EU-Kommission schlägt neue Abgasnormen vor

Die EU-Kommission hat den lang erwarteten Gesetzesentwurf zur Reduzierung der Luftverschmutzung durch PKWs am Donnerstag (10. November) vorgelegt. Die EU-Kommission visiert hierbei eine Verschärfung der Abgasnormen sowie die erstmalige Festlegung von Grenzwerten für Brems- und Reifenabrieb an.

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Dem Entwurf zufolge sollen die niedrigsten Abgaswerte, die nach Euro 6 möglich sind, für PKW und Transporter verbindlich vorgeschrieben werden. Diese Normen werden den realen Fahrbedingungen in Städten, wie häufiges Anhalten und Anfahren, besser Rechnung tragen.  [<a href="https://www.shutterstock.com/de/image-photo/cars-on-highway-traffic-jam-420463105" target="_blank" rel="noopener">[ddisq/Shutterstock]</a>]

Die EU-Kommission hat den lang erwarteten Gesetzesentwurf zur Reduzierung der Luftverschmutzung durch PKWs am Donnerstag (10. November) vorgelegt. Die EU-Kommission visiert hierbei eine Verschärfung der Abgasnormen sowie die erstmalige Festlegung von Grenzwerten für Brems- und Reifenabrieb an.

Nach dem am Donnerstag (10. November) veröffentlichten Vorschlag soll die sogenannte Euro-7-Verordnung ab Juli 2025 für Pkw und Kleinlaster in Kraft treten. Für Lkw und Busse würden die neuen Regeln ab Juli 2027 greifen.

Die Kommission teilte mit, dass sie bei der Erarbeitung des Entwurfs die nötige Reduzierung der Luftverschmutzung durch Verbrenner mit zusätzlich entstehenden Kosten für die Autoindustrie abgewogen habe, da der Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge bereits hohe Investitionen erfordere.

Laut einer kürzlich erzielten Einigung zwischen EU-Parlament und Mitgliedsstaaten dürfen ab 2035 nur noch emissionsfreie Fahrzeuge verkauft werden, was die Autohersteller faktisch dazu zwingt, auf Elektro- oder Wasserstofftechnologie umzusteigen.

Die neuen Euro-7-Standards können nach Ansicht der Kommission mit bereits vorhandener Technologie erreicht werden. Autohersteller bräuchten also keine neuen Prototypen von Verbrennungsmotoren zu entwickeln.

Brüssel wollte auch vermeiden, dass die Anschaffungskosten für neue Fahrzeuge weiter steigen. Nach Schätzungen der EU werden die Euro-7-Normen den Preis für neue PKW oder Transporter um bis zu 0,6 Prozent erhöhen. Bei Lkw und Bussen werden die Auswirkungen mit einem Anstieg von bis zu 3,1 Prozent voraussichtlich noch größer sein.

Die neuen Vorschriften würden eng mit den CO2-Flottengrenzwerten verknüpft, um die Luft in den Städten zu verbessern, sagte Frans Timmermans, Vizepräsident der EU-Kommission.

Angesichts der bevorstehenden Umstellung auf emissionsfreie Technologien wurde die Sinnhaftigkeit neuer Abgasnormen für Pkw vielerorts in Frage gestellt. Laut dem Binnenmarktkommissar Thierry Breton sind die Normen allerdings trotzdem notwendig. Denn diese würden sicherstellen, „dass Autos mit Verbrennungsmotor, die bis 2035 auf den Markt kommen, so sauber wie möglich“ seien, unabhängig davon, wo sie eingesetzt würden, sagte Breton.

Breton schätzte, dass in 2050 etwa 20 Prozent der Fahrzeuge auf den Straßen der EU weiterhin mit Verbrennungsmotoren fahren werden, und dass diese Zahl auf ausländischen Märkten, etwa in Asien und Lateinamerika, noch viel höher sein wird.

Die Normen seien auch notwendig, um die Emissionen von Brems- und Reifenabrieb einzudämmen, die laut Breton durch die Umstellung auf eine vollelektrische Flotte nicht verringert werden.

Während das rekuperative Bremsen – ein Bremsvorgang, bei dem der Elektromotor das Fahrzeug ohne den Einsatz von Bremsbelägen abbremst – dazu beiträgt, die von den Bremsen ausgestoßenen Partikel zu verringern, bedeutet das höhere Gewicht von Elektrofahrzeugen, dass sich mit größerer Wahrscheinlichkeit Partikel von den Reifen ablösen als bei einem vergleichbar großen Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.

Neue Standards

Dem Vorschlag zufolge sollen die niedrigsten Abgaswerte, die in Euro 6 enthalten sind, für Pkw und Transporter verbindlich vorgeschrieben werden. Diese Normen werden den realen Fahrbedingungen in Städten, etwa häufigem Bremsen und Anfahren, besser Rechnung tragen.

Für Lastkraftwagen gelten strengere Grenzwerte, da sie voraussichtlich länger auf Verbrenner-Technologie angewiesen sein werden.

Das Zeitfenster für die Einhaltung der Vorschriften wurde für Pkw und Kleintransporter auf 10 Jahre und 200.000 gefahrene Kilometer verlängert. Sie müssen die Euro-7-Vorschriften somit doppelt so lange einhalten wie noch unter Euro 6.

Während eine Norm zur Überwachung des Bremsabriebs vorliegt, gibt es derzeit keine vereinbarte Methodik, die Freisetzung von Mikroplastik aus den Reifen zu messen. Stattdessen werden die Gesetzgeber die Ergebnisse der Diskussionen auf UN-Ebene abwarten, die für 2024 erwartet werden.

Die Gesetzgebung befasst sich auch mit Batterien für Elektrofahrzeuge, die neuen Standards für ihre Lebensdauer entsprechen müssen.

Um eine Wiederholung des Dieselgate-Skandals zu verhindern, bei dem Technologien zur Täuschung von Abgastests eingesetzt wurden, sind Fahrzeuge nach Euro 7 verpflichtet, die Emissionen während der gesamten Lebensdauer des Fahrzeugs mit Sensoren zu messen.

Diese Informationen werden dem Fahrer zur Verfügung gestellt, sodass er gewarnt werden kann, wenn sein Fahrzeug gegen die Abgasnormen verstößt.

Digitale Lösungen können auch eine Lokalisierung des Fahrzeugs ermöglichen, die es Hybridfahrzeugen ermöglichen könnte, beim Einfahren in eine Umweltzone auf den Elektromotor umzuschalten, so ein EU-Beamter.

Scharfe Kritik aus unterschiedlichen Richtungen

Kritik kam sowohl von der Industrie als auch von Umweltaktivisten, allerdings aus unterschiedlichen Gründen.

Der Verband der Fahrzeughersteller ACEA sagte, der Vorschlag werde die Umstellung auf emissionsfreie Fahrzeuge, insbesondere bei Lastkraftwagen, verlangsamen, da er finanzielle Mittel binde.

Die neue Gesetzgebung habe nur einen begrenzten Nutzen für die Umwelt, aber „verteuere die Fahrzeuge erheblich“, sagte Oliver Zipse, Präsident von ACEA und Vorstandsvorsitzender von BMW, in einer Erklärung.

Der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) argumentierte, dass die in der Verordnung enthaltenen Fristen nicht eingehalten werden können.

„Der heute veröffentlichte Vorschlag der EU-Kommission setzt nicht auf Ausgewogenheit und Machbarkeit, sondern auf unrealistische Extrem-Ziele. Für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge sind die Grenzwertsenkungen nominell zwar geringer, allerdings ist das Timing nicht darstellbar“, erklärte Hildegard Müller, Präsidentin des VDA.

Die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) kritisierte die Kommission hingegen dafür, keine strengeren Abgasnormen für Neufahrzeuge festzulegen.

„Die Vorschläge für Autos sind so schwach, dass die Autoindustrie sie selbst verfasst haben könnte“, so Anna Krajinska, Managerin für Fahrzeugemissionen und Luftqualität bei T&E.

„Trotz ihrer Rekordgewinne haben die Autohersteller der Kommission die Lüge verkauft, dass eine ehrgeizige Euro-7-Norm unerschwinglich sei“, fügte sie hinzu.

Zusätzliche Berichterstattung von Jonathan Packroff.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]