatte zugesagt, in der laufenden Periode (2007-2013) durch den EFRE 3,7 Milliarden Euro zu diesem Programm beizutragen.

Im Siebenjahresplan sind insgesamt 559 Millionen Euro für die nachhaltige Entwicklung und die Förderung des Tourismus in ganz Rumänien bereitgestellt. Dieses Geld sollte zum Beispiel genutzt werden, um die Qualität der Unterkünfte und der Tourismusinfrastruktur zu erhöhen. Davon erhofft man sich die Förderung von Arbeitsplatzbeschaffung und nachhaltigem Wirtschaftswachstum.

Fast 20 Milliarden Euro an EU-Strukturfonds

Für die Zwecke des ROP ist das Land in acht Regionen unterteilt. In jeder Region existiert eine regionale Entwicklungsagentur, die Projektvorschläge betrachtet, mit Bewerbern kommuniziert und Entscheidungen trifft, wie und wo das Geld ausgegeben wird.

Während der laufenden Periode (2007-2013) wird erwartet, dass Rumänien einen Betrag von insgesamt 19,7 Milliarden Euro an EU-Geldern durch die verschiedenen Strukturfonds erhält. Das meiste Geld soll für Projekte genutzt werden, die zum Wirtschaftswachstum und zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen sollen. Dies stimmt mit den so genannten Lissabon-Zielen überein.

Schwerpunkte sind unter anderem: die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur, die Investition in Forschung und Innovation, Ausbildung und Bildung, Unterstützung für KMU, die soziale Integration von unterprivilegierten Gruppen, die Verbesserung der Umwelt und die Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien.

Hintergrund

Die Regionalpolitik (auch Kohäsionspolitik) der Europäischen Union hat das allgemeine Ziel, den wirtschaftlichen Wohlstand und die soziale Kohäsion in allen 27 Mitgliedsstaaten und ihren 271 Regionen zu fördern.

Innerhalb des derzeitigen finanziellen Rahmenwerks (2007-2013) belaufen sich die Ausgaben für die Regionalpolitik auf 347 Milliarden Euro, was etwa ein Drittel des EU-Haushalts in der aktuellen Periode ausmacht.

Ausgaben für die Regionalpolitik werden durch drei Fonds geleitet, die oft auch „Strukturfonds“ genannt werden. Diese sind der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), der Europäische Sozialfonds (ESF) und der Kohäsionsfonds.

In der derzeitigen Periode ist Rumänien zu 19 Milliarden Euro aus den Strukturfonds berechtigt. Dieses Geld soll genutzt werden, um die Infrastruktur zu verbessern und Projekte zu unterstützen, die gesellschaftliche Unterschiede reduzieren, Arbeitsplätze beschaffen und Wirtschaftswachstum fördern können.

EURACTIV Rumänien

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