EU-Kommission will 'klimaneutrale' Lebensmittel unter die Lupe nehmen

Wenn es nach Vorschlägen der EU-Kommission geht, könnten Lebensmittelhersteller bald stärker unter Rechtfertigungsdruck stehen, wenn sie behaupten, ihr Produkt sei klimaneutral.

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Was den Agrar- und Lebensmittelsektor betrifft, so kann der Vorschlag als erster Versuch angesehen werden, die Vorschriften für umweltbezogene Angaben auf Produkten zu harmonisieren. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/vegan-healthy-food-composition-local-farm-2106823367" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK]</a>]

Wenn es nach Vorschlägen der EU-Kommission geht, könnten Lebensmittelhersteller bald stärker unter Rechtfertigungsdruck stehen, wenn sie behaupten, ihr Produkt sei klimaneutral.

Die Europäische Kommission hat am Mittwoch (22. März) Vorschläge für Regeln zu Behauptungen zur Nachhaltigkeit vorgelegt, die Verbrauchern helfen soll, sich besser über die Produkte zu informieren, die sie kaufen.

„Mehr als die Hälfte der Angaben, die wir auf dem europäischen Markt sehen, sind vage, irreführend oder sogar haltlos“, sagte Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung des Vorschlags.

Das Problem tritt vor allem im Lebensmittelsektor auf, wo Begriffe wie klimaneutral“, „CO2-neutral“ und „klimapositiv“ in Supermarktregalen alltäglich geworden sind.

Aus Sicht von Klimaschützern sind diese Behauptungen jedoch kaum mehr als „zügelloses Greenwashing“ durch die Lebensmittelindustrie.

Nusa Urbancic, Kampagnendirektorin der Changing Markets Foundation, zitierte eine aktuelle Analyse ihres Verbandes, in der Nachhaltigkeits-Behauptungen großer Lebensmittel- und Getränkeriesen wie Nestlé, Arla und Danish Crown oder großer Einzelhändler wie Lidl untersucht wurden. Insbesondere in der Milch- und Fleischindustrie sie Greenwashing ein großes Problem.

„Greenwashing ist im gesamten Fleisch- und Milchsektor weit verbreitet“, sagte sie. Behauptungen wie Klimaneutralität würden genutzt, um „einer Industrie, die für ein Drittel der weltweiten Methanemissionen verantwortlich ist und den größten Anteil am Verlust der biologischen Vielfalt hat, einen Anschein von Nachhaltigkeit zu verleihen.“

Laut einer kürzlich veröffentlichten YouGov-Umfrage beeinflussen solche Behauptungen die Entscheidungen von Verbrauchern erheblich.

Die Umfrage ergab, dass fast die Hälfte (49 Prozent) der Erwachsenen im Vereinigten Königreich und in Deutschland regelmäßig Produkte mit Nachhaltigkeitslabeln oder -zertifikaten kaufen, während fast ein Drittel (29 Prozent) bereit ist, mehr für Produkte zu zahlen, die als kohlenstoffneutral, klimapositiv oder emissionsarm gekennzeichnet sind.

Was ändert sich?

Für den Agrar- und Lebensmittelsektor kann der Vorschlag als erster Versuch angesehen werden, die Regeln für umweltbezogene Angaben auf Produkten zu harmonisieren.

Dem Kommissionsvorschlag zufolge müssen Unternehmen umweltbezogene Angaben unabhängig überprüfen lassen und mit wissenschaftlichen Beweisen belegen, bevor sie sie auf der Verpackung abdrucken oder anderweitig publik machen.

Unternehmen, die dies nicht tun, könnten mit Strafen belegt werden, die von Geldbußen bis hin zur Beschlagnahmung von Einnahmen und dem vorübergehenden Ausschluss von öffentlichen Beschaffungsvorgängen und öffentlichen Fördermitteln reichen.

Gleichzeitig sollen neue Zertifizierungssysteme nur dann zugelassen werden, wenn sie auf EU-Ebene entwickelt wurden, und neue private Systeme nur dann zulässig sein, wenn sie einen höhere Ambition im Umweltbereich vorweisen können als die bestehenden Systeme.

„Zusammengenommen sollten diese Maßnahmen verhindern, dass die Verbraucher mit irreführenden Behauptungen konfrontiert werden“, sagte der Kommissar und betonte die Bedeutung solcher Labels.

Der EU-Landwirtschaftsverband COPA-COGECA begrüßte den Schritt angesichts der „derzeitigen Verbreitung von Umweltangaben und -kennzeichnungen“ und stellte fest, dass falsche Angaben das Vertrauen der Verbraucher in die Arbeit der Landwirte erheblich beeinträchtigen.

Allerdings warnt der Verband, dass der Vorschlag noch feiner abgestimmt werden müsse.

Der Verband forderte insbesondere, dass die derzeit bestehenden nationalen Regelungen und Gütezeichen weiterhin gelten sollen.

„Dies ist von entscheidender Bedeutung, um die jahrelangen, manchmal jahrzehntelangen Investitionen der Land- und Forstwirtschaft in bestimmte Umweltsysteme und -zeichen zu schützen, die sich als zuverlässig, wissenschaftlich solide und in den Markt integriert erwiesen haben“, erklärte der Verband in einer Erklärung und stellte fest, dass der Vorschlag in dieser Hinsicht „noch unklar“ sei.

Auch EuroCommerce, das die Einzel- und Großhändler der EU vertritt, begrüßte die vorgeschlagenen Regeln, äußerte jedoch einige Vorbehalte.

„Einzel- und Großhändler sind sich einig, dass die Verbraucher sicher sein müssen, dass Umweltangaben ordnungsgemäß überprüft werden, und dass sie gleichermaßen vor irreführenden Angaben geschützt werden sollten“, sagte Christel Delberghe, Generaldirektorin von EuroCommerce, und betonte, dass Umweltangaben „transparent und überprüfbar“ sein müssten.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Alice Taylor]