Eine Millionen Flüchtlinge haben die Ukraine verlassen, UN sammelt 1,5 Milliarden Dollar

Sieben Tage nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine sind eine Million Flüchtlinge in die Nachbarländer geflohen. Um denjenigen zu helfen, die fliehen oder bleiben, wurden am Dienstag (1. März) 1,5 Milliarden Dollar humanitäre Hilfe zugesagt.

EURACTIV.com
Daily life in Kyiv amid Russian invasion of Ukraine
UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, sagte, dass dies "die größte Flüchtlingskrise in Europa in diesem Jahrhundert werden könnte". [[EPA-EFE/SERGEY DOLZHENKO]]

Sieben Tage nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine sind eine Million Flüchtlinge in die Nachbarländer geflohen. Um denjenigen zu helfen, die aus dem Land fliehen und idenen die vor Ort bleiben, wurden am Dienstag (1. März) 1,5 Milliarden Dollar humanitäre Hilfe zugesagt.

Am Donnerstag (3. März) twitterte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, dass „wir Zeugen des Exodus von einer Million Flüchtlingen aus der Ukraine in die Nachbarländer geworden sind“, und rief zum Frieden auf.

Um den Menschen in der Ukraine und ihren Flüchtlingen humanitäre Hilfe zukommen zu lassen, haben die Vereinten Nationen und ihre humanitären Partner am Dienstag (1. März) koordinierte Nothilfeaufrufe in Höhe von insgesamt 1,7 Milliarden Dollar gestartet.

Am Ende der Veranstaltung, die etwas mehr als zwei Stunden dauerte, verkündete der UN-Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten und Nothilfekoordinator Martin Griffiths, dass „heute 1,5 Milliarden Dollar zugesagt worden sind“.

„Ich bin sprachlos, was ein seltener Zustand ist, wegen der Großzügigkeit vieler Menschen, die hier sprechen, anderer Regierungen, die bereits zugesagt haben, und […] wegen der außerordentlichen Großzügigkeit von Einzelpersonen, des Privatsektors und anderer Organisationen auf der ganzen Welt“, sagte Griffiths.

Die UNO schätzt, dass 12 Millionen Menschen innerhalb der Ukraine humanitäre Hilfe und Schutz benötigen werden. Zudem könnten weitere vier Millionen ukrainische Flüchtlinge in den kommenden Monaten auf Schutz und humanitäre Hilfe in den Nachbarländern angewiesen sein.

Wie der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, sagte, wurden zwei Pläne gestartet: „um den Menschen in der Ukraine und außerhalb zu helfen“.

„Innerhalb der Ukraine erfordert der Plan 1,1 Milliarden Dollar, um den eskalierenden humanitären Bedarf von mehr als 6 Millionen Menschen zu decken, die in den nächsten drei Monaten von den Militäroperationen betroffen und vertrieben werden“, erklärte Guterres.

Er fügte hinzu: „Außerhalb des Landes beantragen wir 551 Millionen Dollar, um Ukrainern zu helfen, die über die Grenzen geflohen sind, vor allem nach Polen, Ungarn, Rumänien und Moldawien“.

Hilfe für die Menschen in der Ukraine

Guterres betonte, dass „Tausende von Frauen, Kindern und Männern Tage und Nächte auf dem Boden in Kellern, Parkhäusern und U-Bahn-Stationen verbringen“.

Er teilte mit, dass die Strom- und Wasserversorgung an vielen Orten zusammengebrochen ist. Die örtlichen Versorgungsketten sind aufgrund der zerstörten Straßen unterbrochen, während Lebensmittel und Medikamente „in einigen Gebieten knapp sind“.

„Für viele Menschen, die noch im Land sind, wird das Leben immer schwieriger und gefährlicher. An den meisten Orten gibt es nur wenig oder gar keine Infrastruktur, um eine große Zahl von Menschen zu beherbergen und zu schützen, die praktisch mit nichts ankommen“, sagte Guterres.

Daher umfasst das Programm für die Menschen in der Ukraine eine Mehrzweck-Bargeldhilfe für die am stärksten gefährdeten Menschen. Hinzu kommen Nahrungsmittel, Wasser und sanitäre Einrichtungen, Unterstützung für die Gesundheits- und Bildungsdienste sowie Hilfe beim Wiederaufbau beschädigter Wohnhäuser.

„Der Plan zielt auch darauf ab, die Behörden bei der Aufrechterhaltung und Einrichtung von Transit- und Aufnahmezentren für Vertriebene zu unterstützen und geschlechtsspezifische Gewalt zu verhindern“, heißt es auf der Website des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten.

Für Menschen auf der Flucht 

Ein weiterer Teil der Hilfe richtet sich an diejenigen, die die Grenze zur Ukraine erreichen. Innerhalb von sechs Kriegstagen sind 660.000 Menschen aus der Ukraine geflohen, am siebten Tag hat sich die Zahl fast verdoppelt und erreichte eine Million.

Grandi von der UNO sagte, dass dies „die größte Flüchtlingskrise in Europa in diesem Jahrhundert werden könnte“.

Er fügte hinzu, dass „wir zwar eine enorme Solidarität und Gastfreundschaft der Nachbarländer bei der Aufnahme von Flüchtlingen beobachten konnten, auch von lokalen Gemeinden und Privatleuten, dass aber noch viel mehr Unterstützung nötig sein wird, um die Neuankömmlinge zu unterstützen und zu schützen.“

Um sich besser auf die Aufnahme der wachsenden Zahl von Flüchtlingen vorzubereiten, wurden 550,6 Millionen Dollar bereitgestellt, um vor allem die Nachbarländer der Ukraine zu unterstützen: Polen, Moldawien, Ungarn, Rumänien und die Slowakei.

Am Dienstag befanden sich 377.000 Flüchtlinge in Polen, 90.000 in Ungarn, 65.000 in Moldawien, 54.000 in der Slowakei und fast 40.000 in Rumänien, sagte Grandi und fügte hinzu, dass sich Tausende in anderen europäischen Ländern befinden.

„Wir haben in der Vergangenheit schon große Katastrophen erlebt, aber dies ist eine der größten Bevölkerungsbewegungen, und sicherlich haben wir in Europa seit dem Balkankrieg keine Bevölkerungsbewegungen dieses Ausmaßes mehr gesehen“, sagte er.

Grandi fügte hinzu: „Wenn die Militäraktionen nicht aufhören, werden diese Zahlen wahrscheinlich noch zunehmen.“

Während die Nachbarländer „außerordentlich gastfreundlich“ waren und ihre Grenzen offen hielten, betonte Grandi, wie wichtig es sei, jegliche „Diskriminierung zwischen Ukrainern und Nicht-Ukrainern“ zu verhindern.

„Die Ukraine beherbergt eine große Zahl von Drittstaatsangehörigen, die ebenfalls von dieser großen Notlage betroffen sind und von denen viele versuchen, sich über die Grenzen in Sicherheit zu bringen“, sagte er.

EU-Spende

Während der Startveranstaltung versicherte der Direktor für Nachbarschaft und Naher Osten (ECHO) bei der Europäischen Kommission, Andreas Papaconstantinou, dass „wir die Situation vor Ort in Abstimmung mit unseren Partnern weiterhin genau verfolgen werden und wir uns weiterhin zu weiterer Unterstützung verpflichten“.

„Unsere Mittel werden den Aufruf der UNO unterstützen“, sagte Papaconstantinou.

Am Dienstag kündigte die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein Hilfspaket von mindestens 500 Millionen Euro an, um den vom Konflikt in der Ukraine betroffenen Zivilist:innen zu helfen.

[Bearbeitet von Alice Taylor]