EU-Kommission will Ende des Kükentötens vorschlagen

Die EU-Kommission werde einen Vorschlag zur schrittweisen Abschaffung der systematischen Tötung männlicher Küken vorlegen, erklärte die für Lebensmittelsicherheit zuständige EU-Kommissarin Stella Kyriakides bei einem Treffen der 27 Agrarminister:innen.

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Jedes Jahr werden in der EU Hunderte von Millionen männlicher Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet, weil sie keinen wirtschaftlichen Wert haben, während die Weibchen als Legehennen gehalten werden. [[SHUTTERSTOCK]]

Die EU-Kommission werde einen Vorschlag zur schrittweisen Abschaffung der systematischen Tötung männlicher Küken vorlegen, erklärte die für Lebensmittelsicherheit zuständige EU-Kommissarin Stella Kyriakides bei einem Treffen der 27 Agrarminister:innen.

Deutschland und andere Mitgliedstaaten hatten zuvor ein EU-weites Verbot gefordert.

„Ich möchte vorschlagen, diese Praktiken schrittweise abzuschaffen“, sagte Kyriakides während des Treffens der EU-Landwirtschaftsminister:innen am Montag (17. Oktober) in Luxemburg, während sie die Mitgliedstaaten aufforderte, diese Bemühungen zu unterstützen.

Jedes Jahr werden in der EU Millionen männlicher Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet, weil sie für die Fleischproduktion ungeeignet sind und daher von der Industrie als ohne kommerziellen Nutzen angesehen werden.

Die Praxis wird von Tierschützern als unethisch kritisiert. Sie warnen vor dem Leid, das die Küken – die meist entweder durch Schreddern oder durch Vergasung getötet werden – dabei erleiden müssen.

Kyriakides bezeichnete ihrerseits die Tötung von Eintagsküken als „beunruhigendes Phänomen.“ Sie deutete an, dass ein Vorschlag der Kommission für das Ende der Praxis Teil der derzeitigen Überarbeitung der EU-Tierschutzvorschriften sein könnte.

Die Kommission reagierte damit auf einen Vermerk, der von Deutschland und Frankreich vorgelegt und von Belgien, Finnland, Irland, Luxemburg, Österreich, Portugal und Zypern unterstützt wurde.

Die neun Staaten forderten ein „EU-weites Ende der systematischen Tötung männlicher Küken“, da dies „nicht den Erwartungen der europäischen Verbraucher“ entspreche.

Die Mitteilung vom Montag ähnelt einem früheren Vorstoß im Juli 2021, als Frankreich und Deutschland schon einmal eine Koalition von Mitgliedstaaten anführten, die auf ein EU-weites Verbot des Kükentötens drängten. Kurz zuvor hatten beide Staaten entschieden, die Praxis ab Anfang dieses Jahres auf nationaler Ebene zu verbieten.

Kürzlich haben auch Österreich und Luxemburg die systematische Tötung männlicher Küken ohne besonderen Grund verboten.

Problem nur verschoben?

Während fast alle Mitgliedstaaten den Vorstoß Deutschlands und Frankreichs im Grundsatz unterstützten, wiesen einige gleichzeitig darauf hin, dass ein Verbot des Kükentötens, das sich ausschließlich auf die Produktion innerhalb der EU bezieht, eine Verlagerung des Problems in andere Länder bedeuten könnte.

Es sei „wichtig, die möglichen negativen Auswirkungen eines Verbots nicht aus den Augen zu verlieren, wie etwa die Verlagerung der Tötung von Eintagsküken in andere Länder“, betonte der niederländische Vertreter.

Sein ungarischer Kollege erklärte, ein Verbot sollte „alle Produkte auf dem europäischen Markt umfassen, auch importierte“, um die Lebensmittelproduktion in Europa zu erhalten.

Angesichts dieser und anderer potenzieller Risiken forderte die große Mehrheit der Länder die Kommission auf, eine gründliche Folgenabschätzung durchzuführen, bevor sie einen EU-weiten Ausstieg vorschlägt.

Laut Kyriakides wird die Kommission eine solche Studie, „die auch den sehr schwierigen wirtschaftlichen Kontext berücksichtigen wird“, in ihre laufende Folgenabschätzung zur Überarbeitung der EU-Tierschutzvorschriften integrieren.

Ringen um Alternativen

Ein weiteres Hindernis für die Abschaffung der Tötung männlicher Küken ist die Suche nach wirtschaftlich tragfähigen Alternativen.

Eine Möglichkeit besteht darin, die männlichen Küken trotzdem aufzuziehen und für die Fleischerzeugung zu verwenden, was jedoch aufgrund ihrer schlechten Wachstumsraten in der Regel wirtschaftlich nicht rentabel ist.

Die andere Hauptalternative ist eine neu entwickelte, aber oft teure technische Lösung – bekannt als „In-Ovo-Sexing“ -, die es den Erzeugern ermöglicht, das Geschlecht der Küken vor dem Schlüpfen zu erkennen und somit männliche Küken gar nicht erst auszubrüten.

Während die neun Länder einräumten, dass „die Umsetzung von Alternativen eine große Herausforderung für den Sektor darstellt“, verweist der Vermerk auf die Erfahrungen von Ländern wie Frankreich oder Deutschland, in denen „bereits Verbote gelten und Alternativen existieren oder derzeit erforscht, entwickelt und optimiert werden.“

Mehrere andere Mitgliedstaaten betonten jedoch, dass die zusätzlichen Kosten dieser Alternativen im Falle eines EU-weiten Verbots berücksichtigt werden müssten.

So betonte die kroatische Ministerin Marija Vučković, dass zusätzliche Mittel auf EU-Ebene in Betracht gezogen werden sollten, „entweder für die Übernahme neuer Technologien und Ausrüstungen oder in Form von Ausgleichszahlungen für die nachhaltige Aufzucht männlicher Küken.“

Tierschützer:innen zufrieden

Tierschützer:innen begrüßten den Vorstoß für ein EU-weites Verbot.

„Wir freuen uns, dass so viele EU-Staaten geschlossen gegen die Tötung männlicher Küken auftreten“, sagte Olga Kikou, Leiterin von Compassion in World Farming EU, in einer Erklärung und fügte hinzu, dass „die Bürger wiederholt ein Verbot gefordert haben.“

Unterdessen forderte Andreas Manz, EU-Koordinator für Nutztierpolitik bei VIER PFOTEN, die Kommission auf, ihre Folgenabschätzung abzuschließen und die Grundlagen für einen neuen Gesetzesvorschlag zu schaffen.

Trotz der wachsenden Unterstützung für einen solchen Schritt lehnte es der europäische Geflügelproduzentenverband AVEC ab, die jüngsten Entwicklungen zu kommentieren.

Von EURACTIV kontaktiert, teilte er Verband mit, man habe „keine Zeit“ für eine Antwort gehabt.

[Bearbeitet von Natasha Foote/Nathalie Weatherald]