EU heizt Ratingagenturen und Managern ein
„Dies ist nicht das Ende“ und „Wir müssen uns alle verbessern“ waren die Hauptbotschaften von José Manuel Barroso bei einer Pressekonferenz gestern (2. Juni). Er kündigte weitere EU-Maßnahmen zur Verminderung der Risikobereitschaft im Finanzsektor an.
„Dies ist nicht das Ende“ und „Wir müssen uns alle verbessern“ waren die Hauptbotschaften von José Manuel Barroso bei einer Pressekonferenz gestern (2. Juni). Er kündigte weitere EU-Maßnahmen zur Verminderung der Risikobereitschaft im Finanzsektor an.
Der Kommissionspräsident bestätigte mehrere neue Maßnahmen, die gestern vorgestellt wurden, darunter Versuche, Kreditratingagenturen unter die Kontrolle der EU zu bringen und eine Überarbeitung der Unternehmensführung im Finanzsektor.
Die Europäische Kommission hat sich bemüht, neue Regeln für Kreditratingagenturen aufzustellen, unter denen diese einem neuen europäischen Organ gegenüber verantwortlich wären, der europäischen Sicherheits- und Marktautorität (ESMA), die die Ratingmodelle und Methodologien der Agenturen verfolgen würde (EURACTIV 18.05.10).
Die Idee wurde letzten Monat von Binnenmarktkommissar Michel Barnier angekündigt, doch Barroso wiederholte gestern die Absicht der EU-Exekutive, die Notwendigkeit für eine unabhängige europäische Kreditratingagentur zu prüfen, nachdem die Abwertung von griechischen Schulden die Märkte in einen Abwärtsstrudel gerissen hatte.
Vorstände überholen
Zusätzlich prüft eine Untersuchung der Kommission, wie Unternehmensleitungen in Finanzfirmen die notwendigen Kontrollinstrumente bieten könnten, um zu verhindern, dass Banker ähnlich exzessive Risiken eingehen wie die, die viele von ihnen 2008 und 2009 in die Knie zwangen.
Aktuelle Empfehlungen beinhalten die Begrenzung von Vorstandssitzen auf drei pro Person und den Aufbau von Risikoausschüssen, um das Investitionsverhalten der Firmen zu überprüfen.
Kommissionsbeamte sagten, dass Unternehmensvorstände sich während der Krise entweder der Risiken nicht bewusst waren – beispielsweise bezüglich Sub-prime Hypotheken – oder von hohen und schnellen Rückflüssen von Investitionen getäuscht wurden.
Moore: Ein typisches Beispiel
Doch was passiert, wenn ein/e Risikomanager/in selbst besorgt ist, dass Banken zu viel Geld in eine Kapitalblase investieren, und diese Bedenken auf Vorstandsniveau und sogar bei der nationalen Aufsicht auf taube Ohren treffen?
Dies war der Fall bei Paul Moore, dem ehemaligen Vorstand der globalen Risikoabteilung bei HBOS, einer Bank, die in der Zwischenzeit von Lloyds TSB geschluckt wurde. Dieser wies durch E-Mails an den Unternehmensdirektor nach, dass er ihn informiert hatte, dass die Kreditpolitik der Bank zu gefährlich geworden war, um sie weiterhin fortzusetzen.
Er behauptet, dass er unfairerweise von HBOS entlassen wurde, da er Alarm über risikoreiche Anlagen, vor Allem im amerikanischen Sub-prime Markt, geschlagen hatte.
„Es tut mir wirklich leid, dass solch erfahrene Manager so unfähig sind, die Dinge wie normale Menschen zu sehen“, sagte Moore dem britischen Finanzministeriumsausschuss bei einer Anhörung zu dem Fall.
Ein Kommissionsbeamter gestand, dass die Regelentwürfe nicht perfekt seien und dass Vorgesetzte die Arten von Kommunikationskollapsen verhindern müssten, die mit Banken wie HBOS stattfanden.
„Dies kann bedeuten, dass Aufseher größere Ressourcen benötigen werden. Im Prinzip wollen wir, dass sie in Zukunft besser aufpassen.“
Obwohl die Kommission gestern ein Grünbuch mit einem Strategieentwurf für Unternehmensleitung freigab, werden die neuen Regeln zuerst einer umfassenden Konsultation, die im September endet, unterworfen werden.