Enthüllte Epstein-Mails belasten Vertrauten des slowakischen Premiers Fico

Den Unterlagen zufolge erwähnte Epstein den ehemaligen Außenminister Miroslav Lajčák, heute Berater von Premier Robert Fico, in mehreren Nachrichten und bezeichnete ihn als eine Person von ‚internationalem Einfluss‘.

EURACTIV.com
Miroslav Lajcak
Miroslav Lajcak [Photo by Eren Beksac/Anadolu via Getty Images]

BRATISLAVA – Der Skandal um die „Epstein Files“ hat völlig unerwartet auch die Slowakei erreicht. Neu veröffentlichte E-Mails vom Mittwoch zeigen Verbindungen zwischen dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und dem früheren slowakischen Außenminister Miroslav Lajčák – mittlerweile ein ranghoher Berater von Ministerpräsident Robert Fico.

Die „Epstein Files“ umfassen tausende Dokumente über Epsteins kriminelles Netzwerk sowie seine Kontakte zu politischen, wirtschaftlichen und akademischen Eliten weltweit. Epstein – ein verurteilter Sexualstraftäter, der sich im Gefängnis das Leben nahm – war wegen des Handels mit minderjährigen Mädchen angeklagt. Am Mittwoch veröffentlichten Demokraten im US-Repräsentantenhaus neue E-Mails, darunter einige, die auch US-Präsident Donald Trump erwähnen.

Den Unterlagen zufolge erwähnte Epstein Lajčák in mehreren Nachrichten und bezeichnete ihn als eine Person von „internationalem Einfluss“. Lajčák – derzeit slowakischer Diplomat und Berater von Ministerpräsident Robert Fico für den Westbalkan – war unter anderem Außenminister der Slowakei (2009–2010, 2012–2020), Präsident der UN-Generalversammlung (2017–2018) sowie EU-Sonderbeauftragter für den Belgrad-Pristina-Dialog (2020–2025).

In einer E-Mail aus dem Jahr 2019 stellte Epstein ihn einem nicht genannten Kontakt als amtierenden slowakischen Außenminister, OSZE-Vorsitzenden, ehemaligen Präsidenten der Vereinten Nationen und „vor allem als Freund“ vor.

Er bezeichnete Lajčák außerdem mit dem vertrauten slowakischen Spitznamen „Miro“, was auf persönliche Nähe hindeutet. In einem weiteren Austausch aus dem Jahr 2018 – zuerst berichtet vom slowakischen Portal 360-tka.sk – schrieb Epstein, dass „Miro nach Palm Beach kommt“ – eine Anspielung auf eines von Epsteins Anwesen in Florida – „um zu planen“.

Das Nachrichtenportal Aktuality.sk betonte am Freitag, dass die Dokumente keinerlei Hinweise darauf enthalten, dass Lajčák über Epsteins kriminelle Aktivitäten informiert war oder daran beteiligt gewesen sei. Sie zeigen jedoch, dass Epstein ihn als Verbündeten in internationalen Diplomatenkreisen betrachtete.

Die E-Mails legen zudem nahe, dass Epstein ein besonderes Interesse an der slowakischen Innenpolitik hatte. Er kommentierte den Rücktritt des damaligen Ministerpräsidenten Robert Fico im Jahr 2018 nach der Ermordung des Investigativjournalisten Ján Kuciak und kritisierte später die Wahl der proeuropäischen Präsidentin Zuzana Čaputová im Jahr 2019 – und schrieb, Lajčák „wäre der bessere Kandidat gewesen“.

Slowakische Medien, darunter Euractiv Slovakia, haben sowohl Lajčák als auch das Außenministerium um eine Stellungnahme gebeten – bislang ohne Antwort.

(jl)