EU-Pflicht für Endlagerung nuklearer Abfälle

In der EU gelten künftig verbindliche Vorschriften für Entsorgung und Endlagerung radioaktiver Abfälle. Bis 2015 müssen die EU-Staaten nationale Programme mit konkreten Zeitplänen für den Bau, die Umsetzung und die Kosten von Endlagern vorlegen.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger: „Nach Jahren der Untätigkeit verpflichtet sich die EU zum ersten Mal auf eine Endlagerung nuklearer Abfälle.“ Foto: EC
EU-Energiekommissar Günther Oettinger: "Nach Jahren der Untätigkeit verpflichtet sich die EU zum ersten Mal auf eine Endlagerung nuklearer Abfälle." Foto: EC

In der EU gelten künftig verbindliche Vorschriften für Entsorgung und Endlagerung radioaktiver Abfälle. Bis 2015 müssen die EU-Staaten nationale Programme mit konkreten Zeitplänen für den Bau, die Umsetzung und die Kosten von Endlagern vorlegen.

Die EU-Mitgliedsstaaten haben heute die Richtlinie über radioaktive Abfälle verabschiedet. Damit gelten in der EU künftig verbindliche Normen für die Entsorgung von Nuklearabfällen und für Endlager für die radioaktiven Abfälle aus Atomkraftwerken.

"Die Mitgliedsstaaten müssen bis 2015 nationale Programme mit konkreten Zeitplänen für den Bau, die Umsetzung und die Kosten von Endlagern vorlegen. Die Öffentlichkeit muss über die Pläne informiert und in die Entscheidungsfindung eingebunden werden", heißt es in einer Pressemitteilung der Kommission.

Endlager für mehrere Staaten

Die Mitgliedsstaaten können vereinbaren, ein Endlager in einem anderen EU-Staat zu nutzen. Atommüll-Exporte sind nur noch unter Auflagen gestattet: Zum Zeitpunkt des Abfalltransports muss im Ausland bereits ein Endlager in tiefen geologischen Formationen in Betrieb sein. Derartige Endlager existieren derzeit nirgendwo in der Welt. Die EU-Kommission veranschlagt mindestens 40 Jahre für Entwicklung und Bau eines solchen Tiefenlagers.

"Nach Jahren der Untätigkeit verpflichtet sich die EU zum ersten Mal auf eine Endlagerung nuklearer Abfälle", sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger.

Ausfuhrverbot nicht verschärft

Die Ausfuhr radioaktiver Abfälle in afrikanische, karibische und pazifische Länder und in die Antarktis bleibt weiterhin untersagt. Die Kommission hatte ursprünglich vorgeschlagen, die Ausfuhr in Drittstaaten nun vollständig zu verbieten. Das Europäische Parlament sprach sich ebenfalls für ein umfassendes Ausfuhrverbot aus, hat aber bei Richtlinien nach dem Euratom-Vertrag kein Mitentscheidungsrecht. Die Mitgliedsstaaten treffen die endgültige Entscheidung.

Einheitliche Sicherheitsstandards

Angelica Schwall-Düren (SPD), Europaministerin Nordrhein-Westfalens, hat in einem Standpunkt für EURACTIV.de gefordert, dass die Sicherheitsstandards für Zwischen- und Endlager bei der Lagerung atomaren Abfalls europaweit einheitlich hoch sein müssten. "Die bestehenden Einrichtungen der Europäischen Atomenergiebehörde sollen verstärkt dazu genutzt werden, um höchste einheitliche Sicherheitsstandards in der EU zu garantieren und die Forschung und Entwicklung von Sicherheits- und Endlagerkonzepten voranzutreiben", so Schwall-Düren (EURACTIV.de vom 27. Juni 2011).

Mit der neuen Richtlinie, die spätestens im September dieses Jahres in Kraft tritt, werden die von der Internationalen Atomenergieorganisation entwickelten Sicherheitsstandards rechtsverbindlich.

mka

Links

EU-Kommission: Atommüll und Endlager: Erstmals EU-Regeln verabschiedet (19. Juli 2011)

EU-Kommission:
Verabschiedung der Richtlinie über radioaktive Abfälle begrüßt (19. Juli 2011)

EU-Kommission: Nuclear energy waste management

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

Atomausstieg auf Europäisch (27. Juni 2011)

Reul: Europäische Nachbarn zahlen für deutschen Atomausstieg (31. Mai 2011)

Deutscher Atomausstieg: "Dramatisches Signal an europäische Strommärkte" (31. Mai 2011)

AKW-Abschaltung: Bundesnetzagentur warnt vor Folgen (27. Mai 2011)

Nukleare Sicherheit: Durchbruch bei EU-Stresstests? (25. Mai 2011)

Merkel soll auf G8-Gipfel den deutschen Atomausstieg erklären (24. Mai 2011)

Förderung der Erneuerbaren: Netzbetreiber und Handel wollen Europäisierung (19. Mai 2011)

Streit um AKW-Stresstests spaltet Europas Konservative (11. Mai 2011)

Nukleare Sicherheit europäisieren (9. Mai 2011)

EU verzichtet auf strenge AKW-Stresstests (4. Mai 2011)

Schweizer AKWs "sicherer als die deutschen" (14. April 2011)

Frankreichs Unmut über Deutschlands Atomausstieg (12. April 2011)

Frankreichs passiver Atomausstieg (11. April 2011)

GfK: Deutsche rücken von Kernkraft ab (8. April 2011)

USA: Zustimmung zur Atom-Energie sinkt (5. April 2011)

Übersicht zur Nutzung der Kernenergie in Europa (15. März 2011)

Brüderle: "sehr heterogene" Atompolitik in Europa (22. März 2011)

Fukushima: "Die Gefahr bleibt riesengroß" (21. März 2011)

Uran – "Problematische Versorgungslage" (11. August 2010)

Atom-Comeback in Europa? (28. April 2010)

Mez: Atom-Renaissance – Viel Rauch um Nichts? (10. März 2010)

Standpunkte zur EURACTIV.de-Debatte "EU-Energiepolitik nach Fukushima":

WFC: AKW-Stresstests als Placebo? (29. März 2011)

Mitterlehner: Österreich als "Grüne Batterie" Europas (24. März 2011)

Reck: "Energiesystem wird dezentraler und mittelständischer sein" (22. März 2011)

Kemfert: Gaskraftwerke als Brückentechnologie (18. März 2011)

Mayr: Die Brücke schnellstens abreißen (17. März 2011)

Schreyer: Europas Weg aus der Atomenergie (16. März 2011)