EU-Kommission: Europa hinkt bei Digitalkompetenz hinterher
Aus Sicht von Vertretern der EU-Kommission sowie Experten hinkt die EU bei ihren Plänen, bis 2030 Lücken in Sachen Digitalkompetenz zu schließen, hinterher.
Aus Sicht von Vertretern der EU-Kommission sowie Experten hinkt die EU bei ihren Plänen, bis 2030 Lücken in Sachen Digitalkompetenz zu schließen, hinterher.
Die Europäische Kommission hat davor gewarnt, dass die Europäische Union nur langsam mit ihrem Vorhaben vorankommt, bis 2030 80 Prozent der erwachsenen EU-Bürger mit digitalen Grundkenntnissen auszustatten und europaweit 20 Millionen IT-Spezialisten zu beschäftigen.
„In beiden Bereichen sind wir nicht so gut, wie wir es gerne hätten“, sagte Georgi Dimitrov, Leiter des Referats für digitale Bildung bei der Kommission, auf einer von EURACTIV organisierten Veranstaltung.
„Wenn wir das Wachstum der letzten fünf Jahre extrapolieren und auf das Jahr 2030 vorausblicken, werden wir unsere Ziele nicht erreichen“, fügte er hinzu.
Laut Eurostat verfügten im Jahr 2021 54 Prozent der Menschen in der EU im Alter von 16 bis 74 Jahren zumindest über grundlegende digitale Kenntnisse, diese Zahl variiert jedoch stark – von 79 Prozent in den Niederlanden und Finnland bis hin zu 28 Prozent in Rumänien.
Laut Dimitrov muss die Lücke bei den digitalen Fähigkeiten dringend durch entsprechende Bildungsmaßnahmen geschlossen werden.
„Wir müssen ein effektives digitales Bildungsökosystem fördern […] und wir müssen die digitalen Fähigkeiten ständig und kontinuierlich weiterentwickeln, weil sie sich permanent verändern“, sagte er und betonte die Notwendigkeit eines verstärkten lebenslanges Lernens.
Geringe Ausbildungsbeteiligung
Im Rahmen der Europäischen Säule sozialer Rechte will die EU sicherstellen, dass bis 2030 jährlich mindestens 60 Prozent aller Erwachsenen an einer Ausbildung teilnehmen. Doch im Jahr 2021 lag der Anteil der Erwachsenen, die an einer Aus- oder Weiterbildungen teilnahmen, bei lediglich 10,8 Prozent, wobei die höchsten Zahlen in Schweden, Finnland und den Niederlanden zu verzeichnen waren.
Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist das Ausbildungsniveau in vielen Ländern nach wie vor niedrig, was auf Ausbildungskosten sowie die Relevanz und Qualität der angebotenen Kurse zurückzuführen ist.
Anders Lindholm, Berater für Bildungsfragen bei der Ständigen Vertretung Schwedens bei der EU, wies darauf hin, dass mehr Unterstützung für Personen benötigt werden, die sich weiterbilden oder umschulen möchten.
Verstärkte Unterstützung
„Ich denke, dass es für viele Menschen finanziell und auch sozial schwierig ist, sich zu viel Zeit zu nehmen, um sich weiterzubilden und umzuschulen, wenn es nicht genügend Unterstützung gibt“, sagte er.
Raffaela Kihrer, Vizepräsidentin der Plattform für lebenslanges Lernen (LLLP), erklärte, es sei oft eine Frage des persönlichen Umfelds.
Kihrer betonte zudem die Notwendigkeit erhöhter öffentlicher Investitionen in lebenslanges Lernen. „Im EU-Durchschnitt geben wir derzeit 0,1 Prozent des BIP für die Erwachsenenbildung aus, und dennoch erwarten wir davon sehr große Ergebnisse“, betonte sie.
(Bearbeitet von Zoran Radosavljevic)