EU-Kommission offen für Deutschlands Vorschlag zum Weizenanbau
Die EU-Kommission ist offen für einen deutschen Vorschlag, die neuen EU-Vorschriften zur Fruchtfolge zu verschieben, um die Weizenproduktion angesichts des Kriegs zu steigern.
Die Europäische Kommission ist offen für einen deutschen Vorschlag, die neuen EU-Vorschriften zur Fruchtfolge zu verschieben, um die Weizenproduktion angesichts des Ukraine-Kriegs zu steigern. Die Idee stieß auch bei einer Reihe von Mitgliedstaaten auf Zustimmung.
Anfang des Monats hatte Landwirtschaftsminister Cem Özdemir die EU aufgefordert, die neuen Fruchtfolgevorschriften, die ursprünglich ab 2023 im Rahmen der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU in Kraft treten sollten, um ein Jahr zu verschieben, um die Weizenproduktion angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine zu steigern.
Dies würde bedeuten, dass Landwirt:innen, die in diesem Jahr Weizen auf einem Feld angebaut haben, in der kommenden Saison auf demselben Stück Land wieder Weizen anbauen könnten, wodurch mehr Platz für die Getreideproduktion zur Verfügung stünde.
Die Idee wurde den EU-Agrarminister:innen am Dienstag (24. Mai) bei einem Treffen in Brüssel zum ersten Mal vorgestellt.
Auf einer Pressekonferenz im Anschluss an das Treffen erklärte EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski, er stehe der Idee offen gegenüber und fügte hinzu, dass die Kommission den Vorschlag derzeit prüfe, obwohl noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen worden seien.
„Ich denke, dass dieser Vorschlag überall dort in Betracht gezogen werden sollte, wo es möglich ist, besonders benötigte Kulturen anzubauen“, sagte er und bezog sich dabei insbesondere auf Weizen.
Obwohl der Kommissar einräumte, dass es aus agronomischer Sicht nicht wünschenswert sei, in der nächsten Anbausaison dieselben Kulturen auf demselben Land anzubauen, sagte er: „Wenn wir die Produktion steigern müssen, sollte das erlaubt sein“.
„Die Ernährungssicherheit steht auf dem Spiel, nicht in Europa, aber wir sprechen von einer Unterbrechung der Lieferketten für Getreide in einige Regionen der Welt, wie Nordafrika oder den Nahen Osten. Wir müssen also wirklich über eine ganze Reihe von möglichen Maßnahmen nachdenken“, sagte er.
Der Kommissar erklärte auch, dass die Idee von einer Mehrheit der Mitgliedsstaaten unterstützt werde.
„Wir haben nicht wirklich Kommentare oder Kritik gegen unser Vorgehen gehört – viele Mitgliedstaaten haben betont, dass dies genau das ist, was in dieser Krisensituation getan werden muss“, sagte er.
Quellen, die an der Diskussion hinter verschlossenen Türen teilnahmen, sagten gegenüber EURACTIV jedoch, dass die Idee in Wirklichkeit nur von acht Mitgliedstaaten unterstützt wurde. Dazu gehören demnach Tschechien, Kroatien, Italien, Lettland, Litauen, Ungarn, Österreich und Schweden.
Deutschland habe sich während des Treffens am Dienstag bemüht zu betonen, dass es sich um eine zeitlich begrenzte Maßnahme handele, die nicht über das Jahr 2023 hinausgehen solle, und betonte, dass dies die langfristigen Umweltziele der EU nicht infrage stellen dürfe.
Derweil drängten keine anderen Mitgliedstaaten auf eine Verlängerung dieses Zeitrahmens, so die Quelle gegenüber EURACTIV.
Der Vorschlag, die neuen Vorschriften um ein Jahr zu verschieben, sei darauf ausgelegt, „die globale Versorgung zu stärken, ohne andere Krisen wie die Klimakatastrophe und das Artensterben zu befeuern“, erklärte Özdemir am Mittwoch.
Er nannte den Vorschlag eine „pragmatische Lösung“, sagte aber, dass die Entscheidung für diesen Schritt nicht leicht gewesen sei. „Zur Ehrlichkeit gehört aber auch, dass es gute Gründe für den Fruchtwechsel gibt.“
Özdemirs Vorschlag war unter anderem von Umweltschützern kritisiert worden, die betonten, welch wichtige Rolle vielfältige Fruchtfolgen für die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der landwirtschaftlichen Böden spielen.
Celia Nyssens vom Europäischen Umweltbüro bezeichnete den Vorschlag als „unangebracht.“ Sie erklärte kürzlich gegenüber EURACTIV, dass Fruchtfolgen „entscheidend für die Schädlingsbekämpfung und den Bodenschutz sind, sodass dies negative Auswirkungen haben wird.“
Aus Özdemirs Sicht ist eine Lockerung der Fruchtfolgevorschriften jedoch die bessere Alternative zum Vorschlag der Kommission, wonach die Mitgliedstaaten den Anbau von Getreide auf Brachflächen zulassen sollten, und würde „die Abwicklung der EU-Agrarförderung im Jahr 2023 erheblich erleichtern, ohne dass damit nennenswerte negative Auswirkungen auf Klimaschutz oder Biodiversität verbunden wären.“
[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Nathalie Weatherald]