EU-Projekt will Interesse von Kindern an tschechischer Technologie wieder wecken
Das „Start-Tech“-Projekt in der tschechischen Universitätsstadt Liberec versucht, das Interesse an technischen Wissenschaften bei Grund- und Oberschülern zu wecken. Projektleiter glauben, bei ihren Zielen Erfolg zu haben, doch kritisierten sie die administrative Last, die ihnen durch den Umgang mit EU-Regionalgeldern bevorsteht. EURACTIV.cz berichtet.
Das „Start-Tech“-Projekt in der tschechischen Universitätsstadt Liberec versucht, das Interesse an technischen Wissenschaften bei Grund- und Oberschülern zu wecken. Projektleiter glauben, bei ihren Zielen Erfolg zu haben, doch kritisierten sie die administrative Last, die ihnen durch den Umgang mit EU-Regionalgeldern bevorsteht. EURACTIV.cz berichtet.
Liberec ist die Hauptstadt einer tschechischen Region desselben Namens (Liberecký kraj), einer kleinen Region im Gebirge an der Grenze zu Deutschland und Polen, die eine langjährige Tradition in der Textil- und Maschinenindustrie hat.
Die Technische Universität Liberec (TUL) , bekannt für ihre jüngsten wissenschaftlichen Errungenschaften im Feld der Nanotechnologie (Nanofibern) und automatischer Stimmerkennungstechnologie, hat in den letzten Jahren ihre Besorgnis ausgedrückt ob der sinkenden Anzahl von Studenten, die sich für technische Wissenschaften interessieren.
Um diesen Trend umzukehren, entschied die Universität, verschiedene Initiativen zu starten, wie Tage der Offenen Tür, Wettbewerbe und Lesungen an Oberschulen, die darauf abzielen, das Interesse von Kindern zu wecken.
Im letzten Jahr ging die TUL einen Schritt weiter. Mit der Hilfe von Geldern des EU operationellen Programms „Bildung für Wettbewerbsfähigkeit“ lancierte sie ein Projekt namens „Start-Tech – Beginnen wir mit der Technologie“, welches die Reichweite der früheren Universitätsaktivitäten erweiterte, um Grundschüler und ihre Lehrer mit einzuschließen.
Das Programm wird in Zusammenarbeit mit der Liberec Forschungsbibliothek und der Technischen Oberschule Liberec geleitet.
Beginn in der Kindheit
Mit der Ausführung dieses Projekts entschied die TUL, dem Ratschlag von Experten zu folgen, demzufolge zukünftige Karriereentscheidungen in der frühen Kindheit getroffen werden, erklärte Miloš Hernych, Koordinator des Projekts und Mitglied der Fakultät der Universität für Mechatronik, Informatik und Interdisziplinäre Studien.
„Wir suchen nach ansprechenden Wegen, die jüngsten Kinder zur Wahl technischer Wissenschaften in der Zukunft anzuregen.“ Er führte aus, dass das Projekt den Kindern die Gelegenheit gebe, den Industrieregulierer zu programmieren, ein durch Computer kontrolliertes Eisenbahnmodell zu betreiben und mit Roboterbausätzen zu spielen, wie Lego Mindstorm oder Bioloid.
Dieses Projekt zielt darauf ab, einen Schritt weiter zu gehen, und ermutigt Lehrer und Personen, die außerhalb der Schule Spielgruppen leiten, eine wichtige Rolle in der Einflussnahme auf die zukünftige Berufswahl von Kindern zu spielen.
Zur Demonstration einer typischen erwachsenenorientierten Aktivität, wies Hernych auf einen Workshop hin, der sich „Unterhaltsame Physik“ nennt. Er wurde Anfang April 2010 gehalten und inspirierte Teilnehmer zu physikalischen Experimenten, die später in Klassen oder Studiengruppen genutzt werden können.
Technische Bildung auch durch die Region gefördert
Das Projekt ist nicht die einzige Initiative, die darauf abzielt, technische Bildung in der Gegend zu fördern. Das Interesse an technischen Feldern zu wecken ist ebenfalls das erklärte Ziel einer Vielzahl anderer Projekte, die durch die Liberec-Region verwaltet werden. Wohingegen Starttech sich hauptsächlich darauf konzentriert, die Anzahl der technisch orientierten zukünftigen Universitätsanwärter zu steigern, zielt ein von der Region geleitetes Projekt namens „TECHyes“ jedoch darauf ab, das Profil der technischen Ausbildung in Oberschulen zu stärken.
TECHyes ist eine breitere Offensive, die ein Webportal zur Verfügung stellt und Stipendien für Oberschüler anbietet, die durch die regionale Gebietskörperschaft verwaltet werden.
Die Region arbeitet in dem Projekt mit Repräsentanten der Geschäftswelt und der Industrie, wie der Handelskammer und dem lokalen Verband der Bauunternehmer zusammen. Mit deren Expertise versucht sie, die Ausbildung in Industrien zu fördern, denen derzeit nicht genügend qualifizierte Universitätsabgänger zur Verfügung stehen.
Stanislav Eichler zufolge, dem Präsidenten der Liberec-Region, will die Region einer Situation vorbeugen, in der der Mangel an Universitätsabgängern „die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Region beeinflussen würde, oder gar zu einem wichtigen Hindernis in der Erledigung fundamentaler öffentlicher Dienste wird“.
Die Liberec-Universität, gesetzlich eine gemeinnützige Organisation, die unabhängig von der regionalen Gebietskörperschaft verwaltet wird, hat damit einiges an Arbeit zu tun.
Mehr Aktivitäten durch Partnerschaft
Obwohl die Universität die wichtigste Rolle in dem Projekt spielt, wäre die Reichweite ihrer Aktivitäten ohne die Mitarbeit von technischen Oberschulen wesentlich enger.“ Wir wären nicht in der Lage gewesen, einige der Aktivitäten auf dem Universitätsgelände zu organisieren“, so Henrych. Er erklärte, wieso einige Veranstaltungen in anderen Räumlichkeiten stattfinden. „Wir benutzen ihre Schmiede, ihre Tischlerei und ihre Instrumente zur Computerisierten Numerischen Steuerung (CNC).
Während der so genannten „Technologie Wochenenden“ können Kinder ihre eigenen Projektarbeiten herstellen, so wie Weihnachtsdekorationen aus Holz, Vogelfütterplätze oder einfache elektrische Schaltkreise.
Projektleiter nutzen auch die Fähigkeit von Oberschülern, Instrumente zu entwerfen, zu bauen und zu reparieren, die Kinder dazu motivieren können, in der Zukunft technische Karrieren zu verfolgen.
In einigen Fällen, wie an einem Nachmittag physikalischer und chemischer Experimente, mathematischer Rätselspiele und Denksportaufgaben, der im letzten Dezember stattfand, kooperiert die Universität mit der Liberec Forschungsbibliothek, die ihre Räumlichkeiten anbietet und hilft, das gesamte Projekt zu fördern.
Kinder interessieren sich dafür
Auf die Frage, wie viele Kinder sich für das Projekt interessieren, behauptet Hernych, die Registrierung für viele Veranstaltungen sei „absolut überfüllt, so bald sie angekündigt werden“.
„Ich spreche hauptsächlich von der Robotik und von der Chemie, aber auch die Elektronik und – überraschenderweise – der Maschinenbau.“ Ein weiterer großer Erfolg seien die „Winter Technologie Wochenenden“ gewesen, bei denen Kinder „aus Orten, die über 100 km entfernt von Liberec entfernt sind“ anwesend gewesen seien.
Viele Kinder interessierten sich auch für die Kurse im Löten, der Handschmiederei oder der Programmierung von Ein-Chip-Prozessoren, die durch die Partner-Oberschule angeboten wurden.
„Erdrückt“ von der Schreibarbeit
So weit, so gut. Doch auf der negativen Seite wiederholt Miloš Hernych, wie bei so vielen EU-gesponsorten Projekten, die Beschwerde über die Bürokratie. „Wir werden erdrückt von den formellen Anforderungen, den extremen Lasten an Schreibarbeit und aufwendigen Verwaltungsprozeduren.“
Weiterhin scheinen ihm die Regeln der öffentlichen Ausschreibungen zu einengend. Er glaubt, dass aufgrund der Größe der Universität „das Projekt strikteren Regeln folgen“ müsse, als es sonst der Fall wäre.
Solch übermäßig strengen Regeln hielten Anbieter zurück, die sonst ihre Güter oder Dienstleistungen zu einem günstigeren Preis anbieten würden, doch es verfehlten, allen formalen Anforderungen des Auswahlverfahrens zu entsprechen.
„Wir sind dadurch gefesselt, wenn wir versuchen, unsere unmittelbaren Bedürfnisse zu bedienen. Man kann nicht alles im Voraus planen.“
Trotz diesen Schwierigkeiten lobte Hernych die Kooperation mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, das für das OP VK zuständig ist. „Ministeriumsbeamte versuchten wirklich, ihr Bestes zu geben, um uns zu helfen.“
Während Tschechen die Regeln der Nutzung von EU-Regionalfonds geläufiger werden (die Tschechische Republik ist seit 2004 berechtigt, Regionalfonds zu erhalten), behaupten lokale Gebietskörperschaften, dass die Anzahl von Fehlern in den Projektbewerbungen und ihrer Umsetzung zurückgeht und die Qualität der Projekte steigt. Das OP VK ist in diesem Fall keine Ausnahme.
Die „Zahl von Fehlern unter Bewerbern ist abnehmend“, sagte Jan Vitula, Geschäftsführer der Abteilung für EU-Programme im Bildungsministerium.
Außerdem behauptet das Ministerium, dass es versuche, projektbezogene Fehler zu minimalisieren und zu verhindern. „Wir organisieren Seminare oder Telefonberatungen mit Vertretern der zuständigen Behörde.“ Dies wurde von dem Koordinator des Starttech Projekts bestätigt.
„Softe Projekte“ und ihre (Mängel bei der) Effizienz
Es sei „nicht zu bezweifeln“, dass die Regionalfonds der EU der Tschechischen Republik helfen, den Herausforderungen im Bereich der Bildung gerecht zu werden, so Ministeriumsbeamte.
„Europäisches Geld ist ein Zusatz zu nationalen Geldern, das unser Land in der aktuellen Situation absolut nicht auf die Seite legen könnte. Aus dieser Perspektive heraus sind die Vorzüge der EU-Finanzierung fraglos“, so ein Beamter gegenüber EURACTIV.cz.
Die Rolle der regionalen Finanzierung wird in der Zukunft ebenfalls relevant sein, glaubt Vitula, der behauptet, dass die Europäische Kommission „Bildung als Schlüssel sehe.“
Dennoch teilen nicht alle Akteure diese positive Haltung. Liberecs Regionalpräsident Stanislav Eichler ist voller Lob für EU-Investitionen in der Entwicklung von Transportinfrastruktur, urbanen und ländlichen Gegenden, der Rahmenbedingungen für Unternehmer und Tourismus.
Diese sind Investitionen in die Infrastruktur und in diesen Fällen ist der Effekt europäischen Geldes regelrecht fühlbar. Doch wie sieht der Präsident Projekte, die wie Starttech, eher auf die Investition von Humankapital abzielen?
In diesem Bereich ist Eichler eher skeptisch. „So genannte ‚softe Projekte’ betreffend, bin ich mir nicht sicher, dass das Geld effizient ausgegeben wird.“ Er behauptet weiter, dass die Ergebnisse solcher Projekte oft schwer zu evaluieren sind. Auf der anderen Seite gesteht er ein, dass „es in der aktuellen wirtschaftlichen Krise notwendig ist, Konkurrenzfähigkeit und Bildung, beispielsweise durch Fortbildungen, zu stärken.“
Kritik von „soften Projekten“, die von EU-Regionalfonds unterstützt werden, ist in der Tschechischen Republik recht üblich. Dennoch glaubt Jan Vitula, dass im Fall vom OP VK seine Beamten in der Lage waren, Projekte niedriger Qualität auszuschließen. „Wir versuchen, ineffiziente Unterstützung durch einen zweistufigen Evaluationsprozess zu minimalisieren.“
In diesem Prozess werden Projekte durch Bildungsexperten und in einem späteren Stadium von Spezialisten wirtschaftlicher Realisierbarkeit geprüft.
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