Erstmals Festnahmen in Serbien wegen Massaker von Srebrenica

Knapp 20 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica sind in Serbien erstmals acht mutmaßliche Täter festgenommen worden. Ihnen wird die Ermordung von über 1.000 Muslimen während des Bürgerkrieges im ehemaligen Jugoslawien vorgeworfen.

Euractiv.de
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Knapp 20 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica sind in Serbien erstmals acht mutmaßliche Täter festgenommen worden. Ihnen wird die Ermordung von über 1.000 Muslimen während des Bürgerkrieges im ehemaligen Jugoslawien vorgeworfen.

„Dies ist der erste Fall, in dem es um Verdächtige geht, die an den Massenerschießungen teilgenommen haben sollen“, sagte der stellvertretende Staatsanwalt für Kriegsverbrechen, Bruno Vekaric, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Bosnische Serben hatten im Sommer 1995 die Stadt Srebrenica eingenommen. Kurze Zeit darauf wurden über 8.000 muslimische Männer und Jungen verschleppt und in der Umgebung des Ortes getötet. Das Massaker gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa sei dem Zweiten Weltkrieg.

Vekaric sagte, die Ermittler hätten in sieben verschiedenen Orten zugegriffen. Alle Beschuldigten hätten einer Einheit des ehemaligen bosnisch-serbischen Innenministeriums angehört. Zu den Festgenommenen zähle auch der Kommandeur der Einheit, Nedeljko Milidragovic, der als „Nedeljko, der Schlächter“ bekanntwurde.

Er und andere Personen würden verdächtigt, Männer aus einem Gefangenenlager von Srebrenica nach Kravica mit Bussen gebracht zu haben, sagte ein Anklagevertreter. „Sie wurden zunächst erschossen, und dann wurden Handgranaten geworfen.“

Ein UN-Gericht hatte geurteilt, dass die Ereignisse in Srebrenica als Völkermord zu werten sind. Der Ort wurde von den Vereinten Nationen zur Schutzzone erklärt, aber trotzdem von den serbischen Truppen eingenommen. In folgenden Tagen kam es zu den Massenerschießungen.

Die Verdächtigen werden wahrscheinlich in Serbien vor Gericht gestellt und nicht dem Haager Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien überantwortet. Dort müssen sich die ehemaligen serbischen Spitzenpolitiker Radovan Karadzic und Ratko Mladic verantworten. Die EU hat die Verfolgung von Kriegsverbrechern zur Bedingung für die Aufnahme Serbiens in den Staatenbund gemacht.