EU-Agrarkommissar Hansen will Landwirte stärker einbinden
Die Bedeutung der Ernährungssicherheit und der Arbeit der Landwirte wurde in Europa lange unterschätzt, kritisiert der designierte Agrarkommissar Christophe Hansen. Künftig sollen die Anliegen der Landwirte stärker in die politische Entscheidungsfindung einfließen.
Die Bedeutung der Ernährungssicherheit und der Arbeit der Landwirte wurde in Europa lange unterschätzt, kritisiert der designierte Agrarkommissar Christophe Hansen. Künftig sollen die Anliegen der Landwirte stärker in die politische Entscheidungsfindung einfließen.
Hansen, von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ausgewählt und aus Luxemburg stammend, soll die Debatte über die Lebensmittelpolitik entschärfen.
Seine ersten öffentlichen Auftritte zeigen, dass von der Leyen die richtige Wahl getroffen hat. Hansen meisterte die Anhörung im Agrarausschuss zur Bestätigung als EU-Kommissar souverän und erreichte einen breiten Konsens unter den politischen Fraktionen.
Im Evaluierungsschreiben der EU-Abgeordneten wird hervorgehoben, dass er nicht nur die fachlichen Qualifikationen für das Amt mitbringt, sondern auch ein „tiefes Verständnis“ für die vielfältigen Anliegen zeigt, die Landwirte seit Monaten in ganz Europa auf die Straßen treiben.
„Die Landwirte hatten das Gefühl, in den letzten Jahren, insbesondere bei den Zielen des Green Deals, nicht ausreichend in die politische Entscheidungsfindung einbezogen worden zu sein,“ merkte er an. „Sie fühlten sich möglicherweise beschuldigt oder stigmatisiert. Ich möchte klar sagen, dass das aufhören wird“.
„Wir haben die Ernährungssicherheit auf unserem Kontinent zu lange als selbstverständlich angesehen, ohne die Arbeit dahinter anzuerkennen,“ betonte er.
In der Anhörung sprach Hansen über den tödlichen Unfall seines verstorbenen Bruders, eines Landwirts, und versprach, sich für einen Sektor einzusetzen. Dieser sieht sich zunehmenden unter Druck, gerade im Hinblick eines Einkommens, das 40 Prozent unter dem Durchschnitt liegt.
Darüber hinaus kritisierte Hansen nach den Nachwehen des Bestätigungsverfahrens der EU-Kommission öffentlich die Übertreibungen innerhalb seiner politischen Familie, der Europäischen Volkspartei (EVP). Damit war er einer der wenigen, die diese Problematik offen ansprachen.
Erste politische Initiative
Für Hansen ist der Dialog der Schlüssel zum Fortschritt, ein Prinzip, das er als „wegweisend für [sein] Handeln während dieses Mandats“ bezeichnete.
Seine erste offizielle Initiative wird der „neue Europäische Ausschuss für Landwirtschaft und Ernährung“ sein, der „in den kommenden Tagen“ vorgestellt werden soll, äußerte er gegenüber Euractiv.
Dieser Ausschuss ist eine der Empfehlungen des Strategischen Dialogs, eines von von der Leyen ins Leben gerufenen Forums. Ziel ist es, nach dem Scheitern der Farm-to-Fork-Strategie von 2020 einen Neustart der Lebensmittel- und Agrarpolitik einzuleiten.
Diese Strategie scheiterte an widersprüchlichen Vetos im EU-Rat, im EU-Parlament sowie unter Wirtschaftsakteuren und NGOs.
In diesem polarisierten politischen Umfeld strebt Hansen an, einen „stabilen und berechenbaren politischen Rahmen“ zu schaffen, um „die besten Ergebnisse für Landwirte, Erzeuger und Verbraucher zu erzielen“. Er wolle „so viele Menschen wie möglich treffen, um von ihren Hoffnungen und Herausforderungen zu hören.“
Hansen betont, dass er keine klare Trennlinie ziehen möchte zwischen Empathie und Dialog auf der einen Seite und der manchmal harten Arbeit der Entscheidungsfindung auf der anderen Seite. Hoffnung und politischer Pragmatismus sollen zumindest derzeit miteinander in Einklang stehen.
„Können wir bei jedem Thema das gleiche Ergebnis erzielen? Vielleicht nicht, aber wir werden es nicht wissen, wenn wir es nicht versuchen“, sagte er.
[Bearbeitet von Alice Taylor-Braçe/Jeremias Lin]